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Zverev bei den Australian Open : „Meine Fitness ist meine Stärke“

Jubelschreie sollen auch nach dem Achtelfinale ertönen: Alexander Zverev will bei den Australian Open um den Titel mitspielen. Bild: EPA

Alexander Zverev steht erstmals im Achtelfinale der Australian Open. Nicht nur die Top-Stars der Tennisszene glauben vor dem Spiel in der Nacht zu Montag an die Champion-Qualität des Hamburgers. Das hat einen Grund.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Der mittlerweile ausgeschiedene Roger Federer nannte vor dem Start der Australian Open drei Namen, als er nach seinem Favoriten auf den ersten Grand-Slam-Titel des Jahres gefragt wurde: Novak Djokovic, Rafael Nadal und Alexander Zverev. Was bei Djokovic und Nadal selbstverständlich erscheint, ist es bei Zverev allerdings nicht. Während der Serbe schon 14-mal Major-Turniere gewann und der Spanier gar 17-mal, schaffte es der Deutsche in 14 Versuchen nur einmal bis ins Viertelfinale, das war 2018 in Paris.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Bei seinen drei bisherigen Auftritten in Melbourne war Zverev einmal in der ersten Runde und zweimal in der dritten gescheitert, am Samstag qualifizierte sich der 21 Jahre alte Hamburger durch ein 6:3, 6:3, 6:2 über den Australier Alex Bolt erstmals für das Achtelfinale. Aber hat er schon das Zeug, die übliche Ü-30-Party bei Grand Slams zu sprengen? Die Konkurrenten glauben, ja. Für sie kam Zverevs Triumph beim ATP-Finale im vergangenen November in London einem Durchbruch gleich. Nacheinander hatte er im Halbfinale und Endspiel Federer und Djokovic bezwungen. Beide behaupteten, Zverevs Schwäche bei Grand Slams hätte die längste Zeit bestanden.

          Die ersten Vorstellungen auf der Grand-Slam-Bühne im neuen Jahr belegen den Reifeprozess des Tennisprofis Alexander Z. über den Winter. In der zweiten Runde machte der Vierte der Weltrangliste das erste Mal in seiner Karriere die schlechte Erfahrung, nach einer 2:0-Führung noch den Satzausgleich hinnehmen zu müssen. Der Franzose Jeremy Jardy spielte plötzlich Weltklassetennis, Zverev schien mit seinem Latein am Ende, wie schon häufiger in Fünfsatzspielen in seiner Grand-Slam-Vergangenheit. Aber diesmal schlug er zurück und gewann den Entscheidungssatz 6:1. Im vergangenen Jahr war er gegen den Südkoreaner Hyung 0:6 untergegangen, als er ihn mit dem Verlust einer 2:1-Satzführung der Frust packte.

          Auch am Samstag gegen Bolt ließ sich Zverev von Rückschlägen nicht beeindrucken. Der 26 Jahre alte Lokalmatador wurde bei seinem ersten Auftritt in der Rod Laver Arena von seinen Landsleuten frenetisch angefeuert. Der frühere Bauarbeiter, der nur dank einer Wildcard seines Landesverbandes die Zulassung für das Hauptfeld erhielt, legte schnell seine Scheu auf der großen Bühne ab. Mitte des ersten Satzes konterte die Nummer 155 der Welt Zverevs frühes Break – das Stadion tobte. Statt zu schwächeln, legte der Deutsche wieder zu und gewann den ersten Durchgang 6:3. Genauso setzte sich das Spiel bis zum Matchball fort. Immer, wenn sein riesiger Kampfgeist dem Australier eine kleine Chance eröffnet hatte, der Auseinandersetzung eine Wende zu geben, raubte ihm Zverev gleich wieder die Hoffnung. Er zog das Tempo an und steigerte die Schlaghärte.

          Aber Zverev hat auch während seiner Grand-Slam-Kampagnen in den vergangenen Jahren schon so manche reife Leistung gezeigt. Die Frage ist noch nicht beantwortet, ob er inzwischen über die nötige Konstanz für einen Grand-Slam-Sieg verfügt. An diesem Montag (gegen 3.15 Uhr MEZ bei Eurosport, alle Infos zum Spiel auch auf der FAZ.NET-Sonderseite zu den Australian Open) kommt auf ihn eine ganz besondere Reifeprüfung zu.

          Ein hartes Match gegen Raonic wartet

          Mit seinem Widersacher im Achtelfinale verbinden den Deutschen schlechteste Erfahrungen. In der gleichen Runde des Wimbledon-Turniers 2017 war er Milos Raonic im fünften Satz 1:6 unterlegen, nachdem er vier Sätze lang der bessere Spieler gewesen war. Mangelnde Erfahrung und Ungeduld verdarben ihm das Spiel. Zverev wirkte nach der Niederlage in der Umkleidekabine so verzweifelt, dass Federer auf ihn zutrat, um ihn zu trösten. Er solle sich das nicht so zu Herzen nehmen, er sei noch jung und habe viele Gelegenheiten, Versäumtes nachzuholen. Und er machte Zverev darauf aufmerksam, dass es nicht sinnvoll sei, sich zu viel Druck aufzuerlegen. Zverev schien im Juli 2017 Federers Worten nicht allzu viel Glauben zu schenken. Auf der Pressekonferenz nach der Raonic-Niederlage polterte er noch: „Ich will nicht mehr aus Niederlagen lernen, ich will gewinnen.“

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