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Bäder und Thermen : Badekulturen in alten Zeiten

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Wie badeten die alten Römer? Was verbirgt sich hinter orientalischen Traditionen wie Hamam oder Rasul? FAZ.NET klärt auf.

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          Die Weltgesundheitsorganisation sieht Gesundheit nicht nur als Abwesenheit von Krankheit, sondern als Zustand vollkommenem körperlichem, seelischem und sozialem Wohlbefinden.

          Erst um die Jahrhundertwende entstanden im christlichen Kulturkreis große Bäder, da die Kirche vom Bad als gesellschaftlichem Ereignis wenig angetan war und gemischte Badehäuser als Sündenpfuhl ansah. Dass Bäder und Thermen aber gut für das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit sind, war in anderen Kulturen schon lange bekannt.

          Ägyptische Traditionen: Baden in Eselsmilch

          Aus diesen Gründen besaß die Bade- und Schönheitskultur in der Antike einen hohen Stellenwert. Die Erzählungen über Kleopatras legendäres Bad in Eselsmilch sind in die Geschichte eingegangen. Auch Salböle spielten bei den Ägyptern eine große Rolle, Reliefs in den berühmten Niltälern belegen dies.

          Von Kleopatra ist bekannt, das sie ihrer Sehnsucht nach ewig jugendlichem Aussehen mit einer Paste aus Hausmäusen, verkokelten Pferdezähnen, Bärenzähnen und anderen kuriosen Zutaten nachkam, die sie auch gegen Haarausfall auftrug.

          Großzügiger Bade-Schauplatz Rom

          Die Römer waren Badefanatiker und ihre Thermen Schönheitsinstitute in prunkvollen Bauten. Die feudalen Badehäuser dienten in erster Linie dem Warmbaden. Hygiene war den Römern schon ein Begriff, wobei der gesamte Körper nur alle zehn Tage in den Genuss eines Vollbades kam. Die tägliche Reinigung beschränkte sich auf Arme und Beine.

          Die Badekultur hatte gleichzeitig eine Kommunikationsebene, die Thermen vergleichbar mit einem Kaffeehaus. Ausgiebiges Baden und die kulturellen wie körperertüchtigenden Angebote waren übrigens keineswegs Privilegien der Reichen. Die erste öffentliche Badeanstalt wurde 150 vor Christus in Pompeji eröffnet und war wenig bemittelten Bürgern sowie der Dienerschaft zugänglich. Männer und Frauen besuchten die Baderäume getrennt voneinander.

          Im römischen Reich wurde nicht gekleckert: Die 216 nach Christus eröffneten Caracalla-Thermen breiteten sich auf einer Fläche von 109.000 qm aus, allein das Badegebäude der Thermenanlage hatte eine Länge von 220 Metern und eine Breite von 114 Metern. Der Badespaß war ein Geschenk des Herrschers an das Volk, der Eintritt frei für jedermann.

          Arabisches Baden im Hamam

          Das Hamam entstand in der Zeit des osmanischen Reiches, primär um den strengen Reinlichkeitsvorschriften des Islam gerecht zu werden. Im türkischen Bad verschwimmen die Grenzen zwischen Sauna, Dampfbad und Massage. In Erzählungen wird es beschrieben als kombiniertes Ess- und Badevergnügen, vergleichbar mit der Atmosphäre eines Basars wurden diverse Leckereien angeboten und konsumiert. Heute wie damals dient es als Zeremoniell zur Entspannung und zur seelischen wie körperlichen Reinigung. Hamam bedeutet übersetzt Wärme.

          Die Räume erreichen eine Temperatur bis 50 Grad, in dem der Körper aufgewärmt wird für die folgende Seifenmassage auf heissem Stein. Der Höhepunkt des Baderituals ist das Abschrubben der Haut durch den Tellak (türkischer Bademeister) mit Kernseife und einem rauhen Seidenhandschuh.

          Das Ganzkörper-Peeling entfernt alte Hautschuppen und sorgt für eine zarte Haut. Nach der etwas härteren Gangart zu Beginn wird die Haut mit einem weichen Seidenhandschuh sanft eingeseift und anschliessend der ganze Körper kräftig durchgeknetet. Eiskalte Güsse bilden den Abschluß der Behandlung.

          Tausend und eine Nacht: Rasul

          Ein orientalisches Pflegezeremoniell, dem sich ursprünglich Haremsdamen unterzogen, bevor sie den Herrscher besuchten, war das Rasul oder Sheherezade-Bad. Heute versteht man darunter Ganzkörperpackungen, die aus verschiedenen Mineralerden auf der Haut aufgetragen werden. Für jede Körperpartie gibt es den passenden Heil-Schlamm. Je nach Empfindlichkeit der Haut ist die Körnigkeit von "grob" für Arme und Beine, bis "fein" für Gesicht und Dekollete geeignet. Den Peelingeffekt unterstützt Mineralsalz, mit dem sich auch unerwünschte Hornhaut an den Füssen entfernen lässt.

          Um das Erlebnis abzurunden dampfen Aromadüfte langsam den Raum ein und nach zwanzig Minuten angenehmen Schwitzens kommt der warme Guss von oben und spült den Schlamm vom Körper.

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