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Australian Open : Ein Grieche entthront den großen Federer

  • -Aktualisiert am

Enttäuschung nach dem Aus: Roger Federer verliert bei den Australian Open das Achtelfinale. Bild: Reuters

Ein aufstrebender Grieche hat Roger Federer als Titelverteidiger bei den Australian Open besiegt. Der Schweizer hatte im Achtelfinale seine Chancen, erlebte letztlich aber eine weitere Enttäuschung. Sein Rivale Nadal ist dagegen noch dabei.

          Roger Federer muss noch warten, bis er seinen 21. Grand-Slam-Triumph feiern kann. Aber wie viel Zeit hat das Schweizer Tennis-Idol noch? Am Sonntag schied der Titelverteidiger bei den Australian Open gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas im Achtelfinale aus. Der 37-Jährige tat alles, um den Eindruck zu erwecken, dass es sich um eine ganz gewöhnliche Niederlage gehandelt habe, ohne übergeordnete Aussagekraft. „Ich sehe es als normal an, zur Abwechslung mal wieder früh in Melbourne auszuscheiden, nachdem ich die letzten beiden Turniere hier gewonnen habe.“ Doch der Blick auf den Spielverlauf und auf die Ergebnislisten nährt den Verdacht, dass Federer ein Alter erreicht hat, in dem es schwer für ihn werden wird, noch einmal ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Auch dass er in der Weltrangliste auf Platz sechs oder sieben zurückfallen wird, macht die Sache nicht leichter.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Sorge, in den Setzlisten noch weiter nach hinten zurückzufallen, könnte seine Entscheidung beeinflusst haben, in diesem Jahr nach zwei Jahren Pause wieder die Sandplatzsaison zu bestreiten und nach drei Jahren Pause auch wieder bei den French Open anzutreten. Gewiss, er kann noch mit den Besten mithalten und mit den Jungen sowieso. Aber eine Klasse für sich bildet der Publikumsliebling nicht mehr, vielleicht noch in Wimbledon. Nach seinem Sieg vor einem Jahr in Melbourne hat Federer nur drei ATP-Turniere gewonnen, die in Rotterdam, Stuttgart und Basel, wo nicht die allerbeste Konkurrenz aufschlug. Ansonsten stoppten ihn Gegner, die Djokovic (zweimal), Del Potro, Zverev, Coric (zweimal), Anderson und Millman hießen.

          Mutig zum Winner

          Ganz langsam scheinen nicht nur die Spieler von Weltklasse-Format die Ehrfurcht vor dem Schweizer Maestro zu verlieren, sondern auch die zweite Garde, zu der mittlerweile viele junge Profis zählen. Wie Tsitsipas. „Ja, ich glaubte vom ersten Moment an, dass ich dieses Spiel gewinnen kann“, bestätigte der 20-Jährige den Eindruck von John McEnroe, der mit ihm das Siegerinterview führte. Und was noch wichtiger war: Der 15. der Weltrangliste verlor in keinem Augenblick seine Zuversicht, obwohl er viele Gelegenheiten hatte, in Zweifel zu verfallen. Beim 0:1-Satzrückstand sah er sich im zweiten Durchgang acht Breakbällen Federers ausgesetzt – alle wehrte der auf Zypern geborene Sohn eines Griechen und einer Russin ab.

          Ein paarmal tat ihm der Schweizer den Gefallen, einen Fehler zu begehen. Aber meist gewann er unerschrocken und mutig den Punkt mit einem Winner. „Man muss bei Breakbällen 100 Prozent weiterspielen, das habe ich getan“, sagte Tsitsipas mit einem Anflug von Stolz. Insgesamt vergab Federer zwölf Breakbälle in einer Partie, die er schließlich in 3:45 Stunden Spielzeit 7:6 (13:11), 6:7 (3:7), 5:7, 6:7 (5:7) verlor. Da an diesem Tag auch der ehemalige Gewinner des ATP-Finales Grigor Dimitrow gegen den 21 Jahre alten Amerikaner Francis Tiafoe 5:7, 6:7 (6:8), 7:6 (7:1), 5:7 verlor, rief die amerikanische Tennis-Ikone McEnroe als Stadionmoderator den Generationswechsel aus. Federer nahm die Behauptung mit Ironie. „Sicher hat er recht. Aber er erzählt die Geschichte schon seit zehn Jahren.“ Seiner Meinung nach hätte er den Platz selbst als Sieger verlassen müssen. „Ich hätte den zweiten Satz gewinnen müssen. Egal wie. Das hat mich das ganze Spiel gekostet.“ Die große Anzahl von Breakbällen suggeriert eine Überlegenheit von Federer, aber die war nicht existent. Beide Spieler agierten auf einem gleich hohen Niveau.

          Ungläubiger Bezwinger: Stefanos Tsitsipas siegt über Tennis-Star Roger Federer.

          Tsitsipas kennzeichnet nicht das ganz feine Händchen wie Federer und auch nicht dessen Eleganz, sondern eher jugendliche Kraft und Begeisterung. Aber er spielt viel variantenreicher als die meisten seiner Altersgenossen, fast so variabel wie der Schweizer. 68 Mal stürmte der Grieche ans Netz, 48 Mal gewann er den Punkt. Federer war bei 66 Netzattacken 50 Mal erfolgreich. „Volleys verleihen dem Spiel Leben, sie machen es interessanter“, erwiderte Tsitsipas auf McEnroes Dank, dass er das Spiel am Netz zurückgebracht habe. „Sie haben mich dazu inspiriert“, sagte der junge Grieche zum Moderator, der sich „für die Lüge“ bedankte. Vielmehr war Federer Tsitsipas’ Vorbild: „Ich analysiere sein Spiel, seitdem ich sechs bin. Es war immer mein Traum, gegen ihn zu spielen. Dass ich ihn geschlagen habe, ist unbeschreiblich.“ Tsitsipas hatte schon vor dem Aufeinandertreffen mit seinem Idol beschrieben, wie schwer es für ihn sei, gegen ihn anzutreten. „Das ist eine große Herausforderung, an sich und seine Siegchancen zu glauben, wenn man gegen jemanden spielt, den man so lange bewundert. Aber ich werde bereit sein.“

          Tsitsipas hielt Wort. Das Viertelfinale muss für ihn nicht die Endstation bedeuten. Sein nächster Gegner, Roberto Bautista Agut aus Spanien, liegt in der Setzliste acht Positionen hinter ihm. Wie weit Tsitsipas auch kommen mag; schon jetzt ist ihm eine besondere Auszeichnung sicher. Ein Melbourner Promi-Gastronom hatte angekündigt, ein spezielles Souvlaki-Gericht zu kreieren und nach dem Federer-Bezwinger zu benennen. Der letzte Tennisprofi mit griechischem Namen, dem dies zuteilwurde, war Marcos Baghdatis, der 2006 das Finale in Melbourne erreichte – und gegen Federer verlor.

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