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Tennisstar darf spielen : Novak Djokovic gewinnt vor Gericht in Australien

Novak Djokovic bei den Australian Open im Jahr 2012 Bild: AFP

Der Entzug des Visums ist aufgehoben: Ein australischer Richter hat dem Einspruch des Tennisprofis stattgegeben. Nun darf Djokovic doch an den Australian Open teilnehmen. Es sei denn, ein Minister legte Veto ein.

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          Am Ende war es ein kurzer Prozess: Der weltbeste Tennisspieler Novak Djokovic darf doch noch an den Australian Open teilnehmen und seinen Titel verteidigen. Schon zuvor durfte er das Abschiebehotel verlassen. Es ist offen, ob er zu einem ersten Training seit seiner Ankunft Donnerstagmorgen in Melbourne fuhr. Allerdings kündigte der Vertreter der Regierung im Prozess, Anthony Tran, an, der australische Einwanderungsminister Alex Hawke prüfe, ob Djokovic das durch den Richterspruch zurück erhaltene Visum ein zweites Mal entzogen werde könnte.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Bundesrichter Anthony Kelly macht von Beginn an klar, dass er große Antipathien gegen den Umgang der australischen Behörden mit dem Weltklassesportler hegte. Mehrfach folgte er dem Plädoyer des Leiters des Djokovic-Anwaltsteams Nicholas Wood. Knapp eineinhalb Stunden nach Verhandlungsbeginn in Melbourne stellte Kelly die entscheidende Frage: „Was hätte dieser Mann noch mehr tun sollen?“ Mit Blick auf die hochkomplizierten Einreisebestimmungen in Australien dieser Tage und das Verhalten der Grenzbeamten beim Einreiseversuch von Djokovic fügte er an: „Das ist der Punkt, der mich etwas aufregt.“

          Zugleich verwies der Richter auf die medizinische Ausnahmegenehmigung, die der Tennis-Weltranglistenerste von „einem Professor und einem hochqualifizierten Arzt und darüber hinaus von einem weiteren, unabhängigen Expertengremium, das von der Regierung des Bundesstaates Victoria eingesetzt wurde“, erhalten habe. Dennoch hatten die Grenzbeamten dem Star unter harschen Bedingungen dessen Visum zur Einreise für die Australian Open in Melbourne entzogen und ihn festgesetzt.

          Am Montag verhandelte dann das Gericht in der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria über die Rechtmäßigkeit dieses Verfahrens. Dabei ging es freilich nicht darum, welche Haltung Djokovic zur Corona-Impfung einnimmt und wie er sich nach seiner mutmaßlichen Ansteckung verhalten habe. Kelly hatte zuvor schon angeordnet, dass Djokovic für den Verlauf des Verfahrens die Abschiebehaft im Park Hotel verlassen dürfe. Solange könne er sich an einem Ort aufhalten, den sein Anwalt wähle.

          Australischer Ministerpräsident weist Schuld von sich

          Der Serbe steht inzwischen nicht mehr alleine da: Nach der erzwungenen Abreise der tschechischen Spielerin Renata Voráčová am Samstag, deren Visum, mit dem sie Tage in Australien unterwegs gewesen war, eingezogen wurde, bestätigte das Innenministerium am Montagmorgen, dass die Grenzbehörden gegen einen weiteren Spieler und einen Offiziellen ermittelten. Beide hatten eine medizinische Ausnahmegenehmigung für die Einreise ohne Impfung erhalten. Insgesamt sollen 26 Ausnahmegenehmigungen zur Einreise erteilt worden sein. Djokovics Anwalt Woods betonte in der Verhandlung, sein Klient habe eine medizinische Ausnahmegenehmigung von Tennis Australia sowie eine E-Mail des Innenministeriums erhalten, die das Erfüllen der Anforderungen dank einer früheren Corona-Infektion ohne Impfung bestätigt habe.

          Während Richter Kelly sich über den Umgang der Australier mit dem Serben am Flughafen „aufregte“, wies der australische Ministerpräsident Scott Morrison jede Schuld von sich und seiner Regierung. Am Rande einer Pressekonferenz in Canberra zu den Impffortschritten bei Kindern angesichts der gewaltigen Omikron-Welle erklärte er: „Der Rat der Bundesregierung an Tennis Australia im November war sehr deutlich. Er könnte nicht deutlicher sein.“ Schon in den vergangenen Tagen war immer ersichtlicher geworden, dass der Veranstalter der Melbourne Open angesichts der überaus komplizierten Einreiseregeln mit dem Erstellen von Ausnahmegenehmigungen überfordert war.

          Schon am frühen Morgen war die Regierung in die Offensive gegangen. Sie betonte in ihrer Einlassung für die Verhandlung noch einmal, Djokovic drohe eine wiederholte Festsetzung, auch wenn er den Gerichtssaal am Montag als Sieger verlassen sollte. „Es gibt keine Garantie für die Einreise eines Nicht-Staatsbürgers nach Australien. Vielmehr gibt es Kriterien und Bedingungen für die Einreise und Gründe für die Ablehnung oder Annullierung eines Visums“, erklärte Innenministerin Karen Andrews.

          „Djokovic tat alles, was er konnte“

          Richter Kelly aber fokussierte sich in Melbourne zunächst auf den Umgang mit Djokovic: „Um 4 morgens wird eine Person aufgefordert, ihr Mobiltelefon abzuschalten. Seit Mitternacht ist sie praktisch unerreichbar. Dabei bietet sie an: Wenn Australien aufwacht, kann ich meine Ansprechpartner anrufen. Was sich aber zuträgt, ist etwas ganz anderes.“ Zumindest zu diesem Zeitpunkt kann er sich gut in die Lage des Tennisprofis in Händen der Grenzbeamten einfühlen: „Herr Djokovic ist ganz offen und sagt, dass es ihm leid tue, wenn er die Fakten falsch verstanden habe. Dann wäre er gar nicht erst hierher gekommen", fasst Kelly die Haltung des 34-Jährigen zusammen.

          Anwalt Woods debattierte mit Kelly in aller Ruhe die „vollständige Unzulänglichkeit“ der Gründe für das Nicht-Anerkennen des Visums aufgrund der medizinischen Ausnahmegenehmigung. „Djokovic tat alles, was er konnte“ an jenem frühen Morgen am Flughafen Tullamarine in Melbourne. „Herr Djokovic war niemals informiert, welchen Paragraphen er überhaupt gebrochen haben soll.“

          Der Vater des Spielers hatte zuvor weiter Stimmung für seinen in Melbourne festgesetzten Sohn gemacht: „Die Politiker sagen jetzt, dass sie ihn, auch wenn das Gericht entschieden hat, dass er spielen darf, nach ihren Gesetzen wieder festnehmen können. Sind wir Tiere? Was sind wir? Wir sind menschliche Wesen. Dies geschieht, weil wir nur ein kleiner Teil der Welt sind, aber wir sind stolz. Sie haben keinen Respekt vor ihm“, sagte Srdjan Djokovic in Belgrad.

          Die angekündigte Live-Übertragung des Verfahrens über den Internetdienst Zoom brach zusammen, bevor der Richter es überhaupt eröffnete. Immer wieder kam es auch während der Verhandlung ab zehn Uhr morgens Ortszeit zu langen Ausfällen der Übertragung.

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