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Überraschung beim Tennis : Albtraum für die Nummern eins und zwei

  • -Aktualisiert am

Ärger über die Niederlage: Iga Swiatek in Australien Bild: EPA

Iga Swiatek und Coco Gauff verpassen bei den Australian Open überraschend den Einzug ins Viertelfinale. Die Trauer darüber ist anschließend groß. Bei der Pressekonferenz fließen sogar Tränen.

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          Iga Swiatek saß wenige Minuten nach dieser für sie so bitteren Niederlage auf ihrem Fahrrad. Ausradeln auf dem Hometrainer gehört zur professionellen körperlichen Nachbereitung einer Weltranglistenersten schlicht dazu. Gleichwohl wirkte die immer noch erst 21-Jährige desillusioniert nach dem Aus am Sonntag im Achtelfinale der Australian Open gegen die derzeitige Wimbledonsiegerin Elena Rybakina. Um sie herum bereiteten sich andere auf ihre Matches in der Night Session vor.

          Alle im Inneren der Rod-Laver-Arena sahen umgehend die noch größere Überraschung an diesem Tag, als Jelena Ostapenko ihren ersten Matchball gegen Coco Gauff verwandelte. Damit waren am frühen Sonntagnachmittag in Melbourne mit Swiatek und Gauff innerhalb einer halben Stunde die Nummer eins und zwei der Setzliste ausgeschieden. Mit den noch früheren Niederlagen von Rafael Nadal und Daniil Medwedew sind nun erstmals in der Turniergeschichte die topgesetzten Spieler beider Einzelkonkurrenzen vor dem Viertelfinale ausgeschieden.

          Fehlende Konstanz im Damentennis?

          So manch einer kramte nun Vorurteile über fehlende Konstanz an der Spitze des Damentennis hervor. Swiatek allerdings hat 2022 zwischenzeitlich 37 Einzel in Serie gewonnen. Das gelang zunächst Martina Hingis 1997. Swiatek gewann die Grand Slams in Paris und New York und geht in ihre bereits 43. Woche als Nummer eins der Weltrangliste. Nur zwölf Spieler­innen haben mehr Zeit an der Spitze des Welttennis verbracht. Im Mai wird die Polin 22 – Zeit genug, um diese Statistiken auszubauen.

          Das Match gegen Rybakina aber in Melbourne war ein Albtraum. Die für Kasachstan startende gebürtige Moskauerin gewann 2022 das Wimbledon-Turnier – erhielt dafür wegen des sportpolitischen Machtkampfs des Turniers mit der WTA und ATP keine Punkte. Statt als Top-10-Spielerin mit entsprechender Setzung wird sie Down Under nur an 22 geführt. Gegen die am härtesten schlagenden Spielerinnen auf der Tour strauchelt Swiatek am ehesten. Die letzten drei Niederlagen fügten ihr mit Madison Keys in Cincinnati, Aryna Sabalenka bei den WTA Finals und unlängst Jessica Pegula beim United Cup in Sydney Spielerinnen mit dieser Charakteristik zu.

          Zur Pressekonferenz in Melbourne am Sonntag dagegen erschien eine Anführerin des Damentennis, die sachlich analysierte. „Ich hatte heute nicht mehr viel Reserven in mir, um noch mehr zu kämpfen.“ Sie müsse nun einen Schritt zurückgehen: „Ich wollte es zu sehr. Ich werde einfach ein bisschen mehr chillen müssen.“ Den polnischen Kollegen vermittelte sie den Eindruck, dass diese Niederlage die großen Erwartungen in der Heimat etwas bremsen könnte – hin zu einem realistischen Maß. „Ich habe ihr freie Punkte bei meinem Aufschlag nur so geschenkt“, sagte Swiatek.

          Rybakina dagegen hat den momentan wohl besten Aufschlag der Damentour, führt mit 24 Assen die Turnierstatistik an und servierte im Schnitt mit 176 Kilometern pro Stunde – und damit 16 schneller als Swiatek. Das letzte Aufschlagspiel zum 6:4, 6:4-Endstand servierte sie ohne Punktverlust. Auf die Frage der F.A.Z., ob sie die beste Aufschlägerin der Welt sei, entgegnete die 23-Jährige: „Zumindest ist er einer der schnellsten der Tour, es ist meine Stärke und eine Waffe.“ Dass sie trotz ihres Wimbledon-Titels in Runde eins auf Court 13 angesetzt wurde, kümmere sie nur wenig, ergänzte sie. Aus Melbourne berichtet lediglich ein russischer Journalist über die Mitfavoritin. Dennoch würde sie in ihrer Heimat weiter als Russin wahrgenommen; das Interesse an ihrer Person sei da.

