https://www.faz.net/-gtl-96hew

Australian Open : Das sind die Tennis-Stars der Zukunft

  • -Aktualisiert am

Alexander Zverev gilt als kommender Grand-Slam-Gewinner, noch aber lief es bei den großen Turnieren nicht für ihn. Bild: Reuters

Im Herrentennis deutet sich trotz des juvenilen Australian-Open-Siegers Roger Federer eine Wachablösung an. Die jungen Herausforderer bringen frischen Wind. Aber eines fehlt ihnen.

          6 Min.

          Endlich neue Namen, endlich neue Gesichter! Der Kampf der Tennis-Generationen hat begonnen. Nach zwölf Jahren Denkmalpflege prüfen die jungen Spieler immer unverschämter, wie standfest ihre Vorbilder noch sind. Bei den Australian Open in Melbourne zogen erstmals seit zehn Jahren wieder zwei ungesetzte Spieler ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers ein. Der Engländer Kyle Edmund, 23, besiegte auf seinem Weg in die letzten vier den Finalisten der US Open 2017, Kevin Anderson aus Südafrika, und den Gewinner des ATP-Finales 2017, Grigor Dimitrow. Der Südkoreaner Chung Hyeon entnervte den bisher erfolgreichsten der jungen Löwen, Alexander Zverev aus Hamburg, im Achtelfinale und dann sogar Novak Djokovic im Viertelfinale. Nach dieser mitreißenden Vorstellung räumten einige dem jungen Südkoreaner sogar für die Auseinandersetzung mit Roger Federer eine Chance ein.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Doch Chung konnte sie nicht wahrnehmen. Seine Laufarbeit forderte ihren Tribut. Seine Füße waren nach den vielen Matches mit Blasen übersät. Ein Betreuer sagte, sie seien aufgeschnitten worden und das rohe Fleisch sei zu sehen gewesen. Chung gab beim Stand von 1:6, 2:5 auf, nachdem ihm Federer keine Chance und vor allem keine Ruhe gelassen hatte. „Ich wusste, dass Chung nicht richtig laufen konnte. Das tat mir zwar leid für ihn, aber ich habe es für mich ausgenutzt, und ich hetzte ihn hin und her“, sagte der 36 Jahre alte Schweizer, der am Sonntag auch das Finale gegen Marin Cilic gewann.

          Die Zeichen stehen dennoch auf Veränderung, das war schon vor Chungs und Edmunds Triumphzügen in Melbourne nicht mehr zu übersehen. 2017 signalisierte Alexander Zverev durch seine Siege, dass er gut genug ist, die Größten zu schlagen. In Rom knöpfte er sich Djokovic erfolgreich vor, in Montreal Federer. 2014 und 2015 hatte der Australier Nick Kyrgios Nadal, Federer und Djokovic überrascht – allerdings bei kleineren Turnieren – und bewies damit, dass da plötzlich jemand ist, der die Platzhirschen verdrängen könnte.

          Doch nur in wenigen Sportarten bedarf es so viel mehr als Potential, um an die Spitze zu kommen und dort zu bleiben. Es bedarf einer ungeheuren Konstanz, um die nötigen Weltranglistenpunkte zu gewinnen und damit einer ungeheuren Widerstandskraft bei der Tortur, die im Herrentennis ATP-Tour heißt. Im dichtgedrängten Turnierkalender von Januar bis November gilt es, nicht nur körperlich gesund und fit zu bleiben, sondern vor allem die mentale Frische zu bewahren, zwischen anstrengenden Reisen, der Einsamkeit auf den Hotelzimmern, eintönigem Training und dem nervlichen Stress während der Spiele.

          Das Verarbeiten von Erfolg und Misserfolg, die Grenze zwischen Wollen und Verkrampfen zu finden, zählt zu den größten Schwierigkeiten für die aufstrebenden Talente. Kyrgios scheint wieder in die Spur zu finden, nachdem er in den vergangenen zwei Jahren unter der psychischen Belastung immer wieder eingeknickt war, zeterte, schrie, Spiele herschenkte und das Training zwischendurch immer wieder einstellte. Sein Landsmann Bernard Tomic flüchtet in Sarkasmus und Beleidigungen, wenn er seine eigenen Erwartungen nicht erfüllen konnte. „Ich gehe jetzt meine Millionen zählen.“ So beantwortete er in Melbourne die Frage eines Reporters, was er denn nach seinem Scheitern in der Qualifikation nun tun werde. Die Australier reagierten empört.

          Chung Hyeon (links) musste im Halbfinale gegen Roger Federer verletzt aufgeben. Bilderstrecke
          Chung Hyeon (links) musste im Halbfinale gegen Roger Federer verletzt aufgeben. :

          Zverev ist schon viel weiter, als es Tomic jemals war. Aber auch bei ihm wächst der selbsterzeugte Druck, die Leistungen auf der ATP-Tour bei den Grand Slams zu bestätigen. Bisher ist eine Achtelfinal-Teilnahme in Wimbledon 2017 sein bestes Ergebnis: „Die Grand Slams“, sagte er, „bedeuten mir noch zu viel.“

          Weitere Themen

          Ein Bessermacher wie Thomas Tuchel

          Mainz-Trainer Bo Svensson : Ein Bessermacher wie Thomas Tuchel

          Trainer Bo Svensson hat dem FSV Mainz 05 vor dem Spiel gegen Augsburg neue Hoffnung im Abstiegskampf geschenkt. Mit seiner Art und seinen Ansichten erinnert er an einen berühmten Vorgänger.

          Topmeldungen

          Klimaaktivisten von Fridays for Future auf einer Demonstration im September in Frankfurt

          Hanks Welt : Mehr Diktatur wagen?

          Sollen wir unsere ordnungspolitischen Prinzipien über Bord werfen und den Klimawandel so autoritär bekämpfen wie die Pandemie?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.