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Siegerin Naomi Osaka : Die Erbin der Serena Williams

Wachablösung: Naomi Osaka (links) nach dem Halbfinal-Sieg über Serena Williams in Melbourne am Donnerstag Bild: AFP

Bei den Australian Open entzaubert Naomi Osaka ihr Idol und holt ihren vierten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier. Die Nachfolgerin der „Grande Dame“ des Damentennis hat das Zepter übernommen.

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          Serena Williams ist eine Diva. Und das im positivsten Sinne dieses Begriffs. In dem, was sie tut, ist sie genial – eine Ausnahmeerscheinung auf dem Tennisplatz, sportlich über jeden Zweifel erhaben. Dazu ist sie exzentrisch, launisch und bisweilen dramatisch. Die Art von Sportler-Persönlichkeit, die die Menschen mitreißt. So oder so. Williams ist die wahrscheinlich berühmteste Athletin der Welt. Eine bessere Repräsentantin kann sich der Tennissport nicht wünschen.

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          Naomi Osaka ist keine Diva. Was in diesem Fall jedoch ebenfalls ausschließlich positiv zu bewerten ist. Zwar ist auch die Japanerin eine begnadete Tennisspielerin. Ihr Triumph am Samstag im Finale von Melbourne über Jennifer Brady war bereits ihr vierter bei einem Grand-Slam-Turnier. Abseits des Platzes aber ist sie umgänglich, höflich und bisweilen regelrecht schüchtern. Sie verfügt über einen feinen, fast skurrilen Humor. Eine Persönlichkeit, die fasziniert – wenn auch auf ganz und gar andere Art und Weise als die große Serena Williams.

          Als Osaka ihr Jugendidol im Halbfinale am Donnerstag in zwei Sätzen entzaubert hatte, verließ Williams Melbourne unter Tränen. Die anschließende Pressekonferenz brach sie nach wenigen Minuten schluchzend ab. So mancher Beobachter fragte sich: War es das? Kehrt die Tennis-Königin noch einmal zurück auf ihren Thron?

          Naomi Osaka hat schon übernommen

          Williams ist 39 Jahre alt. Sie ist Mutter, verheiratet, ein Familienmensch. Ihrem 24. Grand-Slam-Turnier-Titel, dem ersten nach der Babypause und dem letzten, der ihr zum Rekord von Margaret Court noch fehlt, läuft sie nun schon vier Jahre erfolglos hinterher. Der Gedanke, dass sie ihre Karriere am Jahresende beenden könnte, scheint zumindest nicht abwegig.

          Zumal ihre Nachfolgerin das Zepter bereits übernommen hat. Denn Osaka ist genau das: die legitime Erbin der „Grande Dame“ des Damentennis. Zum einen, weil sie sportlich das Potential besitzt, um im so wechselhaften Frauentennis zu einer Konstante für die nächsten Jahre zu werden. Zum anderen, weil sie die dafür notwendige Ausstrahlung besitzt. Die 23-Jährige hat das Zeug zum globalen Superstar. In Asien, wo sie geboren wurde, und in Amerika, wo sie aufwuchs, ist sie es womöglich schon jetzt.

          Letztlich ist Osaka eine Tennis-Heldin moderner Prägung. Stilsicher im Umgang mit den sozialen Netzwerken, dazu feministisch, selbstbewusst und politisch aktiv. Bei den US Open trug sie zu jedem Match eine Maske, die an die Opfer von Polizeigewalt in Amerika erinnerte. Der Kampf gegen Rassismus ist ihr wichtig. Ihre Prominenz möchte sie nutzen, um für ihre Überzeugungen einzutreten. Eine bessere Repräsentantin kann sich der Tennissport nicht wünschen.

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