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Australian Open : Hightech-Schläger gegen Nadals Selbstzweifel

  • -Aktualisiert am

Durch seinen neuen Hightech-Schläger weiß Rafael Nadal fast alles über sich Bild: Reuters

Nach langer Pause plagen Rafael Nadal vor Beginn der Australian Open viele Fragen. Nun setzt der Spanier auf einen ganz neuen Hightech-Schläger. Bei den ersten Tests lieferte das Racket schon interessante Ergebnisse.

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          Es ist kein Geheimnis, wie er am Montag in seinem ersten Spiel bei den Australian Open 2015 aussehen wird: bonbonrosafarbenes T-Shirt in zwei Schattierungen, bemerkenswert kurze Hose mit glitzernden, violetten Streifen an den Seiten, Stirnband und Schweißbänder in Neongelb. Eher keine unauffällige Kombination. Wie sein Spiel aussehen wird, weiß er dagegen selbst nicht so genau. Ein Grand-Slam-Turnier so früh im Jahr nach einer Verletzung sei alles andere als ideal, sagt Rafael Nadal, und da gebe es viele Fragen. Nach seiner Niederlage in der vierten Runde in Wimbledon 2014 hatte der Spanier drei Monate wegen einer Verletzung im rechten Handgelenk gefehlt, Ende des Jahres war er mit einer Blinddarm-Entzündung ausgefallen; in der zweiten Hälfte des Jahres blieb es bei sieben Spielen in vier Monaten.

          Vor zwei Wochen meldete sich Nadal beim Turnier in Doha zurück – und verlor in der ersten Runde in drei Sätzen gegen den Stuttgarter Michael Berrer. Der freute sich hinterher zwar verständlicherweise über einen der besten Siege seiner Karriere, meinte aber auch, man müsse die Sache realistisch sehen: „Er war sicher nicht in bester Form.“

          Über Spielpraxis zu Selbstbewusstsein

          Eine Einschätzung, die Nadal teilt. Nun hat er selbst in guten Phasen immer irgendwas an sich und seinem Spiel auszusetzen und scheint ohnehin ein Freund der Glas-halb-leer-Sichtweise zu sein. Insofern überrascht es nicht, dass seine Skepsis dieser Tage groß ist. Zur Frage, mit welchem Aspekt seines Spiels er denn im Moment zufrieden sei, meinte er: „Mit keinem“, wurde dann aber kurz von einem positiven Gedanken überfallen: „Okay, mein Aufschlag funktioniert mehr oder weniger gut.“

          Das quälende Spiel mit der Ungewissheit ist ihm nicht neu. Nadals Patientenkartei hat viele Einträge, kein Vergleich zum fast leeren Blatt beim langjährigen großen Rivalen Roger Federer. Der startet am Montag mit dem Spiel gegen Yen-Hsun Lu aus Taiwan ins 61.Grand-Slam-Turnier seit dem Jahr 2000 – in 15 Jahren fehlte er kein einziges Mal. Nadal hingegen musste seit 2003 siebenmal bei einem der wichtigsten Turniere passen, zuletzt bei den US Open. Nun könnte man meinen, ein Sportler kenne sich nach so vielen Erfahrungen irgendwann mit dem Kreislauf der Probleme aus, die Verletzungen mit sich bringen. Aber so ist es nicht. „Es ist jedes Mal anders“, sagt Nadal, „es fühlt sich jedes Mal anders an. Du hast Zweifel, und du glaubst, weit weg von deiner Bestform zu sein. Es gibt nur einen Weg, die positive Einstellung und die Zuversicht wieder zu finden: Du musst den richtigen Terminplan haben, und du musst spielen.“

          Unterstützung durch Hightech-Racket

          Am Montag wird er zur Begegnung mit dem russischen Routinier Michail Juschni auf jenen Platz zurückkehren, auf dem er vor zwölf Monaten im Finale gegen den Schweizer Stan Wawrinka flach auf dem Boden gelegen hatte, von heftigen Rückenschmerzen geplagt. Mit sichtlicher Mühe hatte er das Spiel und die abschließende Zeremonie überstanden. Nadals letzter und einziger Titel bei den Australian Open stammt aus dem Jahr 2009, gewonnen in fünf Sätzen gegen Federer. Beide sind zumindest in den sozialen Medien noch immer das Maß aller Dinge: Knapp 15 Millionen Menschen folgen Nadal auf Facebook, bei Federer sind es 120.000 weniger.

          Volle Kraft voraus? Das Leistungsvermögen von Rafael Nadal ist derzeit nicht einzuschätzen.
          Volle Kraft voraus? Das Leistungsvermögen von Rafael Nadal ist derzeit nicht einzuschätzen. : Bild: dpa

          Was nun die erste Phase der ungewissen Reise bei den Australian Open 2015 betrifft, die Partie gegen Juschni, da macht sich Nadal keine Illusionen. „Selbst wenn du in bester Form bist, ist jedes Spiel gefährlich“, sagt er. „Da können Sie sich vorstellen, um wie viel schwerer es ist, wenn man wenig gespielt hat. Ich hoffe, dass ich bereit sein werde.“ In quietschbunter Aufmachung und mit einem Schläger in der Hand, der am Griffende einen Schalter und drei Symbole hat; eines für Ein- und Ausschalten, ein Fähnchen, das für einen Timer steht, und das weltweit bekannte Zeichen für eine Bluetooth-Verbindung.

          Bereits in Doha hatte er mit diesem Gerät seines Ausrüsters Babolat gespielt, das dank einer technischen Innovation Daten übermitteln kann, etwa zum Treffpunkt des Balles, der Schlagvariante oder der Dauer eines Ballwechsels. Die Werte stehen dem Spieler nach dem Match zur Verfügung, und sie landen in einer Datenbank, auf die auch Hobbyspieler Zugriff haben, die das gleiche System benutzen.

          Trotz Systemfehler 14 Grand-Slam-Titel

          Ausgerechnet Rafael Nadal spielt mit so einem Hightech-Racket? Er, der seine Wasserflaschen vor der Bank nach wie vor mit einem imaginären Lineal ausrichtet? So sieht es wohl aus. Erste Erkenntnisse des Traditionalisten in der Datenflut? „Ich weiß jetzt sicher, was ich immer schon dachte: Dass ich den Ball nicht in der Mitte des Schlägers treffe.“ Außerdem kommen ihm die Daten ganz gelegen, um im Training hin und wieder eine Theorie seines Trainers und Onkels Toni zu widerlegen. Eine Aussage, die der Onkel grinsend zur Kenntnis nimmt.

          Für Millionen Tennisspieler, die sich mit den Tücken dieses Spiels beschäftigen, ist die Sache mit dem falschen Treffpunkt ein unbezahlbarer Trost. Wenn man mit einem derartigen Fehler im System 14 Grand-Slam-Titel gewinnen kann, dann sollte auch ein paar Ebenen darunter keine Ausrede für eine Niederlage gegen den Nachbarn geben.

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