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Australian Open : Fast wie in alten Zeiten

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Lange ist es her: Letztmals standen Rafael Nadal (l.) und Roger Federer 2011 bei den French Open gemeinsam in einem Endspiel. Dieses Jahr könnte es wieder soweit sein. Bild: AFP

Nadal, Federer und Wawrinka im Halbfinale: Die Australian-Open sind ein Fest für die Altmeister. Gibt es ein Endspiel für Romantiker? Der junge Dimitrov könnte der Spielverderber sein.

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          Mit jeder Reaktion, jedem Blick, jedem Zeichen von Ärger, Frust oder Freude erinnerte er an den Rafael Nadal früherer Zeiten. Wie oft hatte man ihn in den vergangenen Jahren mit traurigen, leeren Augen gesehen, weil er nicht so konnte, wie er wollte, und weil er unsicher war, ob er es jemals wieder schaffen würde. Es ging ihm dabei gar nicht in erster Linie um irgendwelche Titel; er litt unter dem Gefühl, sich nicht mehr so wie früher auf seinen Körper und seinen kämpferischen Geist verlassen zu können. Es ist auch jetzt noch nicht klar, ob er wieder gut genug in Form ist, um vielleicht den 15. Grand-Slam-Titel seiner Karriere gewinnen zu können. Aber er sieht immer öfter wieder aus wie der echte Rafael Nadal, und das allein bedeutet schon verdammt viel.

          Der Sieg am Mittwochabend in Melbourne gegen Milos Raonic (6:4, 7:6, 6:4) zeigte, dass der Spanier vielleicht in manchen Momenten nervöser reagiert als früher, aber in den entscheidenden Situationen war er konsequenter als der Kanadier. Jene sechs Satzbälle, die Raonic im zweiten Satz vergab, stellten die Weichen zu Nadals Sieg, und was dieser Sieg bedeutete, sah man an dessen Reaktion. Ein Kniefall für den Einzug ins Halbfinale, das sagte mehr als alle Worte hinterher. Bei den French Open in Paris 2014, die er ein paar Tage später zum neunten Mal gewann, hatte er zuletzt im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers gespielt - das ist mehr als zweieinhalb Jahre her.

          Nachdem in der ersten Woche bereits Novak Djokovic (Nummer zwei) und Andy Murray (Nummer eins) verloren hatten, ist nun auch die Nummer drei (Raonic) nicht mehr im Spiel, und eine solche Konstellation gab es bei Grand-Slam-Turnieren schon ziemlich lange nicht mehr. Der letzte Eintrag in dieser besonderen Rubrik stammt aus dem Jahr 2002, als in Melbourne ebenfalls keiner der drei nominell Besten im Halbfinale landete und am Ende die Nummer 16 gewann, der biedere Thomas Johansson aus Schweden. Aber irgendwie ist die Rechnung ja ein wenig schief. Denn wer wollte allen Ernstes behaupten, Roger Federer habe in dieser Woche wie die Nummer 17 der Welt gespielt?

          Das Halbfinale ist eine Ü30-Party

          Rafael Nadal, das steht jetzt schon fest, wird nach dem Turnier auf Platz sechs vorrücken, Raonic wird die drei an Stan Wawrinka verlieren, aber darum geht es natürlich nur am Rande. In die Altersdiskussion passt die Tatsache, dass drei der vier Halbfinalteilnehmer älter als 30 Jahre alt sind - Federer, Nadal und Wawrinka.

          Roger Federer beim Aufschlag: Der Schweizer ist sicher der filigranste des Quartetts. Bei den Australian Open startete er nur an Nummer 17. Das aber auch, weil er lange verletzt gefehlt hatte. Nun kehrt er offenbar stärker zurück als erwartet. Bilderstrecke
          Roger Federer beim Aufschlag: Der Schweizer ist sicher der filigranste des Quartetts. Bei den Australian Open startete er nur an Nummer 17. Das aber auch, weil er lange verletzt gefehlt hatte. Nun kehrt er offenbar stärker zurück als erwartet. :

          Der Jüngste im Quartett der Männer, Grigor Dimitrov, wird in seiner jugendlichen Frische von 25 Jahren am Freitag Nadals Gegner im Semifinale sein. Auch Dimitrovs Platz in der Rangliste (15) passt nicht zur aktuellen Leistung. Der Bulgare gewann den Titel beim Vorbereitungsturnier in Brisbane, seine Bilanz in diesem Jahr steht bei 10:0, und nach einer längeren Phase mit diversen Achterbahnfahrten spielt er nun wieder so stark wie zu seiner besten Zeit vor drei Jahren, als er zu den Top Ten gehörte.

          Dimitrov hat eine Menge Fans, nicht nur weibliche, aber er wird in der Partie gegen Nadal die gleiche Rolle spielen wie Stan Wawrinka im ersten Halbfinale an diesem Donnerstag gegen Roger Federer (Beginn 9 Uhr MEZ, Fernsehen: Eurosport1). Die Zuneigung und Liebe der Australier für Federer und Nadal lässt wenig Platz für Konkurrenten und Rivalen, und natürlich träumen die Romantiker längst von einer Wiedervereinigung der alten Rivalen Federer und Nadal im Finale - dem ersten bei einem Grand-Slam-Turnier seit dem Endspiel der French Open 2011.

          Die Halbfinals der Männer finden, wie seit Jahren in Melbourne üblich, an unterschiedlichen Tagen statt, und Nadal, der erst am Freitag dran ist, hätte Zeit, sich die Begegnung der Schweizer an diesem Donnerstag anzusehen. Wird er es tun? Was für eine Frage. „Ich liebe diesen Sport mehr als alles andere“, sagt der Spanier. „Wer keine Lust hat, sich dieses Spiel anzusehen, der mag Tennis nicht allzu sehr.“

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