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Australien Open : Djokovic wirft das Handtuch, Federer bleibt cool

  • -Aktualisiert am

Überhitzt aufgegeben: Novak Djokovic Bild: REUTERS

Melbourne erwartet eine große Hitzewelle mit Temperaturen um 40 Grad. Tennis gespielt wird trotzdem, aber nicht immer bis zum Matchball: Novak Djokovic musste gegen Andy Roddick aufgeben. Roger Federer blieb dagegen cool.

          4 Min.

          An seinen besten Tagen ist Novak Djokovic in der Lage, jeden Gegner zu besiegen; ob Nadal, Federer oder den Rest der Welt - allen hat der Serbe nach dem Matchball schon einmal die Faust gezeigt und sich auf die Brust geschlagen. An schlechten Tagen jedoch droht der Kampfgeist des Weltranglistendritten rasch, mitunter sogar überraschend zu erlahmen. Oft ruft er den Physiotherapeuten auf den Platz, nicht selten beendet er kurz darauf vorzeitig sein Match.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der sonnige Dienstag bei den Australian Open wurde wieder zu einem dieser tristen Tage, an denen Djokovics Geist sich nicht dem Körper widersetzen konnte. Nach zweieinhalb Stunden, in denen der Serbe stark begann, ehe er stark nachließ, gab sich der Titelverteidiger in der Rod Laver Arena geschlagen. „Ich hatte Krämpfe und Schmerzen. Ich habe meine Bestes versucht, aber manchmal kommt man gegen seinen Körper nicht an“, sagte Djokovic, der im Viertelfinale gegen den Amerikaner Andy Roddick beim Stand von 7:6 (7:3), 4:6, 2:6 und 1:2 mit augenscheinlich schweren Kämpferherzens den Rückzug antrat.

          Djokovic bat vergeblich um „Nachtschicht“

          Zwei Dinge seien entscheidend gewesen, behauptete der Einundzwanzigjährige: Zum einen habe er unter den Temperaturen gelitten, die in Melbourne zwar 32 Grad Celsius erreichten, aber nicht so schlimm waren wie vorhergesagt und auch von Roddick befürchtet. Zum anderen hätten ihm die Turnierveranstalter die Bitte abgeschlagen, nicht schon um drei Uhr nachmittags, sondern erst am Abend zur Night Session aufzulaufen.

          Überhitzt aufgegeben: Novak Djokovic Bilderstrecke
          Australien Open : Djokovic wirft das Handtuch, Federer bleibt cool

          Diese Begründung des ATP-Weltmeisters 2008 war durchaus verständlich: Sein Achtelfinalmatch gegen den Zyprer Marcos Baghdatis hatte er am frühen Montagmorgen um 2.26 Uhr beendet und er war nach eigenen Angaben erst gegen sechs Uhr eingeschlafen. „Wäre die Pause länger gewesen, hätte ich mich erholt“, behauptete der Einundzwanzigjährige, dem zwischen den Runden nur 36 Stunden blieben. Statt Titelverteidiger Djokovic durfte Publikumsliebling Roger Federer zur Spätschicht antreten, nutzte die Gunst der Stunde und zog nach einem geradezu demütigenden 6:3, 6:0 und 6:0 gegen den argentinischen Jungstar Juan Martin del Potro ins Halbfinale gegen Roddick ein. (siehe: Tennis: Ergebnisse von den US Open und FAZ.NET-Sonderseite: Australian Open)

          Djokovic neigt zum Leiden

          Novak Djokovics Kampfgeist hatte im Kampf gegen den Körper schon mehrmals schlappgemacht. Bei den French Open 2005 und 2006 gab er ebenso auf wie 2007 im Halbfinale von Wimbledon. Im vergangenen Jahr verließ er zum zweiten Mal während eines Davis-Cup-Spiels vorzeitig den Platz und brach auch sein Halbfinale beim Masters-Turnier in Monte Carlo ab. „Ich hatte immer einen Grund“, entgegnete Djokovic am Dienstag Stimmen, die ihn auf diese Häufung ansprachen: „Ich fühlte, dass es nicht mehr ging.“

          Jedoch ist der Serbe auch für seine Unpässlichkeiten während eines Spiels sehr bekannt und ein bisschen berüchtigt. Nicht zuletzt in kniffligen Phasen neigt er dazu, sich Behandlungspause zu nehmen, um sich vom Physiotherapeuten kühlen oder massieren zu lassen. „Alles, was Novak heute getan hat, war regelgerecht“, sagte Roddick zur Auszeit, die sich Djokovic nach seinem Service zur 2:1-Führung im dritten Satz nahm. „Aber es gibt eine Grauzone: Besser wäre es, wenn man eine längere Behandlungspause vor dem eigenen Aufschlagspiel nehmen müsste.“

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