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Rafael Nadal : Immer alles geben

Nochmal Nummer eins? Sicher ist, dass Rafael Nadal sich wieder richtig reinhängen wird. Bild: EPA

Tennisprofi Rafael Nadal hat gezeigt, dass bei den Australian Open wieder mit ihm zu rechnen ist. Wenn der Spanier gesund bleibt, scheint alles möglich.

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          Natürlich steht erst einmal dieser Zweikampf an der Spitze im Mittelpunkt: Andy Murray gegen Novak Djokovic - wer von diesen beiden Tennisstars wird nach den Australian Open die Weltrangliste anführen. Doch dahinter tut sich für viele Fans noch viel Interessanteres, denn die beiden Heroen, um die sich in der Welt der Filzbälle fast alles dreht, kehren zurück auf die Plätze: Roger Federer, der ein halbes Jahr pausieren musste, und Rafael Nadal, der seit dem vorzeitigen Rückzug von den French Open quasi nur noch sporadisch mitspielte und dabei im Vorbeigehen noch Olympiasieger im Doppel wurde, mögen zwar die Tenniswelt nicht mehr dominieren wie einst, aber die Lieblinge des Publikums sind sie geblieben.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Wo der 35 Jahre alte Federer beim Hopman Cup in Perth oder der 30-jährige Nadal beim ATP-Turnier in Brisbane zu sehen war, und sei es nur im Training, waren die Ränge voll, und die Begeisterung war groß. Und dahinter steckt natürlich immer die Hoffnung, demnächst noch einmal ein paar Sternstunden dieses Sports erleben zu dürfen, mindestens mit einem dieser Protagonisten, am liebsten aber natürlich mit beiden.

          „Rafa kann noch einmal die Nummer der Welt werden“, behauptet Carlos Moya, „und das sage ich nicht, um ihm Mut zu machen, sondern weil ich fest daran glaube.“ Der ehemalige spanische Weltranglistenerste gehört seit Ende Dezember zum Trainerstab von Nadal, und „Rafa“ ist damit nicht etwa dem Trend der Zeit gefolgt.

          Auch Murray (Ivan Lendl, dann Amélie Mauresmo, nun wieder Lendl), Novak Djokovic (bis Ende vergangenen Jahres Boris Becker) und Roger Federer (erst Stefan Edberg, nun Ivan Ljubicic) hatten sich in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg ehemalige Tennishelden an ihre Seite geholt. Nadal aber schien auf ewig mit seinem Onkel Toni verbunden, der ihn seit Beginn der Karriere trainiert, ihn zu 14 Grand-Slam-Titeln und an die Weltspitze führte. Es fehlte nicht an Ratschlägen, dass ein wenig Einfluss von außen der Karriere nicht schaden und für neue Impulse sorgen könnte, aber nichts hätte den familienbewussten Tennisstar vermutlich dazu bewegen können, den Onkel derart zu brüskieren.

          Diese Spielweise fordert Tribut

          Moya zusätzlich ins Trainerteam zu holen ist eine ganz andere Geschichte - der ehemalige spanische Tennisstar stammt ebenfalls aus Mallorca, war erst Vorbild, dann Mentor und ist inzwischen längst so etwas wie ein großer Bruder. „Rafa vertraut mir, ich vertraue ihm, und das nicht nur auf dem Tennisplatz. Er weiß, dass ich immer das Beste für ihn wollte, und das war auch schon so, als ich nicht in seinem Team war“, sagt Moya. Und das war auch schon so, als beide noch aktiv waren.

          2004 gewann die spanische Mannschaft im Finale gegen die Vereinigten Staaten den Davis Cup, und die große Überraschung damals war, dass neben dem Topspieler Moya nicht der ehemalige Weltranglistenerste Juan Carlos Ferrero, sondern der gerade 18 Jahre alt gewordene Rafael Nadal im Einzel zum Einsatz gekommen war - und mit einem Sieg gegen Andy Roddick natürlich seinen Teil zum Triumph beigetragen hatte.

          Nadal konnte nie aus seiner Haut, wollte vielleicht auch nie. „Ich bin, wie ich bin“

          Vor etwas mehr als 12 Jahren gehörte nicht viel dazu, diesem Teenager aus Mallorca eine große Karriere zu prophezeien. Dass da einer kommt, der jederzeit alles gibt und sein Herz in jedem Spiel auf dem Platz lässt, war unübersehbar. Doch schnell hatte es warnende Stimmen gegeben, dass diese Spielweise zu viel Tribut fordern würde. „Das wird sein Körper nicht durchhalten“, warnte etwa Andre Agassi schon im Jahr darauf.

          Aber Nadal konnte nie aus seiner Haut, wollte vielleicht auch nie. „Ich bin, wie ich bin, und für mich dreht sich im Sport alles um Leidenschaft. Wenn man nicht immer sein Bestes gibt, nicht immer alles probiert, dann verliert der Sport seine Bedeutung, dann verliert er seine wirklichen Werte“, sagte Nadal, nachdem er zum Saisonstart beim Showturnier in Abu Dhabi mit Siegen über Tomáš Berdych (Nummer 10 der Welt), Milos Raonic (Nummer 3) und David Goffin (Nummer 11) gleich gezeigt hatte, dass wieder mit ihm zu rechnen ist. Vor allem der Belgier Goffin aber staunte nach dem Finale über die Intensität, die er auf dem Platz gespürt hatte. „Rafa spielt jeden Punkt so, als sei es der letzte Punkt, als hänge sein Leben davon ab.“

          Noch mal Nummer 1? Wer weiß?

          Ganz so dramatisch würde es vermutlich selbst der Mallorquiner nicht einordnen, aber eben mindestens knapp darunter. Diese Leidenschaft, diese Verweigerung, an irgendeinem Punkt des Spiels innerlich einfach aufzugeben, ist vermutlich auch die Erklärung dafür, wieso ihm, der schon alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt im Tennis, schon mehrfach gelungen ist, woran viele andere scheiterten: Nach einer Verletzung mindestens genauso stark zurückzukommen. Knapp 30 Monate hat er im Verlauf seiner Karriere schon lädiert aussetzen müssen, hat sich schmerzhaften Spritzkuren ins malade Knie ausgesetzt, um wieder auf den Platz zu können. Im vergangenen Jahr verursachte das Handgelenk so große Schmerzen, dass er ausgerechnet bei seinem Lieblingsturnier, den French Open, aufgeben musste beim Versuch, dort zum zehnten Mal zu triumphieren. Er verzichtete auf Wimbledon, um seinen Olympia-Start nicht zu gefährden, trat in Rio an, obwohl er besser weiter pausiert hätte, ruinierte so den Rest der Saison, gewann aber die Goldmedaille - und hatte die spanische Fahne ins Stadion tragen dürfen. „Einer der besten Momente meines Lebens“, sagte er danach.

          Aber noch einmal Nummer eins? Wer weiß - trotz des von Pausen gekennzeichneten Jahres 2016 startet Nadal die Saison als Nummer neun der Welt. Moya soll dafür sorgen, dass er künftig effizienter spielt, die Punkte kürzer hält. „Falls er gesund bliebe“, ist alles möglich, sagt Moya. Und wird wissen, dass mehr Konjunktiv kaum denkbar ist.

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