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Australian Open : Roger Federer dreht die Uhr zurück

  • -Aktualisiert am

Die Zeit ist doch noch nicht abgelaufen: Roger Federer erreicht das Finale der Australian Open Bild: AFP

Der Jubelsturm geht weiter: Roger Federer zieht ins Finale der Australian Open ein. Damit hätte er nie gerechnet. Nun hoffen alle auf ein Traumfinale gegen Rafael Nadal.

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          Vielleicht sollten wir alle mal eine Weile Pause machen und danach die Welt auf den Kopf stellen. Nicht in seinen verrücktesten Träumen habe er sich vorstellen können, beim ersten Grand-Slam-Turnier nach sechs Monaten Auszeit im Finale zu landen, meinte Roger Federer Donnerstagabend nach seinem Sieg in fünf bewegten Sätzen und drei Stunden gegen Stan Wawrinka (7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3) in Melbourne. Aber genau das ist nun Realität. Und gemessen an der Reaktion der 15 000 Zuschauer in der Rod Laver Arena gibt es offenbar keine Idee, die schöner sein könnte zwischen Tag und Traum.

          Mit einem Jubelsturm wie bisher in jedem Spiel seiner Australien-Tournee 2017 wurde Federer empfangen, und nachdem er das Spiel gewonnen hatte, wackelten die Wände. Auf der Ehrentribüne saß einer seiner größten Fans, Rod Laver, diesmal mit einem üppigen Orden um den Hals, mit dem er zuvor am höchsten nationalen Feiertag, dem Australia Day, für die Verdienste um sein Land dekoriert worden war. Früher wurden die Abendspiele am Australia Day für das große Feuerwerk traditionell für zehn Minuten unterbrochen, seit das Feuerwerk aber nicht mehr mitten in der Stadt, sondern weiter unten am Yarra gezündet wird, erübrigt sich die Pause. Dafür zündelten Federer und Wawrinka.

          Wawrinka kam noch einmal zurück

          Mehr als eine Stunde lang sah es nach einem souveränen Sieg Federers aus, der präsenter wirkte, spritziger und konsequenter. Doch nach einer medizinischen Auszeit vor Beginn des dritten Satzes kam Wawrinka gestärkt zurück. Er spielte auf einmal zwingender; wie aus heiterem Himmel kassierte Federer ein Break, wenig später ein zweites, und damit änderte sich der Tonfall der Partie. Danach, so sagte der Sieger nach dem Spiel, sei es schwer gewesen, diesen Tonfall wieder zu ändern; mit einem Fehler seinerseits endete Satz vier, und nun schien Wawrinka eindeutig im Vorteil zu sein.

          In diesem Moment erinnerte man sich an die letzte Partie, die Federer bei einem Grand-Slam-Turnier nach einer 2:0-Satzführung verloren hatte, das Halbfinale der US Open 2011 gegen Novak Djokovic – das er nach zwei Matchbällen verloren hatte, um genau zu sein. Er konnte von Glück sagen, dass Stan Wawrinka seine Chance an diesem Tag nicht so konsequent und frech nutzte wie Djokovic damals in New York. Der Westschweizer vergab einen Breakball im dritten Spiel des fünften Satzes, einen weiteren im fünften, und das war genau das Signal, das Federer gebraucht hatte. Zur Begeisterung des Publikums nahm er Wawrinka dessen Aufschlagspiel ab, ging 4:2 in Führung, und danach stieg der Lärmpegel mit jedem Punktgewinn noch ein klein wenig mehr. Der Schlusspunkt ging fast unter in grandiosem Getöse.

          Gratulation vom Landsmann: Wawrinka (r.) wünscht Federer vermutlich Glück fürs Finale Bilderstrecke
          Gratulation vom Landsmann: Wawrinka (r.) wünscht Federer vermutlich Glück fürs Finale :

          Nun werden die Leute ihren Liebling also noch mal feiern können. Sonntagabend im letzten Spiel des Turniers gegen Rafael Nadal oder Grigor Dimitrov wird Roger Federer mit 35 Jahren der älteste Finalist eines Grand-Slam-Turniers seit mehr als vier Jahrzehnten sein; der Australier Ken Rosewall war allerdings schon fast 40, als er bei den US Open 1974 um den Titel spielte. Federer sagt, der Vergleich mit Rosewall ehre ihn sehr; der schicke ihm in Melbourne jedes Jahr einen Brief und wünsche ihm alles Gute, im Gegensatz zu Rod Laver habe er den anderen großen Australier bisher aber leider nicht kennen gelernt. Das Spiel am Sonntag wird das 28. große Finale des Schweizers sein und das sechste in Melbourne nach fünf Siegen und einer beweinten Niederlage 2009 gegen Nadal.

          Folgt Nadal ins Klassikerfinale?

          Grigor Dimitrov wird an diesem Freitag (9 Uhr MEZ/ live bei Eurosport 1) gegen den Spanier um den Einzug ins Finale spielen, und er weiß, dass er dabei in mancherlei Hinsicht einen schweren Stand haben wird. Er ist einer, den die Leute mögen, aber das wird gegen eine Welle von Sympathie für Nadal nicht genügen. Auch Federer mag den Mann aus Bulgarien, aber die Verbindung, die in den Jahren der großen, freundschaftlichen Rivalität mit Nadal entstanden ist, ist halt sehr eng. „Ich bin sein größter Fan“, sagt Federer, „es wäre einfach unglaublich, wenn wir wieder im Finale gegeneinander spielen könnten.“

          Er erinnert daran, wie er im Oktober bei der Einweihung der Akademie des Konkurrenten auf Mallorca mit Nadal darüber geredet hatte, wie schön es wäre, noch mal so ein großes, gemeinsames Ding zu drehen. Damals hätten beide nicht viel mehr drauf gehabt, als mit Junioren Minitennis zu spielen – er auf einem Bein, der andere mit lädiertem Handgelenk. Aber auf einmal sei alles wieder möglich. Natürlich ist er nach zwei Fünfsatzspielen jetzt nicht mehr so frisch wie zu Beginn des Turniers; was auch die Behandlungs-Auszeit vor dem fünften Satz gegen Wawrinka zeigte. „Aber wenn ich nach diesem Finale fünf Monate nicht mehr laufen kann, ist es auch egal“, sagt Federer. Was man mit den richtigen Pausen anstellen kann, das weiß er ja nun.

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