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Serbien holt ATP Cup : Ein unvergesslicher Abend für Novak Djokovic

  • -Aktualisiert am

Einfach umwerfend: Novak Djokovic (am Boden) und die Serben gewinnen den neuen ATP Cup. Bild: EPA

Der ATP Cup legt eine bemerkenswerte Premiere hin. Serbien mit einem aufgedrehten Novak Djokovic gewinnt die erste Ausgabe im Finale gegen Rafael Nadals Spanier. Doch zwei Fragen bleiben.

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          Am Ende musste man ihn fast mit dem Lasso einfangen. Aufgedreht und voller Adrenalin, führte Serbiens bester Spieler seine Mannschaft im Finale des ersten ATP Cups zum Sieg. Das erste Spiel des Abends hatten die Spanier mit Roberto Bautista Agut gegen Dusan Lajovic gewonnen, doch danach begann die Show des Novak Djokovic, der mit einer Galavorstellung gegen Rafael Nadal ausglich und dann mit Viktor Troicki gegen Pablo Carreño Busta und Feliciano Lopez mit dem Sieg im Doppel den entscheidenden, den pokalbringenden, den Freudentaumel auslösenden Punkt brachte. Daran, sagte Djokovic vor der Siegerehrung, werde er sich garantiert für den Rest seines Lebens erinnern.

          Es soll Leute geben, die finden, mit einem Wettbewerb wie dem ATP Cup so kurz vor dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres löse sich die Spannung auf die ersten großen Spiele in Luft auf, aber das Gegenteil ist der Fall. Das gilt im Allgemeinen, vor allem aber im Besonderen im Fall von Djokovic und Nadal. Gemessen am Auftritt der beiden am Sonntag in der Ken-Rosewall-Arena, ist es eine ziemlich aufregende Aussicht, sie in drei Wochen in Melbourne vielleicht wieder gemeinsam bei der Arbeit zu sehen. Die 55. Begegnung brachte Djokovic den 29. Sieg (6:2, 7:6), den 20. auf einem Hartplatz. Aber noch eindrucksvoller ist eine andere Zahl. Der letzte Sieg des Spaniers gegen den Serben auf diesem Boden liegt mehr als sechs Jahre zurück – das war 2013 bei den US Open. Danach gewann Djokovic nicht nur alle sieben Begegnungen, sondern er gab dabei nicht einen einzigen Satz ab. Auch diesmal nicht an diesem äußerlich kühlen, gemessen an der Spieltemperatur aber hitzigen Abend.

          Djokovic hatte die besseren Voraussetzungen für die Partie, da Nadal am dritten Abend nacheinander spielen musste. Das sah man dem Spanier im ersten Satz auch an, in dem er angesichts der Präzision und Präsenz des anderen oft zu spät kam. Doch die Art, wie er sich zu Beginn des zweiten Satzes auf dem Weg zum Stuhl mit einem dreifachen „Come on“ und obendrauf noch mit einem „Vamos“ anfeuerte, deutete darauf hin, dass er noch einiges zu sagen hatte in diesem Spiel. Es wurde ein spektakulärer Satz mit dem Ersten und dem Zweiten der Weltrangliste. Doch was immer Nadal versuchte, er kam nicht an Djokovic vorbei. Selbst fünf Breakbälle im sechsten Spiel nützten nichts, weil Djokovic mit drei Winnern und zwei Assen antwortete – zur Begeisterung der serbischen Fans, die im vollbesetzten Stadion auch an diesem Abend deutlich in der Mehrheit waren.

          Dieser aufregende letzte der zehn Tage in Brisbane, Perth und Sydney passte zum Rest – der ATP Cup, da sind sich alle einig, legte eine bemerkenswerte Premiere hin. Das Konzept mit den drei Spielorten passt, obwohl die Spanier, als Gruppensieger aus Perth kommend, in Sydney mit drei Stunden Zeitverschiebung eine zusätzliche Last zu schultern hatten. Die Qualität der Spiele war gut bis umwerfend; nicht nur im Finale oder im Halbfinale zwischen Djokovic und dem Russen Daniil Medwedew. Die mehr als drei Stunden mit Alex de Minaur und dem Briten Daniel Evans verwöhnten mit Tennis auf einem Niveau, das man in den ersten Tagen des neuen Jahres gewöhnlich nicht sieht. Und der Wettbewerb präsentierte eine Bühne für Leute, die meist nur im Rahmenprogramm wahrgenommen werden wie das belgische Doppel Sander Gille und Joran Vliegen, die Nadal und dessen Partner um ein Haar besiegt hätten.

          Zwei Fragen bleiben, eine naheliegende und eine ganz generelle. Die erste: Wie werden die Besten der Mannschaften aus dem Halbfinale und Finale den harten Parcours bis zum Beginn der Australian Open am Montag nächster Woche verkraften? Nadal und Djokovic, der für das Turnier in Adelaide in dieser Woche gemeldet hatte, dann aber zurückzog, spielten achtmal in zehn Tagen, das ist keine Kleinigkeit. Immerhin haben sie nun eine Woche Zeit zur Regeneration, aber wie geht es einem Alex de Minaur, der gleich weitermachen muss und in Adelaide an Nummer eins gesetzt ist? In den ersten beiden Sätzen bei seiner Niederlage gegen Rafael Nadal spielte der junge Australier, als wolle er die Welt an einem Tag erobern, am Ende war der Tank sichtlich leer, und Nadal dachte überhaupt nicht daran, beim Nachtanken behilflich zu sein.

          Als der Spanier gefragt wurde, wie ihm der ATP Cup als Auftakt zur neuen Saison denn nun gefallen habe, da meinte er: „Er dauert lange, und es ist eine harte Art, die Saison so anzufangen. Es ist wirklich ein toller Wettbewerb, aber auf der anderen Seite sind zwei Weltcups innerhalb eines Monats ein Ding der Unmöglichkeit. Wir müssen einen Weg finden, um mit der ITF (Tennis-Weltverband) und der ATP einen einzigen großen Wettbewerb zu kreieren. Für das Wohlergehen unseres Sports kommen wir daran nicht vorbei.“ Es liegen zwar in der Realität nicht nur vier, sondern fast sechs Wochen zwischen Davis Cup und ATP Cup, aber das ändert nicht viel. Auch Djokovic sagte bei diversen Gelegenheiten, für die Zukunft müsse eine Lösung her. Wenn die konkurrierenden Verbände nur halb so beweglich wären wie er selbst beim Spagat und anderen Kunststücken im Spiel, wären die Chancen dafür deutlich größer.

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