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Australian-Open-Kommentar : Vorteil Becker

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Als TV-Experte für Eurosport gab Boris Becker eine starke Figur ab in Melbourne. Bild: dpa

Auch aus deutscher Sicht gab es bei den Australian Open einen Sieger, einen ganz großen sogar. Boris Becker war als TV-Experte kenntnisreich, witzig und zugleich sich selbst nicht so wichtig nehmend.

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          Es ist angebracht, sich zu verneigen nach diesen Australian Open. Zu verneigen vor Roger Federer und Rafael Nadal, nicht nur vor ihrem Comeback nach Verletzungspausen, nicht nur vor ihrem begeisterndem Finale am Sonntag, sondern vor allem davor, wie sie danach mit Triumph und Niederlage umgegangen sind. Wenn irgendetwas noch mehr Stil und Klasse hatte als das Spiel, das sie zuvor in die Rod Laver Arena gezaubert hatten, dann waren es ihre Interviews, unmittelbar nach diesem Finale noch auf dem Platz geführt.

          Und natürlich gilt diese Verneigung auch Serena und Venus Williams. Die jüngere der beiden Schwestern ist mit nun 23 Titeln bei Grand-Slam-Turnieren auch an Steffi Graf vorbei gezogen ist – unglaubliche 19 Jahre nach ihrem ersten Grand-Slam-Sieg bei den US Open 1999. Aber mindestens genauso viel Respekt verdient Venus – wer hätte sie überhaupt noch einmal in einem Finale auf dieser Ebene erwartet?

          Doch auch aus deutscher Sicht gibt einen Sieger, sogar einen ganz großen Sieger. Boris Becker ist in den vergangenen Jahren, nach dem Ende seiner beeindruckenden Karriere als Tennisspieler, oft kritisiert worden, auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Selbst wenn man alle Schwierigkeiten berücksichtigt, wie schwer es sein mag, danach seinen Platz im normalen Leben zu finden, blieb unter dem Strich, dass er auch kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen hatte. Man muss darauf im Einzelnen nicht mehr eingehen, irgendwann ist auch jede Dummheit mal verjährt. Als Novak Djokovic vor drei Jahren ebendiesen Becker als Trainer engagierte, war die Verwunderung allerdings groß.

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          Auch wenn Boris Becker in der Vergangenheit gerne darauf hingewiesen hat, dass er ja für die BBC immerhin zwölfmal das Wimbledonturnier als Kommentator begleitet hat, war dies die Chance für den Deutschen, in seiner Tenniswelt mal wieder eine große Rolle zu spielen. Er hat sie besser genutzt, als das zu erwarten war, und so wie Djokovic ganz offensichtlich von ihm profitiert hat, so hat auch Becker vom Serben profitiert.

          Nach der Trennung hat er nun als Fernsehkommentator bei Eurosport brilliert und fasziniert – nicht so aufgesetzt wie früher zuweilen, wenn er im Fernsehen auftrat. Gäbe es eine Blaupause für Experten in allen Sportarten, wie sie ihre Rolle im Fernsehen ausführen sollten, sei ihnen Boris Becker bei den Australian Open 2017 ans Herz gelegt. Für den deutschen Markt war dies ein Comeback, das bestens zu diesem Turnier passte. Und auch wenn Becker es nicht gerne hören mag – so kenntnisreich, witzig und zugleich sich selbst nicht so wichtig nehmend, ist er auch in all den Jahren bei der BBC nie herüber gekommen. Chapeau!

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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