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Australian Open : Amerikanischer Jubel und deutscher Frust

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Bezwang seinen Landsmann Ben Shelton: Tommy Paul bei den Australian Open Bild: EPA

Als erster US-Tennisprofi seit 14 Jahren erreicht Tommy Paul das Halbfinale der Australian Open. Für Doppelspieler Andreas Mies ist Schluss. Bei den Damen überzeugen Aryna Sabalenka und Magda Linette.

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          Die Tennisspielerinnen Magda Linette und Aryna Sabalenka haben das Halbfinale der Australian Open erreicht. Zunächst setzte die Polin Linette ihren unverhofften Erfolgslauf am Mittwoch durch ein 6:3, 7:5 im Viertelfinalmatch gegen die enttäuschende Tschechin Karolina Pliskova fort und bejubelte den bisher größten Grand-Slam-Erfolg ihrer Karriere. „Ein Traum wird wahr, ich bin einfach nur glücklich“, sagte die 30-Jährige hinterher: „Das werde ich niemals vergessen. Das bleibt ein Leben lang.“

          Im Kampf um das Finalticket trifft Linette am Donnerstag auf Sabalenka. Die Belarussin bezwang im Anschluss in der Rod Laver Arena die Kroatin Donna Vekic mit 6:3, 6:2 und erreichte zum vierten Mal in ihrer Karriere ein Grand-Slam-Halbfinale. In ihren neun Spielen in diesem Jahr hat Sabalenka noch keinen einzigen Satz abgegeben. „Ich bin super glücklich mit dem Sieg, die Atmosphäre war unglaublich“, sagte Sabalenka, die ihre Aufschlag-Probleme mittlerweile in den Griff bekommen hat.

          Linette ist in der Profi-Ära die dritte Polin im Halbfinale der Australian Open. Ihre Landsfrau Iga Swiatek, die als Weltranglistenerste als Turnierfavoritin nach Down Under gereist war, ist seit dem Achtelfinale ausgeschieden.

          Bei den Herren erreichte Tommy Paul als erster US-Amerikaner seit 14 Jahren das Halbfinale bei den Australian Open. Der 25-Jährige gewann sein Viertelfinale gegen Landsmann Ben Shelton mit 7:6 (8:6), 6:3, 5:7, 6:4 und schaffte damit ebenfalls den größten Grand-Slam-Turniererfolg seiner bisherigen Karriere. „Jeder träumt davon, wenn er mit dem Tennisspielen anfängt. Ich kann nicht glauben, dass ich es geschafft habe“, sagte Paul.

          Paul hat damit weiterhin die Chance, sich zum ersten männlichen Grand-Slam-Turniersieger aus den USA seit knapp 20 Jahren zu küren. Zuletzt hatte in Andy Roddick bei den US Open 2003 ein US-Spieler triumphiert. Paul und der 20-jährige Shelton stehen für die neue Welle im US-Tennis, die sich auch in den am kommenden Montag nach Turnierende veröffentlichten Weltranglisten von ATP und WTA bemerkbar machen wird. Bei den Männern werden zehn Spieler, bei den Frauen neun Spielerinnen aus den USA in den Top-50 gelistet sein.

          Novak Djokovic setzte derweil mit dem Halbfinaleinzug einen weiteren Meilenstein seiner erfolgreichen Karriere. Der 35 Jahre alte Serbe gewann im Viertelfinale gegen den Russen Andrej Rubljow 6:1, 6:2, 6:4 und bejubelteseinen 26. Sieg in Folge beim Grand-Slam-Turnier in Melbourne. Damit zog Djokovic mit Rekordhalter Andre Agassi aus den USA gleich. Der an Nummer fünf gesetzte Rubljow verlor dagegen auch sein siebtes Viertelfinale bei einem Major-Turnier. 

          Djokovic ist am Freitag in seinem insgesamt 44. Grand-Slam-Halbfinale der klare Favorit gegen Paul. „Jeder träumt davon, wenn er mit dem Tennisspielen anfängt. Ich kann nicht glauben, dass ich es geschafft habe“, sagte Paul. Djokovic hat alle seine bisherigen neun Halbfinals in Melbourne gewonnen. Anders als beim Achtelfinalsieg zwei Tage zuvor gegen den Australier Alex de Minaur wirkte Djokovic nicht immer zufrieden. Der 21-malige Grand-Slam-Turniersieger diskutierte mit Trainer Goran Ivanišević, haderte mit dem Wind und beschwerte sich beim Schiedsrichter wegen eines Fans. „Er wirkt ein bisschen nervöser und aufgekratzter, nicht ganz so ruhig und bei sich wie im letzten Match“, sagte Eurosport-Experte Boris Becker über seinen früheren Schützling.

          Doppelspieler Andreas Mies verpasste unterdessen beim ersten Grand-Slam-Turnier mit seinem neuen Partner John Peers das Halbfinale. Der zweimalige French-Open-Gewinner verlor an der Seite des Australiers gegen das an Nummer acht gesetzte Duo Marcel Granollers (Spanien) und Horacio Zeballos (Argentinien) 4:6, 7:6 (7:2), 2:6.

          „So kurz nach dem Match ist man natürlich enttäuscht und sieht nicht die positiven Dinge. Aber es gibt viel Positives, dass wir aus den letzten zweieinhalb Wochen ziehen können“, sagte Mies bei Eurosport: „Es ist auf jeden Fall ein guter Einstand. Ich glaube aber, dass mehr drin gewesen wäre, deswegen nervt es mich ein bisschen.“

          Der Viertelfinaleinzug war dennoch der bislang größte Erfolg von Mies beim Grand-Slam-Turnier in Melbourne. „Es fühlt sich sehr gut an. Das ist das, was du dir von einer neuen Partnerschaft erhoffst“, hatte der 32-Jährige nach dem Achtelfinale über seinen neuen Doppelpartner Peers gesagt: „Es ist wie in der Liebe: Du weißt nicht, wie es wird. Es ist harte Arbeit, dass es gut zusammen funktioniert.“

          Im vergangenen November hatte Mies die Trennung von seinem langjährigen Erfolgspartner Kevin Krawietz, mit dem er 2019 und 2020 in Paris auf Sand den Grand-Slam-Titel gewinnen konnte, bekannt gegeben. Auch Krawietz hat in Tim Pütz einen neuen Doppelpartner. In Melbourne fehlt er allerdings, weil er demnächst Vater wird.

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