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Australian Open : Ein denkwürdiger Tennis-Tag in Melbourne

  • -Aktualisiert am

Abschied mit Tränen: Caroline Wozniacki beendet ihre Karriere. Bild: dpa

Und am Ende muss sogar Roger Federer gegen einen Australier zittern. Die Australian Open bescheren dem Publikum denkwürdige Spiele. Legenden verabschieden sich, und der Schweizer dreht ein fast verlorenes Spiel zu seinen Gunsten.

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          Es gibt Tage, die dümpeln dahin, und am Abend kann man sich kaum noch erinnern, was ein paar Stunden zuvor passierte. Und dann gibt es solche wie diesen Freitag in Melbourne mit einer Wagenladung denkwürdiger Ereignisse. Serena Williams’ Niederlage in Runde drei gegen die Chinesin Wang Qiang; eben jene Chinesin, gegen die sie bei der letzten Begegnung vor ein paar Monaten in einer Dreiviertelstunde 6:1, 6:0 gewonnen hatte. Caroline Wozniackis letztes Spiel, begleitet von Abschiedstränen, aber auch vom stolzen Geständnis, an jedem Tag der Karriere alles gegeben zu haben. Dann der nächste kaum glaubliche Coup der 15 Jahre alten Cori Gauff, die Titelverteidigerin Naomi Osaka bei ihren Sieg in zwei Sätzen wie eine ratlose Debütantin zurücklässt. Und am Ende ein völlig verrücktes Spiel, das Roger Federer nach mehr als vier Stunden gegen den Australier John Millman im Match-Tiebreak des fünften Satzes gewinnt.

          Als Serena Williams vor knapp zwei Wochen in Auckland ihren ersten Titel seit drei Jahren gewonnen hatte, den ersten als Mutter, da glaubten viele, das müsse ein Zeichen für die bevorstehenden Ereignisse in Melbourne sein. War sie nach vier verlorenen Grand-Slam-Endspielen im vergangenen und im Jahr zuvor nun bereit für den nächsten Versuch, den ominösen 24. zu gewinnen und damit mit der Rekordhalterin Margaret Court gleichzuziehen? War sie nicht. Kann sein, dass sie die bravourös spielende Chinesin, Nummer 29 der Welt, wegen der klaren Angelegenheit vier Monate zuvor ein wenig unterschätzte; damals gewann Wang Qiang ganze 15 Punkte.

          Die gab damals hinterher zu, das sei eine Lehrstunde gewesen, und sie habe begriffen, dass sie härter arbeiten und körperlich stärker werden müsse. Genau das tat sie in der Zeit danach, und das Ergebnis sah man in den drei Sätzen des verrückten Tages in Melbourne (6:4, 6:7, 7:5). Auch, als sie den zweiten Satz verloren hatte, spielte sie weiter aggressiv und trug ihren Teil zur Unruhe von Williams bei, die viele Fehler machte und sichtlich nicht mit sich zufrieden war. Hinterher übertrieb die Amerikanerin allerdings ein wenig, als sie sagte, sie habe nicht wie ein Profi gespielt, überhaupt nicht cool. Dass die Gegnerin einen gewissen Anteil an diesem Spiel hatte, kam bei ihr irgendwie nur am Rande vor, aber damit konnte Wang Qiang leben. Serena Williams wird im September 39, und sie wird es weiter versuchen mit dem 24. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier, aber für wen die Zeichen der Zukunft in den Himmel geschrieben sind, das ist längst offensichtlich.

          Sieg nach denkwürdigem Tiebreak im fünften Satz: Roger Federer erreicht das Achtelfinale. Bilderstrecke

          Die Selbstverständlichkeit, mit der Cori Gauff inzwischen Akzente setzt, ist ebenso verblüffend wie die Mixtur von jugendlichem Spaß an der Freud und einer Reflexion ihres Spiels und ihrer Auftritte, mit der sie ihrem Alter um Jahre voraus ist. Naomi Osaka, die in der dritten Runde der US Open 2019 klar gegen Gauff gewonnen hatte, wirkte in manchen Momenten wie paralysiert, in anderen ratlos und alles in allem überfordert. Hinterher ließ sie wissen, dieses Spiel gegen die sieben Jahre jüngere Gauff sei so was wie eine Realitäts-Check gewesen, sie habe einfach noch nicht die Mentalität eines Champions. Sie war ehrlich genug, zuzugeben, gegen eine 15-Jährige wolle man wirklich nicht verlieren, aber unter Strich blieb die für sie ernüchternde Erkenntnis, dass sie zu gehemmt spielte, um diese Niederlage (3:6, 4:6) verhindern zu können.

          Cori Gauff, die lieber Coco genannt werden möchte, rauschte durch dieses Spiel wie der Wind an der See. Hinterher prustete sie los, vor zwei Jahren habe sie in der ersten Runde bei den Juniorinnen verloren, jetzt stehe sie, bejubelt von all den Leuten, nach einem Sieg gegen die Titelverteidigerin da – „das ist doch verrückt!“ Vor einem Jahr um die gleiche Zeit lag sie in der Weltrangliste auf Platz 684, in der neuen Liste wird sie voraussichtlich schon zu den besten 50 gehören, und es ist ziemlich offensichtlich, wohin die Reise gehen wird. Steil bergauf.

          Williams’ Wut, Wangs Glück, Osakas Geständnis und Caroline Wozniackis berührender Abschied. Und wer nach all dem noch nicht das Gefühl hatte, dieser Tag bestehe aus 48 verrückten Stunden, der erlebte die letzten vier in einer Mischung, vor der jeder Kardiologe gewarnt hätte. Federer wusste am Ende selbst nicht genau, wie er den nicht nur in Australien ausgesprochen populären Millman nach 4:8-Rückstand im Match-Tiebreak des fünftes Satzes noch besiegt hatte. Als sein letzter Ball unerreichbar in Millmans Feld landete, war der neue Tag schon fast eine Stunde alt. Nicht zu fassen und kaum auszuhalten, das alles.

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