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Tennisprofi Lleyton Hewitt : Ein Heißsporn, den auf einmal alle lieben

  • -Aktualisiert am

Alle Augen auf den letzten Auftritt in Melbourne: Lleyton Hewitt will’s nochmal wissen Bild: dpa

Zu flegelhaft, zu humorlos, zu langweilig: Einst ging Lleyton Hewitt vielen Australiern auf die Nerven. Doch vor dem letzten Auftritt des Tennisprofis bei den Australian Open ist das plötzlich ganz anders.

          Cruz wird sicher in der Nähe sein, wenn sein Dad zum letzten Mal spielt. Der Junge ist inzwischen sieben Jahre alt, hat die gleichen semmelblonden Haare wie einst sein Vater, und wenn er eine Tennistasche trägt, sieht er aus wie ein Mann auf einer Mission. Im Dezember übte er mit jenem Trainer, bei dem sein Vater im Seaside Club von Adelaide einst den ersten Schliff bekommen hatte, und irgendwie fällt die Vorstellung ziemlich leicht, dass Cruz Hewitt eines Tages nicht nur als Zuschauer in der Rod Laver Arena auftauchen könnte.

          Seinen Dad wird er in diesem Stadion mindestens noch einmal sehen: am Dienstag im Spiel der ersten Runde der Australian Open gegen einen anderen Australier, James Duckworth. Seit einem Jahr weiß die Tennis-Welt, dass sich Lleyton Hewitt in Melbourne verabschieden wird, nach 18 Jahren als Profi, nach dann mehr als 876 Spielen, nach zwei Grand-Slam-Titeln, 28 weiteren Turniersiegen und zwei Triumphen mit Australien im Davis Cup.

          Metallplatte im linken Fuß

          Er wird im Februar 35 und ist nur ein paar Monate älter als Roger Federer, aber im Gegensatz zum Schweizer, der von Verletzungen in einer gloriosen Karriere weitgehend verschont blieb, tun ihm schon lange die Knochen weh. Die Zahl der Eingriffe, die er durchstehen musste, ist größer als die Zahl von Federers Erstrunden-Niederlagen bei Grand-Slam-Turnieren in den vergangenen 15 Jahren. Dass er nach einer Operation am linken Fuß vor drei Jahren, bei der ihm eine Metallplatte und Schrauben eingesetzt wurden, überhaupt noch spielen konnte, hatte keiner der Ärzte zu versprechen gewagt.

          Zum 20. Mal wird Hewitt bei den Australian Open spielen; er gewann das größte Turnier seines Landes nie, aber er war nah dran. 2005 verlor er im Finale gegen Marat Safin und dessen Safinettes – eine Gruppe auffälliger Damen in der Loge des Russen -, aber auch er selbst fand sein Glück. Nach der Niederlage machte er der Schauspielerin Bec Cartwright im Hotel einen Heiratsantrag, ein paar Monate danach heirateten die beiden in Sydneys Opernhaus, im November wurde Mia, die älteste Tochter, geboren; später folgten Cruz (2008) und Ava (2010).

          Immer noch ein beliebtes Selfie-Motiv: Fan-Fotos mit Hewitt

          Es ist eine bemerkenswerte Geschichte, wie aus einem Heißsporn, der vielen Leuten mit seinem Kampfschrei „C’moooon“ gewaltig auf die Nerven ging, jener Mann wurde, der nun zum Ende der Karriere mit Anerkennung überschüttet wird. Als er 1998 in seiner Heimatstadt Adelaide mit 16 in einem unfassbar großen Hemd gegen Andre Agassi gewann, war klar, dass da einer die Welt des Tennis auf den Kopf stellen wollte. In einem stimmungsvollen Film über seine Karriere erzählt Hewitt, wie er damals total eingeschüchtert auf den Platz gegangen war, weil ihn Agassis Coach Brad Gilbert in der Kabine eine halbe Stunde lang angestarrt hatte. Wie er sich dann aber schnell gefangen und den großen Favoriten weggeputzt hatte.

          „Ich dachte, er würde nachlassen hintenraus“, gab Agassi hinterher kleinlaut zu. Aber wenn irgendwas gar nicht zusammenpasste, dann waren das Lleyton Hewitt und sein angebliches Nachlassen. Nach dem Erfolg in Adelaide teilte er seinen Eltern jedenfalls bei der Siegerehrung in aller Öffentlichkeit mit, dass er nicht daran denke, in die Schule zurückzukehren. Er wusste längst, was er machen wollte - die Welt des Tennis auseinandernehmen. Und wie sich herausstellen sollte, bestand er den ultimativen Test für Ausdauer, Willen und die Bereitschaft, alles zu geben, öfter als jeder andere.

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