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Deutsche Tennis-Damen : Dreifaches Hoch mit neuen Saiten

  • -Aktualisiert am

Julia Görges erreicht erstmals seit 2012 wieder das Finale eines WTA-Turniers. Bild: AFP

Die deutschen Tennis-Damen starten furios in die neue Saison. Angelique Kerber und Julia Görges stehen im Endspiel. Beim Hopman Cup in Perth dagegen ist das deutsche Duo chancenlos.

          In der Winterpause lagen die besten deutschen Tennisspielerinnen offensichtlich nicht allzu oft auf dem Sofa oder im Liegestuhl. Angelique Kerber verordnete sich ein strenges Fitnessprogramm, achtete – außer an den Weihnachtstagen – verstärkt auf die Ernährung und experimentierte mit einer neuen Saitenkombination, die mehr Druck, mehr Ballgefühl und mehr Drall erzeugen soll. Andrea Petkovic und Julia Görges entschieden sich für ein neues Trainer- und Betreuerteam, und nach den aktuellen Eindrücken dieser Woche sieht es so aus, als seien damit alle auf dem richtigen Weg. Zwei landeten bei den ersten Turnieren im Einzel gleich im Finale – Julia Görges in Auckland in Neuseeland, Angelique Kerber im australischen Küstenort Brisbane, wo sie an diesem Samstagmorgen gegen Viktoria Asarenka um den Titel spielt. Und falls das noch nicht genügen sollte, gibt’s danach ein Schmankerl obendrauf mit Angelique Kerber und Andrea Petkovic im Doppelfinale gegen das beste Duo der Welt, Martina Hingis und Sania Mirza.

          Aber die einfache Freude in Auckland stand der doppelten in Brisbane nicht nach. Seit ein paar Wochen arbeitet Julia Görges mit den Coaches Michael Geserer und Matthias Mischka sowie dem Regensburger Physio Florian Zitzelsberger zusammen, und das funktioniert offensichtlich ziemlich gut.

          Mit einem souveränen Sieg gegen Tamira Paczek aus Österreich (6:4, 6:2) landete sie am Freitag zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren wieder im Finale eines WTA-Turniers; in der Weltrangliste, in der sie momentan auf Rang 50 steht, wird sie damit unabhängig vom Ausgang des Finales gegen Caroline Wozniacki oder die Amerikanerin Sloane Stephens mindestens sieben Plätze aufrücken. Sie brachte den Erfolg auf den kurzen Nenner: tolles Team – toller Erfolg. „Wir arbeiten erst seit knapp acht Wochen zusammen, aber es ist schön zu sehen, dass die ganze Mühe jetzt schon Früchte trägt. Mein neues Team hat mit mir sehr hart gearbeitet speziell in Sachen Fitness und Athletik. Außerdem haben wir eine super Stimmung und Harmonie.“

          An der Mannschaft hat Angelique Kerber nicht viel geändert – sieht man davon ab, dass der Physiotherapeut Alex Stober nach einer mehrwöchigen Testphase im vergangenen Jahr nicht mehr dazugehört. Aber sonst ist es nicht zu übersehen, dass sie aus dem unglücklichen Ende der vergangenen Saison mit der verpassten Chance beim WTA-Finale in Singapur Schlüsse gezogen hat. Sie sagt, 2016 solle es endlich klappen mit besseren Ergebnissen bei den großen Turnieren, und dafür habe sie eine Menge getan. Früher habe sie sich manchmal nicht mehr zur zweiten und dritten Wiederholung einer unangenehmen Übung im Ausdauerbereich überwinden können, sagt sie, jetzt mache sie freiwillig noch eine Übung mehr. Kann man sagen, sie habe den inneren Schweinehund inzwischen besser im Griff? „Ja, kann man sagen. Im Gym, auf dem Platz und wo auch immer.“

          Holpriger Start, starkes Finish

          In Brisbane ist der Schweinehund mächtig auf Trab. Mit dem Ziel, die Errungenschaften aus dem Wintertraining in möglichst vielen Spielen in den Turnieralltag zu übertragen, war sie nach Australien gekommen, aber dass es gleich so viele werden würden, hatte sie nicht gedacht. Vier Auftritte im Einzel und drei im Doppel waren bis Freitag zu erledigen, an den letzten beiden Tagen je eine Einheit aus beiden Kategorien. Was am Tag der Halbfinals als Programm in etwa so aussah: am Nachmittag ein ebenso kraftvoller wie dynamischer wie entschlossener Auftritt beim Sieg gegen Carla Suárez Navarro aus Spanien (6:2, 6:3), danach schnell umgezogen, in die Pressekonferenz, kurz entspannt, wieder aufgewärmt und dann raus zum Doppel mit Andrea Petkovic.

          Auch Angelique Kerber lässt sich nicht aufhalten auf dem Weg ins Finale. Bilderstrecke

          Dort ein etwas holpriger Start, aber ein starkes Finish und noch ein Sieg. Die Konstellation im Finale ist nun nicht nur deshalb reizvoll, weil auf der anderen Seite das derzeit beste Frauendoppel der Welt stehen wird, sondern auch, weil die Hälfte dieses Doppels aus der Schweiz kommt – Martina Hingis – und weil die Deutschen Anfang Februar in Leipzig im Fed Cup gegen eben diese Schweiz spielen werden.

          Vor ein paar Wochen hatte es noch so ausgesehen, als stehe der deutschen Mannschaft da ein schwerer Gang bevor. Angelique Kerbers verpasste Chance in Singapur, Andrea Petkovics Krise und Endzeitstimmung, Julias Görges’ Stagnation und Sabine Lisickis Verletzung – das alles hatte keinen allzu guten Eindruck gemacht. Aber bis auf Sabine Lisicki, die beim Hopman Cup in Perth in dieser Woche nach langer Pause kein Spiel gewann, sind alle anderen schon zu Beginn des Jahres überraschend gut in Form.

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