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Finale der Australian Open : Barty auf dem Weg zur Krönungszeremonie

  • -Aktualisiert am

Fast gespenstisch gut: Ashleigh Barty scheint der Druck der Erwartungen diesmal nichts auszumachen. Bild: Imago

Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen des Frauenturniers bei den Australian Open steht mit Ashleigh Barty wieder eine Lokalmatadorin im Finale. Und es ist nicht das einzige Highlight aus Sicht der Gastgebernation.

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          So viel zu feiern hatten sie lange nicht mehr, und man kann das Knallen der Korken schon hören. Die australischen Festspiele in Melbourne begannen am Donnerstag mit dem letzten Karriereauftritt von Rollstuhltennis-Allesgewinner Dylan Alcott, der sein Finale allerdings verlor. Am Freitagmittag (Ortszeit) gehen sie weiter mit einem Paar im Mixed-Finale; dann mit einem Endspiel im Doppel, in dem vier Australier um den Titel spielen, Matt Ebden und Max Purcell gegen Thanasi Kokkinakis und Nick Kyrgios, und vor allem mit den erhofften Krönungsfeierlichkeiten für Ashleigh Barty.

          Auf eine fast gespenstisch unaufgeregte Art, die keinerlei Widerspruch duldete, landete die Nummer eins mit einem Sieg über Madison Keys (6:1, 6:3) zum ersten Mal im Finale der Australian Open. Damit geht eine lange, lange Wartezeit zu Ende.

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          Die bislang letzte australische Siegerin beim Heimturnier war Chris O’Neil anno ’78, die letzte Finalistin Wendy Turnbull zwei Jahre später, und danach konnten sich die sportverrückten Gastgeber nur noch einmal Hoffnungen auf einen Einzeltitel machen, als Lleyton Hewitt 2005 im Finale gegen Marat Safin spielte. Er verlor in vier Sätzen, hat den Tag aber in guter Erinnerung; nach dem Spiel machte er in einer Hotelsuite seiner Freundin Bec Cartwright einen Heiratsantrag. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, und der 13 Jahre alte Sohn Cruz ist genauso tennisverrückt wie sein Vater, aber das nur nebenbei.

          Ashleigh Barty ist seit fast zweieinhalb Jahren die Nummer eins im Damentennis, sie gewann 2019 den Titel im Sandkasten des Stade Roland Garros in Paris und im vergangenen Jahr auf dem Rasen Wimbledons, und sie ist einfach zu gut, um nicht auch in Melbourne zu gewinnen. Aber die Heimspiele haben es ja oft in sich. Die Erwartungen der Fans, kombiniert mit dem eigenen Traum, zuhause den Titel zu gewinnen – das ist ein schwerer Rucksack, der einen zu Boden ziehen kann.

          Eine besondere Verantwortung

          Samantha Stosur, die letzte Grand-Slam-Siegerin aus Australien (US Open 2011) aus der Zeit vor Barty, kam in Melbourne nie weiter als bis ins Achtelfinale, und man konnte oft spüren, wie sehr sie unter der so empfundenen Verantwortung litt. Auch Barty wirkte in den vergangenen Jahren in Melbourne nicht so souverän wie anderswo.

          Diesmal aber zog sie ihre Kreise im Turnier mit so klarem Blick und ausgebreiteten Schwingen wie ein Adler. Unter dunkelgrauen Wolken und bei Abendtemperaturen um 30 Grad gab sie Madison Keys von Anfang bis Ende keine Chance; von den 62 Minuten der Partie dominierte sie gefühlt 60.

          Besser hätten sich die Australier die ganze Geschichte nicht ausdenken können zum Jubiläum. Seit 100 Jahren spielen die Frauen um Titel bei diesem Turnier. Die erste Siegerin hieß Margaret Molesworth, und deren Konterfei findet sich auf der speziell geprägten Silbermünze, die in diesem Jahr vor dem Spiel zur Entscheidung von Seitenwahl und Aufschlag geworfen wird. Mrs. Molesworth war 27 Jahre alt beim ersten Finale und 39 beim dritten und letzten, und sie lebte lange genug, um Scharen von Schulkindern für das Spiel zu begeistern.

          Die dominante Figur der ersten Jahre war allerdings Daphne Akhurst, nach der die Trophäe für die Siegerin benannt ist. „Meine Freundin Daphne“, wie die Dänin Caroline Wozniacki den Pokal nach ihrem Sieg vor vier Jahren liebevoll nannte. Jahrzehntelang waren die Australierinnen bei ihrem Heimturnier fast unter sich, und bis 1979 wurde bei der Zeremonie am Ende ausschließlich Englisch gesprochen, die anderen Siegerinnen kamen entweder aus den USA oder aus Großbritannien.

          Abwechslung brachte die Tschechin Hana Mandlikova 1980 ins Spiel, acht Jahre später folgte eine gewisse Stefanie Graf. Sie war die Erste, die in der neuen Rod Laver Arena gewann, in einem Finale gegen Chris Evert, das mit offenem Dach begann und nach einem Schauer geschlossen wurde. Die meisten Titel gewann Margaret Court (elf), die meisten in der Zeit des Profitennis Serena Williams (sieben), die jüngste Siegerin war Martina Hingis 1997 mit 16 Jahren und drei Monaten.

          Ashleigh Barty ist 25, die Amerikanerin Danielle Collins, gegen die sie am Samstag um den Titel spielen wird, ist drei Jahre älter. Sie hatte bereits vor drei Jahren in Melbourne überraschend das Halbfinale erreicht, diesmal ging sie noch einen Schritt weiter und spielte beim Sieg über Iga Swiatek aus Polen (6:4, 6:1) fast so dominant wie Barty gegen Keys.

          Worauf sich Collins im Spiel um den Titel einstellen kann, das beschreibt Madison Keys so: „Ashleigh schlägt extrem gut auf, ihr Slice ist viel flacher und länger als früher, dann versuchst du sie auf der Vorhand anzuspielen, und sie drängt dich aus dem Feld. Außerdem scheint sie so in sich zu ruhen und konzentriert zu sein. Ich hab schon oft gegen sie gespielt, aber so gut wie im Moment war sie noch nie.“

          Aber Danielle Collins scheint auch ganz nett in Form zu sein, wenn man Iga Swiatek glauben will. Die meinte nach der Niederlage gegen die Amerikanerin: „Ich war ja darauf vorbereitet, dass sie aggressiv spielt, aber ich glaube, so schnelle Bälle hat noch nie jemand gegen mich in einem Match gespielt. Ich bin sehr gespannt, wie das im Finale aussehen wird. Ich werde ganz sicher zuschauen und was lernen.“

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