https://www.faz.net/-gtl-6oqyr

Autralian Open : Die Schwestern verlieren ihren Glanz

  • -Aktualisiert am

Die bisherige „Mitläuferin“ Lisa Raymond hat in Melbourne ihre Landsfrau Venus Williams aus dem Turnier geworfen - und ihr damit die Aura der Unbesiegbaren genommen.

          2 Min.

          Für schockierende frühe Niederlagen bei Grand-Slam-Turnieren sind eigentlich die Herren zuständig. In Melbourne erwischte es den allerdings verletzten argentinischen Weltranglistenfünften Guillermo Coria und den ein Platz hinter ihm eingestuften Deutschen Rainer Schüttler schon in der ersten Runde. Doch was den Überraschungseffekt angeht, sind die Herren diesmal von einer Dame übertrumpft wurden. Venus Williams, die Nummer drei der Setzliste, verabschiedete sich in der dritten Runde vom ersten Saisonhöhepunkte des Tennisjahres. Sie wurde von Lisa Raymond besiegt, einer Kollegin, die in den vier Matches zuvor gegen ihre schwarze Landsfrau nicht einen einzigen Satz gewinnen konnte. Diesmal lautete das Ergebnis nach 1:29 Stunden 6:4 und 7:6 (7:5) für die 30jährige Doppelpartnerin von Martina Navratilova - eine der Hinterbänklerinnen der Branche, die als 30. der Weltrangliste im Einzel bisher nichts Großes vollbrachte.

          "Martina hat mir am Morgen eine SMS geschickt: Sei mutig und glaube an dich!" erzählte Lisa Raymond. Sie befolgte den Rat ihrer 47jährigen Partnerinund nutzte weidlich aus, daß Venus Williams nach der langen Pause die Sicherheit in den Grundschlägen und beim Aufschlag fehlte.

          "Ich kann es immer noch nicht glauben. Ich bin schockiert, aber das bin ich nach jeder Niederlage", sagte Venus Williams. Unsicher, gehemmt und manchmal übereifrig agierte die ehemalige Weltranglistenerste, die seit ihrer Finalniederlage in Wimbledon gegen ihre jüngere Schwester Serena kein Turnier mehr bestritten hatte. "Ich glaube, daß ich dieses Match ohne die lange Pause gewonnen hätte", sagte Venus Williams, die zuletzt 2001 bei den French Open gegen die Österreicherin Barbara Schett so früh bei einem Grand-Slam-Turnier ausgeschieden war.

          Im Viertelfinale spielte Lisa Raymond gegen Tatiana Golovin, eine gebürtige Russin, die mit ihren Eltern im Alter von fünf Jahren nach Frankreich übersiedelte. Die junge Französin, die einen Tag zuvor ihren 16. Geburtstag feierte, hatte mit der Russin Lina Krasnorutskaja eine höher eingestufte Gegnerin besiegt. Und da sich auch in der anderen Viertelfinalpartie in dieser Hälfte des Tableaus mit der Französin Nathalie Dechy und der Schweizerin Patty Schnyder zwei ungesetzte Spielerinnen gegenüberstanden, steht bei diesen Australian Open mindestens eine ungesetzte Dame im Halbfinale. Aber erstaunlicher als der Aufstand der bisherigen Mitläufer ist etwas anderes: die neue Keckheit, mit der die Gegnerinnen den Williams-Schwestern gegenübertreten. "Zu einem gewissen Grad haben beide etwas von ihrem Glanz verloren", behauptete Lisa Raymond. Vor einem halben Jahr, als die beiden Powerfrauen in Wimbledon zum fünftenmal bei den letzten sechs Grand-Slam-Turnieren den Sieg familienintern ausspielten, hätte eine solche Aussage wohl niemand gewagt. Aber jetzt ist Venus ausgeschieden und Serena immer noch verletzt - und die beiden Kalifornierinnen haben durch ihre lange Abwesenheit nicht nur ihre führenden Plätze in der Weltrangliste, sondern auch die Aura der Unbesiegbarkeit verloren.

          Weitere Themen

          Jesus und die große Tore-Show

          Champions League : Jesus und die große Tore-Show

          Manchester City gewinnt auch in Zagreb und ebnet Bergamo den Weg ins Achtelfinale. Auch Atlético zieht in die K.o.-Runde ein. Und Piräus setzt sich spät noch durch, um in der Europa League weiterspielen zu dürfen.

          Topmeldungen

           „Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun“: Michael Kretschmer über die AfD

          Tabubruch in Sachsen : CDU für Koalition mit Grünen und SPD

          Auf einem Sonderparteitag stimmt Sachsens CDU mit großer Mehrheit für ein Regierungsbündnis mit Grünen und SPD. Nicht immer erntet Michael Kretschmer dabei so viel Beifall wie für seine Attacke gegen die AfD.
          Unser Sprinter-Autor: Cai Tore Philippsen

          F.A.Z.-Sprinter : „Lügner“ gegen „Marxist“

          Großbritannien wählt, der Maut-Untersuchungsausschuss nimmt Scheuer in die Zange – und der EU-Gipfel in Brüssel berät über Von der Leyens „Green Deal“. Das Wichtigste des Tages steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.