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Nadal-Bezwinger in Melbourne : „Ich bin wie ein kleiner Vogel geflogen“

  • -Aktualisiert am

Kann seinen Erfolg kaum fassen: Stefanos Tsitsipas bezwingt Rafael Nadal. Bild: Reuters

Im Viertelfinale der Australian Open deutet zunächst alles auf einen Sieg von Rafael Nadal hin. Doch am Ende triumphiert Außenseiter Stefanos Tsitsipas, dem gleich zwei bemerkenswerte Leistungen gelingen.

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          Der Sieger selbst verkniff sich jede Geste des Triumphs. Aber ein gellender Schrei in der fast leeren Arena zeigte, dass etwas Besonderes passiert war. Er kam von Apostolos Tsitsipas, Vater und Coach seines Sohnes Stefanos, und dieser Sohn hatte gerade das Kunststück fertiggebracht, den großen Rafael Nadal in fünf Sätzen zu besiegen.

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          Das wäre an sich schon eine bemerkenswerte Geschichte, denn der Spanier gewann in seiner glorreichen Karriere fast zwei Drittel seiner Spiele, die über die volle Distanz gingen. Doch Tsitsipas erhöhte den Schwierigkeitsgrad beträchtlich, denn er bog das Ding nach einem 0:2-Satzrückstand um und gewann in etwas mehr als vier Stunden 3:6, 2:6, 7:6, 6:4, 7:5.

          Es war ein Spiel in zwei Hälften an diesem warmen Abend in der Rod Laver Arena, und in der ersten sah es so aus, als habe der Grieche keine Chance; genauso wie vor zwei Jahren an gleicher Stelle, als er im Halbfinale klar in drei Sätzen gegen Nadal verloren hatte. Zu dieser ersten Phase gehörte die Frage, wie es die Stars des Männertennis immer wieder schaffen, die Jungen nach wie vor in Schach zu halten; was tags zuvor bei Novak Djokovic und Alexander Zverev passiert war, das schien sich hier zu wiederholen.

          Tsitsipas nutzt seine Chance

          Und als Tsitsipas nach dem ersten auch den zweiten Satz verlor, schien die Tendenz klar zu sein. In 15 Jahren hatten es nur zwei Spieler geschafft, Nadal nach einem solchen Rückstand noch zu besiegen, Roger Federer 2005 beim Turnier in Key Biscayne und der Italiener Fabio Fognini zehn Jahre später bei den US Open in New York. Aber Tsitsipas blieb dran, fand allmählich besser ins Spiel, erzwang einen Tiebreak im dritten Satz und registrierte mit größtem Interesse, wie Nadal zwei Schmetterbälle ins Gelände schoss. Und in dem Moment, als sich dem Herausforderer die Chance bot, griff er zu. Äußerlich scheinbar ungerührt, aber nun getragen von frischer Zuversicht.

          Damit begann die zweite Hälfte der Partie, in der Tsitsipas von Minute zu Minute zwingender spielte, viele Ballwechsel von der Grundlinie dominierte und dazu noch wie ein Weltmeister servierte. Auch Nadal schlug stark auf, und ohne diesen Aufschlag hätte er ohnehin keine Chance mehr gehabt.

          Augen zu und raus: Rafael Nadal
          Augen zu und raus: Rafael Nadal : Bild: AFP

          „Ich weiß nicht, was nach dem dritten Satz passiert ist“, meinte Tsitsipas nach dem Spiel, „ich bin wie ein kleiner Vogel geflogen, alles hat irgendwie funktioniert.“ Er spürte nichts mehr von der Nervosität, die ihn am Anfang gebremst hatte; er war ganz bei sich und brachte das Werk zu Ende. Den ersten Matchball vergab er, den zweiten wehrte Nadal ab, und beim dritten gönnte er sich seinen besten Schlag, Rückhand die Linie runter.

          So landete der beste Tennisspieler, den Griechenland je hatte, zum dritten Mal in seiner Karriere im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. So wie 2019 in Melbourne und im vergangenen Oktober bei den French Open in Paris. Am Freitag wird er nun gegen den Russen Daniil Medwedew spielen, der sich mittags beim klaren Sieg gegen Landsmann Andrej Rubljow in souveräner Form präsentiert hatte.

          Und Nadal? Der begrub seine Hoffnungen auf den zweiten Titel in Australien, ein Dutzend Jahre nach dem Gewinn des ersten, wie immer mit Perspektive und Stil. „Er hat es gut gemacht und hat in den wichtigen Momenten besser gespielt als ich“, kommentierte er. „Und ich beschwere mich nicht. Wieder ein Match, das ich hier in Australien nach großen Vorteilen verloren habe, das muss ich akzeptieren und weitermachen. So ist das Leben.“

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