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Festgesetzter Tennis-Star : Wie Serbiens Politik und Medien den Fall Djokovic aufblasen

Dieses Foto von Novak Djokovic entstand beim Shooting für L’Equipe am 18. Dezember. Bild: Witters

Politik und Boulevard in Serbien machen aus dem Fall um Novak Djokovic einen zwischenstaatlichen Skandal. Daran lässt sich eine Art Psychogramm des Balkanstaates zeichnen. Es geht auch um dolchstoßähnliche Verschwörungsmythen.

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          Im Vater von Novak Djokovic sind zwei Eigenschaften eine Verbindung eingegangen, die auch sonst oft gemeinsam auftreten: Größenwahn und Dummheit. Anders lässt sich das Interview, das der Vater des Tennisspielers zu den Unannehmlichkeiten seines Sohnes in Australien gegeben hat, kaum deuten. Srdjan Djokovic verglich den Fall seines Sohnes mit einem anderen berühmten Leidensweg: „Jesus wurde gekreuzigt und vielen Dingen unterworfen, aber er hat durchgehalten und lebt noch unter uns. Novak ist auf die gleiche Weise gekreuzigt worden.“

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Darauf muss man erst einmal kommen. Andererseits: Gemessen an der hysterischen Berichterstattung serbischer Boulevardmedien über den in Australien internierten berühmtesten Sportler Serbiens, wirkt der Vergleich durchaus naheliegend. Denn Novak Jesus Djokovic, darin scheinen sich viele serbische Medien einig zu sein, ist himmelschreiendes Unrecht angetan worden. Er leidet stellvertretend für die gesamte Menschheit. Oder zumindest für jenen Teil, der aufopferungsvoll das uralte Menschenrecht verteidigt, die Erkenntnisse der Wissenschaft zu ignorieren und sich nicht impfen zu lassen. Wenn man so denkt, kann ein Tennisplatz in Melbourne schon mal zum Golgatha unserer Zeit werden.

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