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Zverev gegen Djokovic : Was sagt der Bauch?

  • -Aktualisiert am

Alexander Zverev (links) hat Novak Djokovic in sieben Matches zweimal besiegt, zuletzt im November 2018. Bild: Reuters und EPA, Bearbeitung F.A.Z.

Vor ihrem Duell um den Halbfinal-Einzug bei den Australian Open haben Alexander Zverev und Novak Djokovic gesundheitliche Probleme. Wie schlimm es wirklich ist, bleibt unklar. Vor allem der Serbe gibt Rätsel auf.

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          Die Bauchmuskeln von Tennisspielern haben es nicht leicht; bei Vorhand und Rückhand werden sie in der Rotation strapaziert, und beim Aufschlag müssen sie mit der Überdehnung bei der Ausholbewegung ebenso klarkommen wie mit der Verkürzung beim Treffen des Balles. Lang – kurz, sozusagen, kurz – lang. Sie sind also Kummer gewohnt, aber so viel muskulären Protest wie dieser Tage bei den Australian Open gab es wohl noch nie. Zu Beginn der zweiten Woche kamen zwei neue Fälle dazu; der Italiener Matteo Berrettini trat auf Anraten der Ärzte zum Achtelfinale nicht an, und Casper Ruud aus Norwegen gab während seines Spiels auf.

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          Weitere Bauch-Patienten sind dagegen immer noch im Spiel, allen voran Novak Djokovic und Alexander Zverev. Auch Zverev hatte vom ersten Spiel an Schmerzmittel genommen und trug ein Kompressionspflaster unter dem Hemd, Djokovic zog sich die Verletzung zu Beginn des dritten Satzes in Runde drei gegen Taylor Fritz (Vereinigte Staaten) zu, und seither wird heftig diskutiert. Wieder mal. Die ersten beiden Sätze gegen den Amerikaner hatte er gewonnen, in den nächsten beiden hatte es so ausgesehen, als könnte er kaum noch eine Vorhand durchziehen, im fünften riss er das Ding herum.

          Danach ließ er einen mächtigen Schrei in den dunklen Himmel über Melbourne los und erklärte, als er wieder Luft bekam, das sei einer der größten Siege seiner Karriere gewesen. Nun muss man dazu sagen, dass Djokovic öfter in Spielen den Eindruck macht, er wäre am Ende, und dass er dann nach einer Behandlungsauszeit so aussieht, als wäre er einer Heilquelle entstiegen. Aber warum sollte jemand, der ein Spiel im Griff hat und mit 2:0 Sätzen führt, eine Behandlungsunterbrechung brauchen, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen?

          „Möchte nicht darüber sprechen“

          Zwei Tage später gewann er in vier Sätzen gegen den wie immer mächtig aufschlagenden Kanadier Milos Raonic – es war der 300. Sieg des Serben bei einem Grand-Slam-Turnier, mehr hat nur Roger Federer. Und natürlich ging es danach weiter um die Verletzung. Nach dem Sieg über Fritz hatte er selbst vermutet, es handele sich um einen Muskelfaserriss, aber bei der Nachfrage zur offiziellen Diagnose wich er nach dem Achtelfinale aus.

          „Ich kann verstehen, dass ihr alle Details wissen wollt“, sagte er, „aber ich möchte nicht darüber sprechen. Ja, ich hatte ein MRI (Kernspintomographie), und ich weiß, was es ist.“ Und ja, natürlich gebe es immer die Gefahr, die Sache schlimmer zu machen mit einem weiteren Spiel und damit eine längere Pause zu riskieren. Aber es könne auch besser werden. „Du weißt nie, was mit dir passiert, wenn du auf dem Platz stehst. Du lässt dich mitreißen; wenn du auf diesem Niveau spielst, willst du alles geben.“

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          Alexander Zverev weiß, dass er an diesem Dienstag im Viertelfinale gegen den Titelverteidiger (Beginn etwa 11.00 Uhr MEZ bei Eurosport) nichts anderes erwarten sollte als einen Gegner mit größten Ambitionen. Zverevs letzter von zwei Siegen aus insgesamt sieben Begegnungen mit Djokovic liegt schon eine Weile zurück – das war im November 2018, als er bei den ATP Finals in der Londoner O2 Arena den Titel gewann. Auch die erste gemeinsame Partie hatte er gewonnen, anderthalb Jahre vorher auf Sand im Foro Italico in Rom, kurz nach seinem 20. Geburtstag. Diese beiden Siege gehörten zu den größten seiner Karriere, findet Zverev, es sei immer gut, sich daran zu erinnern.

          Aber auch bei der letzten der fünf Niederlagen gegen die Nummer eins gab es diverse Mut machende Momente, und man braucht kein besonders gutes Gedächtnis, um sich daran zu erinnern; das Spiel fand erst vor ein paar Wochen statt, Anfang Februar in der Vorrunde des ATP Cups in Melbourne, und Deutschlands bester Tennisspieler verlor in drei engen, hochklassigen Sätzen. Er schien bemerkenswert gut in Form zu sein, so kurz vor den Australian Open. Bis jetzt hat sich an dem Eindruck nichts geändert.

          Aber zur generellen Frage, wie lange und wie gut einer mit einer Verletzung spielen kann und was er damit riskiert, noch ein Wort von Rafael Nadal, einem ausgewiesenen Fachmann. Den Spanier zwickte es schon vor Turnierbeginn im Rücken – diesmal nicht der Bauchmuskel, sondern ein Antagonist –, doch inzwischen kommt es ihm vor, als hätte er sich allmählich warm gespielt.

          Er sieht die Sache so: „Wenn du Schmerzen hast, die dich in deinen Bewegungen nicht zu sehr limitieren, dann findest du vielleicht einen Weg. Aber wenn du wirklich, wirklich eine ernsthafte Verletzung hast, dann ist es nicht möglich, ein Turnier wie dieses zu gewinnen.“ Er selbst ist nach dem Erfolg im Achtelfinale gegen den Italiener Fabio Fognini mit kleiner werdenden Problemen und wachsender Zuversicht noch drei Siege von seinem 21. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier entfernt. 21 – und damit einer mehr als ein nicht ganz unbekannter Kollege aus der Schweiz.

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