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Emotionaler Abgang : Serena Williams verlässt Australian Open unter Tränen

  • Aktualisiert am

„Ich weiß nicht. Das war’s“: Serena Williams verlässt die Australian Open. Bild: AFP

Naomi Osaka spielt furios und zieht bei den Australian Open ins Finale ein. Für Serena Williams klappt es wieder nicht mit dem Rekordtitel bei Grand-Slam-Turnieren. Nach der Niederlage wird sie ziemlich emotional – und geht einfach.

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          Serena Williams hielt für einen flüchtigen Augenblick inne und legte beim schweren Gang aus der Rod-Laver-Arena ihre Hand aufs Herz. Sie winkte den Fans zu – ein bisschen länger, als dies gewöhnlich nach Niederlagen der Fall ist. Es wirkte wie ein letzter Abschiedsgruß an diesem sommerlich-heißen Donnerstagabend in Melbourne. Als sie nach dem schmerzhaften 3:6, 4:6 gegen die Japanerin Naomi Osaka im Halbfinale der Australian Open dann auch noch ihre Pressekonferenz unter Tränen abbrach und mitten in einer Antwort den Raum verließ, fing die Tenniswelt an noch mehr zu rätseln.

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          Wird es nichts mehr mit diesem so innig herbeigesehnten 24. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier? Bleibt der vielleicht besten Spielerin der Tennis-Historie die Einstellung des Allzeit-Rekords der Australierin Margaret Court, die wegen schwulen- und lesbenfeindlicher Äußerungen umstritten ist, für immer verwehrt? Kehrt Serena Williams, die am 26. September 40 wird, noch einmal nach Australien zurück? Schafft sie die Krönung doch noch in Paris, Wimbledon oder New York?

          Mit einem Lächeln hatte Williams noch auf die Frage reagiert, ob sie sich von ihren Fans Down Under verabschiedet habe. Nach einem fünftägigen Lockdown durften endlich wieder Zuschauer auf die Anlage im Melbourne Park – und wurden Zeugen der aufwühlenden Szenerie, als Williams das Stadion verließ. „Ich weiß es nicht. Wenn ich irgendwann Farewell sage, würde ich es keinem verraten. Also ...“, sprach Williams später zu den wenigen vor Ort anwesenden Berichterstattern.

          „Ich liebe euch. Ich liebe euch“

          Es folgte Frage Nummer acht. Ob sie sich ihre zahlreichen leichten Fehler erklären könne, vor allem in Anbetracht der Tatsache, wie gut sie bislang im Turnier gespielt habe. Ob es einfach ein schlechter Tag gewesen sei (was im Englischen so hübsch als „Was it just one of those bad days at the office?“ umschrieben wird). „Ich weiß nicht“, sagte Williams, schluckte, stockte. „Das war’s“, sagte sie, fing an zu weinen, stand auf und verließ unter Tränen den Interviewraum.

          2017 hatte Williams zuletzt ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Bei den Australian Open. Sie war damals bereits schwanger. In dem Jahr kam ihre Tochter zur Welt, doch Williams kehrte auf die Tennistour und fast zur alten Stärke zurück. Nur fast jedoch. Die unerschütterliche Dominanz der langjährigen Nummer eins war verflogen. Vier Mal erreichte sie nach der Geburt ihrer Tochter ein Grand-Slam-Finale, vier Mal verlor sie ein Grand-Slam-Finale: 2018 in Wimbledon gegen Angelique Kerber und bei den US Open gegen Osaka, 2019 in Wimbledon gegen Simona Halep (die sie jetzt in Melbourne im Viertelfinale noch klar geschlagen hatte) und bei den US Open gegen Bianca Andreescu.

          Faire Gratulation am Netz: Serena Williams (rechts) im Gespräch mit Siegerin Naomi Osaka
          Faire Gratulation am Netz: Serena Williams (rechts) im Gespräch mit Siegerin Naomi Osaka : Bild: AFP

          Und natürlich läuft ihr nun bei der Jagd nach der Grand-Slam-Bestmarke mehr und mehr die Zeit davon. Williams eröffnete die Partie gegen Osaka zwar mit einem Break und führte nach wenigen Minuten 2:0, doch dann legte die Melbourne-Siegerin von 2019 und US-Open-Gewinnerin von 2018 und 2020 ihre Kurzzeit-Nervosität ab und ließ Williams mit einer „Machtlosigkeit“ auf dem Platz zurück, wie es Eurosport-Expertin Barbara Rittner treffend analysierte. Nach nur 75 Minuten nutzte die 23 Jahre alte Japanerin ihren ersten Matchball. Statt Williams trifft sie nun im Endspiel am Samstag auf Jennifer Brady aus den Vereinigten Staaten, die sich gegen die Tschechin Karolina Muchova in drei Sätzen mit 6:4, 3:6, 6:4 durchsetzte.

          Williams fand an diesem Tag keinen Weg zum Sieg gegen Osaka. Im Gegensatz zum skandalumtosten New-York-Endspiel 2018 blieb diesmal aber alles friedlich. Damals endete das Finale in einem Eklat, als Williams den Schiedsrichter als „Dieb“ bezeichnete und ihm später Sexismus vorwarf. Nach verbotenen Zeichen ihres Trainers Patrick Mouratoglou, einem zertrümmerten Schläger und heftiger Kritik am Unparteiischen war Williams dreimal verwarnt und schließlich mit einem Spielabzug zum 3:5 im zweiten Satz bestraft worden. Osaka gewann 6:2, 6:4 und holte damit ihren ersten Grand-Slam-Titel.

          Diesmal gratulierte Williams ihrer überlegenen Kontrahentin fair am Netz mit einer Umarmung – und schrieb später noch ein paar Zeilen in den sozialen Netzwerken an „Melbourne und meine australischen Fans“. Sie fühle sich geehrt, vor den Fans spielen zu dürfen, dankte für die Unterstützung und wünschte sich, sie hätte „es für euch heute besser machen können“. Ihren emotionalen Beitrag schloss sie mit den Worten: „Ich liebe euch. Ich liebe euch. Ich liebe euch. Ich verehre euch.“

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