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Tennis-Trennung in Australien : Frauen auf den billigen Plätzen

  • -Aktualisiert am

Und wo darf ich jetzt spielen? Ashleigh Barty Bild: EPA

Weil die Männer im neuen ATP-Cup in Brisbane spielen, ist für die Frauen derzeit auf der Hauptbühne kein Platz. Ein gemeinsames Turnier ist eine attraktive Idee, doch die Umsetzung dauert viel zu lange. Mal wieder.

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          Auf dem Umlauf der Pat Rafter Arena in Brisbane gibt es eine Bar, die in gewisser Weise die Welten teilt. Links vor dieser Bar sind Bildnisse einiger der besten Spielerinnen der Welt zu sehen, rechts vom Bier prangen Männer, und auf den ersten Blick könnte man meinen, sie alle gehörten zu einem Turnier. Aber so ist es nicht. Die Männer sind beim neuen ATP Cup aktiv, bei dem Brisbane (neben Sydney und Perth) zu den Spielorten der Vorrunde gehört, die Frauen sind beim WTA-Turnier beschäftigt, das seit Jahren Anfang Januar in Queenslands Metropole gespielt wird. Bisher genossen die Tennisdamen die volle Aufmerksamkeit des Publikums, diesmal ist für sie wegen des neugeschaffenen Herren-Wettbewerbs bis inklusive Mittwoch auf der Hauptbühne kein Platz. In der Rafter Arena schlagen die Frauen erst wieder auf, wenn die Männer die Vorrunde des ATP Cups beendet haben.

          Nun gibt es auf der einen Seite Spielerinnen wie die Nummer eins Australiens und der Welt, Ashleigh Barty, die sagt, sie habe damit überhaupt kein Problem; sie spiele auch auf Platz 26, wenn das nötig sei, wichtig sei ihr nur, dass genügend Zuschauer die Chance bekämen, sie zu sehen. Aus dem Kreise jener, die das weniger gelungen finden, wurden keine größeren Proteste laut, aber mit der gebotenen Neutralität lässt sich doch sagen, dass das keine besonders gelungene Situation ist.

          Aber vielleicht deuten die Plakate rechts und links der Bar auf Möglichkeiten der Zukunft hin. Die Idee, auf mittelfristige Sicht aus dem ATP Cup einen ATP/WTA Cup zu machen, also gemischte Mannschaften wie beim schnöde abgeschafften Hopman Cup in Perth spielen zu lassen, schwirrt durch die Luft und ist offenbar schon in einigen Köpfen gelandet. Der Chef des einflussreichen Australischen Tennisverbandes, Craig Tiley, bestätigte der Tageszeitung „The Australian“ kürzlich, es gebe Gespräche mit der WTA Tour über einen gemeinsamen, großen Wettbewerb, aber vor 2022 werde das ganz sicher nicht passieren.

          Im Prinzip ist das eine attraktive Idee, aber man kann sich natürlich fragen, warum alle Tennisverbände – dazu gehört auch die ITF, der Weltverband – erst mal ihre eigene Suppe kochen und erst dann, wenn alles eingekauft ist, feststellen, dass es bessere Rezepte mit mehr Zutaten gegeben hätte. Aber dass die WTA in der Männerküche nicht gern gesehen ist, ist ja nicht neu. Als die Amerikanerin Billie Jean King 1973 eine Profitennis-Vereinigung für Frauen gründen wollte, hatte sie vorher versucht, gemeinsame Sache mit den Männern zu machen, die sich gerade in der neuen ATP organisiert hatten. Zusammen, so dachte sie, sei es viel leichter und sinnvoller, die Interessen der Tennisspielerinnen und -spieler zu vertreten. Aber die Männer waren nicht interessiert. Heutzutage scheint deren Reaktionszeit zwar etwas kürzer zu sein, aber sie ist immer noch deutlich zu lang.

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