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Einreise-Drama in Australien : Djokovic und der ominöse Covid-Test

Abgefahren: Novak Djokovic auf der ersten Etappe seines Heimwegs Bild: AP

Wurden die Covid-Tests, mit denen Novak Djokovic eine Sondergenehmigung zur Einreise als Ungeimpfter erhalten wollte, vorsätzlich mit falschen Daten versehen? Die Dokumente sind mindestens dubios.

          3 Min.

          Novak Djokovic und sein Team haben einen als Covid-Test getarnten Intelligenztest gemacht – das Ergebnis war negativ. So lässt sich die jüngste Entwicklung im Fall Djokovic zusammenfassen, nachdem viele Belege dafür aufgetaucht sind, dass die Dokumente, die das Team des Tennisspielers zur Einreise nach Aus­tralien vorgelegt hatte, mindestens dubios sind. Das bestätigt auch Milovan Šuvakov, der von 2014 bis 2016 stellvertretender Bildungsminister Serbiens war und am Institut für Physik der Universität Belgrad lehrt.

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          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Er hatte sich Recherchen, die das Portal „Zerforschung“ und der „Spiegel“ zu den von Djokovic in Australien vorgelegten Covid-Tests gemacht hatten, genauer angesehen. Aufgrund eigener Untersuchungen kam er zu dem Schluss, dass die Recherchen bis auf ein Detail mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit belegen, dass die angeblichen Covid-Tests, auf deren Grundlage Djokovic eine Sondergenehmigung zur Einreise als Ungeimpfter erwirken wollte, vorsätzlich mit falschen Daten versehen seien. Djokovic hat sich zu den Mutmaßungen bislang nicht öffentlich geäußert.

          Während es einigen Menschen in Serbien unangenehm ist, dass ihr Land durch ein solches Vorgehen seines bekanntesten Sportlers in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist, spielen Fakten für andere längst keine Rolle mehr, Boulevardmedien und Politiker vorweg. In einem vierminütigen Video hat Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vučić den australischen Regierungschef Scott Morrison scharf angegriffen und eine serbische Antwort auf die Ausweisung Djokovics angekündigt. Zugleich stellte er den Fall als eine Art Weltverschwörung gegen Serbien und das serbische Volk dar.

          „Aber das, was sie uns als Volk niemals wegnehmen konnten, das sind unsere Herzen, unser Stolz, unsere Würde“, kommentierte Vučić die angeblichen Angriffe. Der Druck auf Djokovic, „auf einen serbischen Staatsbürger, einen Bürger dieses Landes“, habe ein derartiges Ausmaß erreicht, dass es unmöglich sei, nicht darauf zu antworten.

          In dem in einer verschneiten Winterlandschaft aufgenommenen Video wirft Serbiens Präsident Australien vor, kein Rechtsstaat zu sein, „denn die gesamte Macht ist in den Händen der Exekutive“. Noch wichtiger sei die „moralische Frage“, sagte Vučić. Wenn man habe verhindern wollen, dass Djoković ein weiteres Mal in Melbourne gewinnt, „warum haben Sie ihn dann nicht gleich zurückgeschickt?“.

          Bei diesem Satz ist grammatisch nicht eindeutig klar, ob sich das „sie“ auf den australischen Ministerpräsidenten bezieht, doch aus dem Kontext lässt sich schließen, dass Scott Morrison gemeint ist. Vučić sagt nämlich weiter: „Warum misshandeln Sie nicht nur ihn, sondern seine Familie und eine ganze freiheitliche und stolze Nation? Brauchen Sie das, um irgendwelche Wahlen zu gewinnen?“ Die Serben „werden für Novak Djokovic kämpfen“, kündigte der Präsident an.

          Offenbar an Journalisten aus aller Welt gewandt, die sich mit dem Fall des Sportlers befasst hatten, sagte Vučić, diese „könnten auch Hunderttausende schlimmstmögliche Texte über ihn schreiben“, all das werde nichts daran ändern, dass Djokovic „der größte Tennisspieler aller Zeiten“ bleibe.

          Serbiens mächtigster Politiker kündigte an, nun offenbar wieder an Morrison oder die Regierung Australiens gewandt: „Serbien wird Ihnen zu antworten wissen, sich dabei viel besser verhaltend, als Sie sich gegenüber Novak Djokovic verhalten haben.“ Worin die serbische Antwort bestehen werde, sagte Vučić nicht. Er schloss mit den Worten: „Es lebe Serbien! Novak, wir sind mit dir!“

          Milorad Dodik, Präsident der Serben in Bosnien-Hercegovina, teilte mit, Djoković sei für viele Menschen weltweit „viel mehr als ein Sportler“. Die Serben seien „unendlich stolz“ auf Djokovics Verhalten und überzeugt, „dass nur ein Serbe so weit gehen konnte“, sagte Dodik. „Du hast wieder einmal gezeigt, dass du zu den besten Söhnen gehörst, die dieses Volk über die Jahrhunderte hervorgebracht hat.“

          Für die Serben in Bosnien gebe es keinen Zweifel daran, dass ein guter Teil der Angriffe gegen Djokovic deshalb geschehen sei, „weil du Serbe bist“. Durch die Ausweisung Djokovics aus Australien hätten „alle wahrheitsliebenden Menschen auf der Welt“ verloren. In Serbien erwartet den Tennisspieler ein Heldenempfang. „Ich habe Novak gesagt, dass ich es kaum erwarten kann, dass er nach Serbien zurückkommt, in sein Land, wo er immer willkommen ist“, sagte Vučić nach einem Telefongespräch mit dem Sportler.

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