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Nadal bei Australian Open : „Das war eine andere Dimension von Tennis“

Dominator: Rafael Nadal fegt seine Gegner bislang ohne Satzverlust vom Platz. Bild: EPA

Der Überflieger wird jäh gebremst: Wie eine Dampfwalze erteilt Rafael Nadal Stefanos Tsitsipas im Halbfinale der Australian Open eine Lehrstunde. Der junge Tennis-Held ist danach ziemlich geplättet.

  • -Aktualisiert am

          Stefanos Tsitsipas kann sich wunderschön freuen und wunderschön traurig sein. Nach seinem Überraschungscoup gegen Roger Federer glaubte der 20 Jahre alte griechische Tennisprofi, die Welt läge ihm zu Füßen. Strahlend erzählte er aus seinem Leben, von seinen Gefühlen und seinen Plänen. „Ich will mehr.“ Er bildete sich unter anderem ein, das Rezept zu kennen, wie Rafael Nadal zu schlagen sei. „Ich habe verstanden, wie er spielt.“ Offensichtlich nicht. Der 32 Jahre alte Spanier erteilte ihm am Donnerstag im Halbfinale eine Lehrstunde, die äußerst schmerzhaft für den jungen Tennis-Helden war. Nur 1:46 Stunden benötigte der Weltranglistenzweite, um seinen jugendlichen Herausforderer 6:2, 6:4, 6:0 in die Schranken zu weisen. „So wollte ich mich auf keinen Fall aus dem Turnier verabschieden“, sagte Tsitsipas, versonnen mit seinem langen Haar spielend und viel Melancholie im Blick. „Ich versuche zu verstehen, was passiert ist, aber ich habe noch keine Erklärung dafür.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Zu umschreiben war das Geschehen in der Rod Laver Arena leicht. Von einer Dampfwalze überrollt, in einen Kinnhaken von Wladimir Klitschko gelaufen oder von einem Wrestler in den Schwitzkasten genommen: So war es Tsitsipas in den 106 Minuten ergangen. „Das war eine andere Dimension von Tennis. Ich habe noch keinen Spieler gesehen, der so spielt. Er hat das Talent, dass er dich schlecht spielen lässt, er raubt dir die Energie.“ Was Tsitsipas auch probierte, Nadal hatte – bis auf ganz wenige Ausnahmen – die bessere Antwort. „Ja, er hat mich überrascht. Mit seinen Aufschlägen und seiner Aggressivität“, räumte der talentierte Grieche deprimiert ein.

          Auf die Traurigkeit seines Gegners angesprochen, reagierte Nadal verwundert: „Er hat alles, um ein großer Champion zu werden und ist erstmals ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turnieres gekommen. Wer die Saison so beginnt, hat keinen Grund, traurig zu sein. Auch ich habe als junger Spieler häufig verloren. Das gehört dazu.“ Der Spanier ist von der Begabung des Griechen überzeugt. „Er wird mehr als ein Grand-Slam-Turnier gewinnen. Ich freue mich darauf, in den nächsten Jahren noch häufiger auf ihn zu treffen.“ Bis auf Rang zwölf in der Weltrangliste hat es Tsitsipas nun schon gebracht.

          „Solide“

          Nadal fand keine großen Worte für seine überragende Leistung im Halbfinale. „Solide“, beschrieb er seinen Auftritt und fügte an. „Die Vorhand war heute besser als die Rückhand.“ Aber offensichtlich war auch er durchaus angetan von sich. Denn anders als sonst gestattete er nach dem Match einen kleinen Einblick in sein Innenleben. Dass er in Melbourne bisher mit seiner Vorhand unzufrieden gewesen sei, dass ihn seine Absage für das Vorbereitungsturnier in Brisbane nicht beunruhigt habe und wieso ihn John McEnroe fast nackt gesehen habe. Das amerikanische Tennis-Idol hatte als Moderator des Siegerinterviews auf dem Centre Court von Nadals athletischem Oberkörper geschwärmt. „In der Satzpause war ich auf der Toilette, um mich umzuziehen. Ich hörte zwar, dass da jemand war, aber ich konnte ja keine Stunde warten, ich musste wieder raus spielen.“ Der, den er gehört und dann gesehen hatte, war McEnroe gewesen.

          Gratulation: Tsitsipas und sein Bezwinger Nadal nach dem Halbfinale der Australian Open.

          Nadal beantwortete auch die Frage ausführlich, die er schon oft gehört und fast genauso oft schnell abgetan hatte: Spielen sie heute noch besser als früher? „Man kann das nicht vergleichen, die Zeiten waren anders.“ Diesmal setzte er hinzu. „In 17 Jahren Tennis verliert man Stärken und gewinnt andere hinzu. Ich musste mein Spiel den Zeiten und meinem Alter anpassen. Wenn ich das nicht getan hätte, würde ich nicht mehr auf diesem Niveau spielen und wäre heute nicht hier.“ Und er ging weiter ins Detail. „Die Leute schlagen heutzutage alle so gut auf, ich musste meinen Return verbessern und noch aggressiver spielen, um in die Ballwechsel zu kommen und sie zu gewinnen. Ich wollte schon früher mit meinen Schlägen beim Gegner Schaden anrichten, nur jetzt will ich es jetzt noch früher. Ich werde nie wie Roger Federer spielen, weil ich dessen Aufschlag nicht habe: Aber ich schlage besser auf als früher und produziere deshalb mit dem ersten Schlag mehr Winner.“

          Dass er in den vergangenen Monaten immer wieder durch Verletzungen zurück geworfen wurde, beunruhigt ihn nicht und es demotiviert ihn auch nicht. „Das Gute am Alter ist, man braucht nicht mehr so viele Matches, um gut zu spielen. Vor zehn Jahren hätte ich mir noch Sorgen um meinen Rhythmus gemacht. Jetzt weiß ich, wenn ich gut trainiere, dass ich auch gut spielen werde.“

          Sich immer wieder heran zu kämpfen, falle ihm nicht schwer. „Nach meinem ersten großen Jahr 2005 sagte mir mein Arzt, ich werde wegen meiner Fußverletzung vielleicht nicht weiter professionell Tennis spielen können. Seitdem ist jedes Jahr wie ein Geschenk für mich.“ Im Endspiel trifft Nadal auf den Sieger der Begegnung Novak Djokovic und Lucas Pouille. Ob es lieber mit dem serbischen Favoriten oder dem französischen Außenseiter zu tun bekomme? „Ich schaue nur auf mich. Ich muss nur so weiter spielen wie bisher.“

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