          Statt des erwarteten Duells Swiatek gegen Gauff gibt es nun in der Runde der letzten acht die Begegnung zwischen Rybakina und Ostapenko. An guten Tagen kann die Lettin jede Spielerin auf der Tour mit ihrer Power überfordern. Beim 7:5 und 6:3-Erfolg bestrafte Ostapenko Gauff zweimal dafür, dass ihr erster Aufschlag ausfiel. Im ersten Satz erzielte die French-Open-Siegerin von 2017 vier Punkte in Serie. Im zweiten Durchgang landete ein Rückhandreturn krachend auf der Linie zum vorentscheidenden 4:3. Beim eigenen Aufschlag blieb Ostapenko, nach unruhigen Jahren zum fünften Mal in Serie bei einem Grand-Slam gesetzt, unantastbar.

          Sie habe momentan einen verbesserten Fokus. Sie sei mit 19 zu früh Grand-Slam-Champion geworden. „Ich habe ein paar Jahre benötigt, um damit umzugehen.“ Gauff wiederum ist erst 18 Jahre alt. Als sie 2019 in Linz ausgerechnet gegen Ostapenko ihren ersten WTA-Titel gewann, war die Amerikanerin 15. Mittlerweile hat sie drei WTA-Titel gewonnen, stand im French-Open-Finale gegen Swiatek und ist eine konstante Top-10-Spielerin, die außerhalb der Tennisplätze bereits sehr reif auftritt, gegen Waffengewalt und für Gleichberechtigung eintritt.

          Der Sieg beim Vorbereitungsturnier in Auckland gab ihr Aufwind und zusätzliche Erwartungen aus der Heimat. Die Niederlage gegen Ostapenko allerdings war die Achte im zwölften Match gegen Top-20-Spielerinnen bei den großen vier Turnieren. „Normalerweise sind Niederlagen in meiner Kontrolle, weil ich eine gute Spielerin bin, aber so wie sie heute gespielt hat, war kaum mehr drin“, sagte Gauff. Sie sei normalerweise eine gute Problemlöserin. „Aber heute hatte ich gar keine Antworten parat“, sagte sie und kämpfte mit den Tränen. Mit 18 und 21 Jahren bleiben Gauff und Swiatek dennoch führende Spielerinnen der Tour. Daran ändern auch die Niederlagen von Sonntag nichts.

          Tsitsipas und Korda im Viertelfinale

          Der Grieche Stefanos Tsitsipas hat sich ins Viertelfinale der Australian Open in Melbourne gekämpft. Der Weltranglistenvierte setzte sich nach vier Stunden gegen den Italiener Jannik Sinner 6:4, 6:4, 3:6, 4:6, 6:3 durch und spielt weiter um den ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere. In der Runde der letzten Acht trifft Tsitsipas auf den Tschechen Jiri Lehecka. Tsitsipas (24) hat in Melbourne bereits dreimal das Halbfinale erreicht, in diesem Jahr war er ohne Satzverlust ins Achtelfinale gekommen. Zunächst sah es gegen Sinner (21) nach einer weiteren souveränen Vorstellung aus, doch dann steigerte sich der Südtiroler und erzwang den entscheidenden fünften Satz, in dem Tsitsipas das letztlich entscheidende Break zum 4:2 gelang.

          Dem Amerikaner Sebastian Korda gelang derweil der größten Grand-Slam-Turniererfolg seiner bisherigen Karriere. Der 22-Jährige zog durch einen hart erkämpften 3:6, 6:3, 6:2, 1:6, 7:6 (10:7)-Sieg gegen den Polen Hubert Hurkacz ins Viertelfinale ein. Der an Nummer 29 gesetzte Korda trifft in der Runde der besten acht Spieler auf den Russen Karen Chatschanow, der zuvor beim 6:0, 6:0, 7:6 (7:4)-Sieg gegen den Japaner Yoshihito Nishioka deutlich weniger Mühe hatte. (sid/dpa)

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