https://www.faz.net/-gtl-9vy6c

Tennisprofi Alexander Zverev : Endlich im Grand-Slam-Modus angekommen

  • -Aktualisiert am

Die Hand schon mal am Siegerpokal: Alexander Zverev posiert in Australien bestens gelaunt mit den Sieger im Rollstuhl-Doppel. Bild: dpa

Alexander Zverev macht bei den Australian Open einen großen Schritt: Er steht erstmals im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Dort trifft er auf einen guten Freund – den Österreicher Dominic Thiem.

          4 Min.

          Um fünf Minuten nach fünf an einem wolkenlosen australischen Sommertag deutete sich das Ende des Ja-aber-Teils in Alexander Zverevs vielversprechender Karriere an. Selbst die größten Erfolge – der Triumph bei den ATP Finals 2018, die drei Titel bei den Masters-1000-Turnieren – wurden in der Vergangenheit manchmal mit dem Hinweis relativiert, natürlich sei das großartig, aber er müsse die Leistung auch so bald wie möglich bei den Edelmarken des Tennis zeigen, den Grand-Slam-Turnieren.

          Zweimal Viertelfinale in Paris standen bis zum Mittwoch bisher als beste Bilanz zu Buche. Doch mit dem Sieg gegen den Schweizer Stan Wawrinka (1:6, 6:3, 6:4, 6:2) bei den Australian Open in Melbourne landete Zverev am Mittwoch zum ersten Mal in seiner Karriere im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers, in dem er am Freitag (9:30 Uhr/ Eurosport) gegen einen guten Freund spielen wird: den Österreicher Dominic Thiem. Der war um fünf Minuten vor Mitternacht nach dem dritten Matchball eines aufregenden Spiels gegen Rafael Nadal am Ziel (7:6, 7:6, 4:6, 7:6) und meinte danach, er freue sich nicht nur auf dieses Spiel, sondern vor allem auch darüber, dass es Zverev endlich geschafft habe.

          Schlechte Vorbereitung als Glücksfall

          Der Schritt, den Zverev in Melbourne machte, ist noch größer, als es auf den ersten Blick aussieht, denn er steht für Fortschritt und Entwicklung. Aber wie hätten die Erwartungen, die er wie einen mit Steinen gefüllten Wagen hinter sich her zog, nicht entstehen sollen? Vor der ersten Begegnung mit dem damals knapp 19 Jahre alten Zverev 2016 in Indian Wells hatte Nadal prophezeit, der sei die klare zukünftige Nummer eins, ein erstaunlicher Spieler, der alles habe, um ein großer Star zu werden. Nach der zweiten Begegnung zehn Monate später bei den Australian Open 2017 legte er nach und sagte: „Er ist die Zukunft unseres Sports und die Gegenwart auch.“ Und nach dem Finale des Turniers in Rom im Mai 2018 lieferte er Teil drei der Lobestrilogie, als er verkündete, falls Zverev in den nächsten beiden Jahren bei den Grand-Slam-Turnieren nicht gut spiele, dürfe man ihm sagen, er verstehe nichts vom Tennis.

          Der Weg zeigt nach oben: Alexander Zverev bei den Australian Open.
          Der Weg zeigt nach oben: Alexander Zverev bei den Australian Open. : Bild: EPA

          Kurios an der ganzen Geschichte ist also nicht, Alexander Zverev nun tatsächlich im Halbfinale zu sehen, sondern dass es gerade jetzt passiert. Nach einem eher bescheidenen Jahr 2019, nach einer Vorbereitung auf 2020, für die er so gut wie keine Zeit hatte, weil er kurz vor dem Jahreswechsel mit Roger Federer zu einer Werbetour nach China geflogen war, und nach einem Auftakt beim ATP Cup in Brisbane, von dem er selbst sagt, der hätte kaum schlechter sein können. Nach vier souveränen Spielen in Melbourne, in denen er nie in Gefahr geraten war, bestand er die erste schwere Prüfung mit Bravour.

          Den klaren Verlust des ersten Satzes hakte er schnell ab, weil er wusste, dass Wawrinka in diesem Satz großartig gespielt und dass er sich selbst schwergetan hatte, mit den veränderten Bedingungen umzugehen, mit Sonne und Wärme statt Abend und Dunkelheit wie im Spiel davor. Im zweiten Satz schlug er auf wie ein junger Gott und gab dabei keinen einzigen Punkt ab – gab es wirklich eine Phase, in der er den Aufschlag verloren zu haben schien, dieses kostbare Gut? Und den Rest hatte er so souverän im Griff wie in den Spielen zuvor. Gegen einen Mann, der sich auskennt in großen Spielen, der drei von vier Grand-Slam-Finals gewonnen hatte.

          Weitere Themen

          Mit feinem Händchen

          Pokalfinale im Volleyball : Mit feinem Händchen

          Nach schmerzhaften Corona-Auszeiten in dieser Saison gewinnt Schwerin auf dem schnellsten Weg den Volleyball-Pokal. Eine besondere Rolle spielt Denise Imoudu, die nach Wanderjahren glänzend Regie führt.

          Topmeldungen

          Söder und Kretschmer : Mehr impfen, auch im Supermarkt

          Bayern und Sachsen verlangen, dass mehr Impfstoff in die von Corona stark betroffenen Grenzregionen geliefert wird. Vor der nächsten Konferenz mit der Kanzlerin warnen die Ministerpräsidenten vor einem „Öffnungsrausch“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.