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Roger Federer : Ein Mann ohne Grenzen auf historischer Mission

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Konzentriert und souverän: Roger Federer besiegte Andy Roddick glatt in drei Sätzen Bild: dpa

Er ist auf Rekordjagd und niemand scheint Roger Federer aufhalten zu können. Im Australian-Open-Halbfinale besiegte der Schweizer Andy Roddick klar. Dabei reichen die Pläne Federers weit über den ersten Grand Slam des Jahres hinaus.

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          Nachdem das Dach der Rod Laver Arena am Donnerstagabend geöffnet worden war, schien der Himmel die einzige Grenze für Roger Federer. Wieder ein Gegner am Boden zerstört, wieder die Arme nach oben gereckt, ließ der Schweizer keinen Zweifel daran aufkommen, dass er die Macht im Herrentennis zurückerobern will. Nachdem er Andy Roddick im Halbfinale der Australian Open gerade 6:2, 7:5 und 7:5 besiegt hatte, legte Federer jenes unerschütterliche Selbstvertrauen an den Tag, das ihn über Jahre schier unangreifbar gemacht hatte im Profizirkus.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ich bin in der Lage, die Gegner zu kontrollieren“, behauptete der Siebenundzwanzigjährige, „normalerweise spiele ich am Ende eines Turniers mein bestes Tennis.“ Ein beiläufig dahingesagter Satz, mehr eine nüchterne Feststellung als eine als eine kämpferische Ansage, doch gleichwohl geeignet, dem kommenden Endspielgegner und dem Rest der Tenniswelt das Fürchten zu lehren. Anders als im vergangenen Jahr an gleicher Stelle, als Federer am noch unentdeckten Pfeifferschen Drüsenfieber litt, mit dessen Folgen er die ganze Saison über zu kämpfen hatte.

          „Gegen Rafa zu spielen ist sicher aufregender“

          Roger Federer ist auf einer historischen Mission, und er strahlt eine Gelassenheit aus, als ob ihm keiner in die Quere kommen könnte. Mit dem Einzug in sein 18. Grand-Slam-Finale - nur Ivan Lendl stand einmal mehr im Endspiel - hat er Pete Sampras schon eingeholt; am Sonntag könnte der Schweizer auch mit dem 14. großen Titel mit dem Amerikaner gleichziehen. „Darauf bin ich sehr stolz“, sagte Federer nach dem 2:07 Stunden langen Halbfinale gegen Roddick.

          Formanstieg und trotzdem keine Chance: Andy Roddick steht die Meinung ins Gesicht geschrieben

          An diesem Freitag (9.30 Uhr MEZ / Live bei Eurosport) entscheidet sich, welcher Spanier ihn im Endspiel am Rekord hindern könnte: wieder einmal der Weltranglistenerste Rafael Nadal, dem er zuletzt viermal in Folge unterlag und der ihm im vorigen August die Spitzenposition im Herrentennis nach 237 Wochen entriss? Oder doch dessen Kumpel Fernando Verdasco? „Gegen Rafa zu spielen ist sicher aufregender aufgrund unserer gemeinsamen Geschichte in Grand-Slam-Endspielen“, sagte Federer, der zum 19. Mal auf den Mallorquiner treffen könnte.

          „Ich musste stark spielen, denn der Level war gut“

          Auch Begegnungen zwischen Federer und Roddick kehren so regelmäßig wieder wie Familientreffen. Ein paar Mal im Jahr kommt man an verschiedenen Orten zusammen, schaut, was der andere so treibt, und trennt sich wieder. Pech nur für Roddick, dass er die Zusammenkünfte fast immer als Verlierer verlässt. Seit seinem US-Open-Sieg von 2003 hat Roddick keinen großen Titel mehr geholt, vor allem, weil ihm ständig Federer in die Quere kam, der ihn im Februar 2004 auch als Weltranglistenerster ablöste.

          Dass er mit seinen 26 Jahren vor seiner Melbourner Halbfinalniederlage schon als abgeschrieben galt, weil die Tennisfamilie lieber ihre aufmüpfigen Sprösslinge Novak Djokovic und Andy Murray umschmeichelt, das fand auch der freundlichen Federer ein bisschen fies. „Er hat eine großartige Einstellung“, sagte der ein Jahr ältere Schweizer nach seinem 16. Sieg im 18. Duell gegen Roddick. „Ich musste heute stark spielen, denn der Level war gut.“

          Für ein Break reichte es für Andy Roddick nicht einmal

          Die Bezeichnung „Angstgegner“ klingt noch untertrieben, um Roddicks Verhältnis zum Schweizer Maestro zu beschreiben. Nachdem die Hitze des Tages vorüber war und das Dach über der Rod Laver Arena kurz vor der Night Session geöffnet wurde, konnte der Amerikaner sich kaum richtig einschießen, als Federer ihm schon zweimal den Aufschlag abgenommen hatte. Im zweiten und dritten Durchgang nutzte der Schweizer dann jeweils die letzte sich bietende Möglichkeit zum Break.

          Zwar versuchte der Amerikaner zwischendrin immer wieder, den zweiten Aufschlag des dreimaligen Australian-Open-Sieger zu attackieren, aber für ein Break reichte es nicht; obwohl sich Roddick, der in den vergangenen Wochen unter seinem neuen Trainer Larry Stefanki sieben Kilogramm abgenommen und seine Rückhand deutlich verbessert hat, in so guter Verfassung präsentierte wie selten zuvor.

          „Dann denkt man gegen Federer nur noch ans Überleben“

          „Er hat die Punkte gemacht, wenn er sie brauchte, und famos serviert“, sagte der Amerikaner, der acht Asse schlug und damit nur halb so viel wie Federer. „Wenn man dann 0:2-Sätze gegen ihn hinten liegt, denkt man nur noch ans Überleben.“ Roger Federer denkt in anderen Dimensionen. In Melbourne zu triumphieren und die Bestmarke von Sampras einzustellen, das soll nur der Anfang sein.

          Die anderen Dinge, die ihm am Donnerstag durch den Kopf gingen, waren folgende: „Vielleicht zum ersten Mal die French Open gewinnen, den Wimbledon-Titel zurückerobern, zum sechsten Mal bei den US Open zu triumphieren, in der Masters-Serie wieder gut zu spielen und an die Nummer eins zurückzukehren.“ Mehr geht nicht. Roger Federer mag sich derzeit keine Grenzen setzen.

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