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Manipulation im Tennis : „Perfekte Sportart für Korruption“

  • -Aktualisiert am

Schatten auf dem weißen Sport: Auch der Heilige Rasen von Wimbledon dürfte befleckt sein Bild: AFP

Die Manipulationsverdächtigungen erschüttern die Tennisszene weiter: Altstars brüsten sich auf Twitter damit, Verdächtige benennen zu können. Die derzeit besten Spieler fordern Aufklärung und wundern sich über Werbeverträge mit Wettanbietern.

          Mit ein wenig Abstand, sowohl zeitlich als auch räumlich, sieht man viele Dinge ziemlich klar. Mehr als zehn Jahre war der Amerikaner Andy Roddick als Profi auf der Tour unterwegs, im Herbst 2012 trat er zurück, aber er ist dem Tennis weiter eng verbunden. Und man kann davon ausgehen, dass er nach wie vor über Detailkenntnisse verfügt. Einen Tag, nachdem die BBC und die amerikanische Online-Plattform BuzzFeed über gravierende Verdächtigungen bei illegalen Wetten im Tennis berichtet hatten, darunter die Annahme, acht von 16 Spielern, die in den letzten Jahren in Wettbetrug verwickelt waren, seien bei den Australian Open am Start, veröffentlichte Roddick auf Twitter eine interessante Nachricht. Er schrieb: Habe gerade von einem anderen früheren Pro einen Text bekommen, in dem steht: „Wir sollten mal versuchen, wie viele der 16 wir beim Namen nennen können. Ich denke, ich kenne mindestens acht oder neun.“

          Da fragt man sich, warum die Spielerorganisation ATP und die Kommission zur Integrität im Tennis (TIU) nicht einfach einen Aufruf an alle ehemaligen Profis schicken und sie auffordern, Klartext zu reden. Warum bei der Arbeit der TIU letztlich wenig bis nichts herauskommt, das kann auch ein kenntnisreicher Insider nicht verstehen. Die Internetseite der amerikanischen Illustrierten „Sports Illustrated“ veröffentlichte am Dienstag ein Interview mit einem Mann, der früher beim Wettanbieter Betfair eine Rolle spielte und der jetzt die Webseite „Sports is Made for Betting“ betreibt, ein gewisser Scott Ferguson.

          Der sagt, er sei keinesfalls überrascht von den neuen Vorwürfen. In der Vergangenheit seien den Gremien des Tennis lange Listen verdächtiger Spiele überreicht worden, darauf immer und immer wieder vertraute Namen, aber es sei immer die gleiche Geschichte: „Reaktion des TIU gleich Null. Die Überraschung besteht für mich lediglich darin, dass wir wieder auf dem gleichen Niveau angekommen sind wie 2007. Es kommt mir so vor, als habe der TIU einen Eingangskorb mit der Aufschrift: ,Zu kompliziert‘. Und dass jeder Fall, der einen Spieler unter den besten 200 der Rangliste betrifft, als Fall betrachtet wird, den man nur schwer gewinnen kann. Tennis spielt eine große Rolle im Wettgeschäft und ist die perfekte Sportart für Korruption, weil nur zwei Leute an einem Spiel beteiligt sind.“

          Was passieren muss, um endlich Licht ins Dunkel zu bringen? „Die Integrity-Kommission darf nicht schweigen“, fordert Ferguson. „Sie sollte den Spielern jeden Tag Fragen stellen. Nutzt endlich alle Daten und hört auf, in den Achtzigern zu leben.“ Nachdem sich zunächst Novak Djokovic und Roger Federer geäußert hatten und größere Anstrengungen zur Aufdeckung der Misere gefordert hatten, zog am Dienstag der Kollege Andy Murray nach. Der Schotte meint, es sei wichtig, junge Spieler von Anfang an für das Thema zu sensibilisieren und ihnen klar zu machen, dass sich eine falsche Entscheidung nicht nur auf die eigene Karriere, sondern auf die ganze Sportart auswirken könne. Darüber hinaus sagte er, er halte es für scheinheilig, dass Wettanbieter als offizielle Sponsoren bei Tennisturnieren zugelassen seien.

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