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Federer gegen Nadal : Ein perfektes Finale für die Tennis-Welt

  • -Aktualisiert am

Zwei Altmeister, die es noch einmal wissen wollen: Roger Federer (links) und Rafael Nadal. Bild: dpa

Roger Federer und Rafael Nadal treffen sich zum neunten Mal im Finale eines Grand-Slam-Turniers. Das Duell der Altmeister beschwört Erinnerungen an eine besondere Konstellation im Jahr 2009.

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          Melbourne. Ist es nicht fast so, als sähen sich Ingrid Bergman und Humphrey Bogart nach Jahren noch einmal in Rick’s Café? Zugegeben, Roger Federer und Rafael sind kein Liebespaar, aber es gab eine Zeit, als der Name des einen so oft im Zusammenhang mit dem Namen des anderen genannt wurde, dass es so aussah, als gehörten sie zusammen. Mit seinem Sieg gegen Grigor Dimitrow (6:3, 5:7, 7:6, 6:7, 6:4) folgte der Spanier dem Schweizer ins Finale der Australian Open, und nun warten alle atemlos darauf, was bei diesem Wiedersehen am Sonntag passiert.

          Viel mehr als in den fast fünf Stunden des Spektakels am Freitagabend kann es nicht werden. Dimitrow trieb Nadal an dessen Grenzen und darüber hinaus, und auch der Bulgare hätte den Sieg verdient gehabt. In einem Match, das mit deutlichen Vorteilen für den Spanier begann und über einen von beiden Seiten nervösen zweiten Satz und zwei Tie-Breaks schließlich in einem phantastischen fünften Satz landete.

          Mit Mut zum Risiko und nicht nachlassendem Elan kämpfte Dimitrow um die Chance, zum ersten Mal in seiner Karriere das Finale eines Grand-Slam-Turniers zu erreichen, und wäre Nadal nicht der Krieger, der er auf dem Platz ist, hätte sich der begeisternd spielende Bulgare durchgesetzt. Bis zum Stand von 4:4 beantwortete er jede Herausforderung, erst dann zwang ihn der andere in die Knie; zwei Matchbälle wehrte Dimitrow ab, mit dem dritten war er geschlagen.

          Man kann davon ausgehen, dass unter den Millionen von Zuschauern vor den Fernsehschirmen in Australien auch Roger Federer saß; erst neulich hatte der Schweizer zugegeben, während eines Grand-Slam-Turniers laufe der Kasten in seinem Hotelzimmer fast pausenlos. Einerseits musste ihm gefallen, was er an diesem Abend sah. Auch er hatte am Tag zuvor fünf Sätze beim Spiel gegen Stan Wawrinka gespielt, aber diese Partie hatte nicht fast fünf Stunden gedauert, sondern nur etwas mehr als drei.

          „Das ist nun wirklich sehr speziell“

          Die Situation beschwört die Erinnerung an das Jahr 2009. Damals hatte Nadal mehr als fünf Stunden im Halbfinale gegen seinen Landsmann Fernando Verdasco gespielt, während Federer schon als Finalist festgestanden hatte, und es hatte so ausgesehen, als sei der Mallorquiner damit deutlich im Nachteil. Im Finale mit Federer aber spielte Nadal wieder fünf Sätze - und gewann. Als er diesmal nun gefragt wurde, ob er Ähnlichkeiten sehe, meinte er, darüber wolle er jetzt nicht reden. Nur so viel: „Ich hoffe, dass ich mich gut erholen kann.“

          Nun treffen sich die alten Rivalen zum neunten Mal im Finale eines Grand-Slam-Turniers, und damit hätte vor Beginn des Australian Open ebenso niemand gerechnet wie mit einem Damen-Endspiel zwischen Serena und Venus Williams. Kaum zu glauben, dass seit der letzten Begegnung in einem Spiel um den Titel bei den French Open in Paris 2011 tatsächlich schon fast sechs Jahre vergangen sind. In Melbourne standen sie sich einmal im Finale gegenüber - in dem bewussten Spiel 2009, das Federer ebenso verlor wie fünf weitere der insgesamt acht gemeinsamen Endspiele. Der letzte Sieg des Schweizers in einem gemeinsamen Grand-Slam-Finale ist fast zehn Jahre her. Vor ein paar Tagen hatte er zugegeben, neben Wawrinka gebe es keinen, der sein Spiel so gut kenne wie Nadal, und der hat nun zudem den Vorteil, sich in der Begegnung mit Dimitrow quasi schon auf Federers Stil eingestellt zu haben.

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          Federer gegen Nadal : Der Klassiker des modernen Tennis

          Ja, sagt der Schweizer, vermutlich hätte er bessere Chancen gehabt, gegen den Bulgaren als gegen den alten Rivalen zu gewinnen. „Aber alles, was mich interessiert, ist, ob ich am Sonntag gewinnen kann, egal, wer auf der andere Seite des Netzes steht. Doch ich verstehe natürlich die große Bedeutung eines Finales gegen Nadal.“ Der Spanier sieht die Sache genauso. Auch erinnerte er noch mal an die private Begegnung mit Federer bei der Eröffnung seiner Akademie Anfang Oktober in Manacor und an die Tatsache, dass sie damals beide davon geredet hätten, wie großartig es wäre, noch mal beieinem großen Turnier um den Titel zu spielen. „Das ist nun wirklich sehr speziell“, sagt er. „Das ist sicher eine einmalige Situation. Lasst sie uns genießen, weil das wahrscheinlich nicht noch einmal passieren wird.“

          Nadal und Federer bringen es zusammen auf 65 Jahre, Venus und Serena Williams sind zusammen 71. Noch nie in der Zeit des Profitennis ergab sich zusammengerechnet so ein Wert, aber darauf kommt es am Ende sicher nicht an. Was zählt, ist die Qualität, die Spannung und das Herzblut, und von allem wird das geneigte und glückliche Publikum mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit am Wochenende nichts vermissen.

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