https://www.faz.net/-gtl-9vr5p

Federer bei Australian Open : „Das war Drama pur“

  • Aktualisiert am

Nicht ganz zufrieden: Roger Federer in Melbourne Bild: Reuters

Julia Görges scheidet in der dritten Runde der Australian Open aus. Die 31-Jährige ist aber nicht die einzige etablierte Spielerin, die eine Niederlage einstecken muss. Ein Teenager dagegen verblüfft. Roger Federer wendet eine Niederlage gerade noch ab.

          2 Min.

          Der Zittersieg von Roger Federer setzte bei den Australian Open den Schlusspunkt unter einen aufregenden Tennis-Tag mit großen Abschieden. In einem irren Fünf-Satz-Krimi vermied der Rekord-Grand-Slam-Turniersieger das Drittrunden-Aus und zog anders als Serena Williams, Caroline Wozniacki und Julia Görges am Freitag doch noch ins Achtelfinale ein.

          Mit 4:6, 7:6 (7:2), 6:4, 4:6, 7:6 (10:8) rang der Schweizer um kurz vor 01.00 Uhr Ortszeit den stark aufspielenden John Millman nieder und entging einem ähnlichen Schicksal wie bei den US Open 2018. Damals war er gegen den Australier im Achtelfinale überraschend ausgeschieden. „Das war schwierig. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Zum Glück war es ein Super-Tiebreak. Ansonsten hätte ich verloren“, sagte der erleichterte Federer nach seinem 100. Sieg bei den Australian Open.

          Nach einem Aufschlagverlust zum 1:2 im fünften Satz kam Federer direkt zurück. Fehler wechselten sich mit mitreißenden Ballwechseln ab, die Spannung stieg ins Unermessliche, Federers Frau Mirka saß angespannt auf der Tribüne. Beim 5:4 und 6:5 fehlten Federer nur zwei Punkte zum Matchgewinn. Bei 8:4 im Tiebreak war es dann Millman, dem zwei Punkte mehr den Coup beschert hätten. Die vier Stunden Spielzeit waren überschritten – und Federer glückten am Ende tatsächlich sechs Punkte nacheinander. „Es war Drama pur“, sagte Boris Becker als TV-Experte im Sender Eurosport.

          Der bemerkenswerte Auftritt der erst 15-jährigen Gauff wurde fast zur Nebensache. Die jüngste Teilnehmerin warf die Titelverteidigerin aus dem Turnier, kämpft am Sonntag bei dem Grand-Slam-Turnier in Melbourne ums Viertelfinale und beweist einmal mehr, wie unberechenbar und offen das Damen-Tennis derzeit ist.

          Konnte die Enttäuschung am Ende nicht verbergen: Julia Görges in Melbourne

          „Ehrlich, was habe ich für ein Leben?“, fragte die jüngste Teilnehmerin der diesjährigen Australian Open nach ihrem 6:3, 6:4 gegen die japanische Vorjahressiegerin Naomi Osaka ungläubig. „Vor zwei Jahren habe ich hier in der ersten Runde bei den Junioren verloren, nun bin ich hier – das ist verrückt.“

          Vielleicht kann Gauff eines Tages gar das Erbe der großen Serena Williams antreten. Ähnlich unerwartet wie Gauffs Auftritt kam zum Ende der ersten Turnierwoche das Drittrunden-Aus von Williams, die ihre Jagd nach dem 24. Grand-Slam-Titel weiter verschieben muss. Auch das tränenreiche Karriereende der früheren dänischen Turniersiegerin Caroline Wozniacki sorgte für Schlagzeilen.

          Görges wollte ihre verpasste Chance auf den erstmaligen Achtelfinaleinzug in Melbourne seit fünf Jahren nicht als Rückschritt werten. Die 31-Jährige aus Bad Oldesloe saß auch nicht da wie ein Häufchen Elend, als sie ihr 6:1, 6:7 (4:7), 2:6 gegen die Amerikanerin Alison Riske erklären sollte. Sie wirkte gefasst.

          Am fünften Tag der Australian Open ist für Serena Williams bereits das Turnier beendet.

          „Ich weiß jetzt nicht, ob es schmerzhaft ist“, sagte die Wimbledon-Halbfinalistin von 2018. „Mit den Jahren, die ich gespielt habe auf der Tour, kann ich das das gut einschätzen und auch meine Leistung bewerten.“ Nach einem hervorragenden ersten Satz hatte sie sich im zweiten Satz in den Tiebreak gekämpft, knallte dort frustriert ihren Tennisschläger auf den blauen Hartplatz und zeigte einen von ihr ungewohnten Wutausbruch. Drei Matchbälle wehrte sie in grandioser Manier noch ab, dann aber musste sie Riske gratulieren.

          „Ich bin, wie ich mich spielerisch entwickele, sehr zufrieden“, bilanzierte die Nummer 39 der Welt. Doch Görges verpasste damit ein reizvolles Achtelfinale gegen ihre Doppelpartnerin Ashleigh Barty, die Weltranglisten-Erste und große Hoffnungsträgerin der Australier. „Da wollen alle hin, eine schöne Sunday-Night-Party. Das wäre sehr schön“, hatte die deutsche Damen-Chefin Barbara Rittner zuvor gesagt.

          Eine glanzvolle Tennis-Zukunft scheint Gauff zu versprechen. Im vergangenen Sommer sorgte sie in Wimbledon erstmals für Furore, als sie ebenfalls bis ins Achtelfinale kam. Gauff dagegen ist bei ihren ersten drei Grand-Slam-Teilnahmen erfolgreicher als die beiden Williams-Schwestern. Bei den US Open war sie gegen Osaka noch chancenlos geblieben. Nun stieg sie zur jüngsten Tennisspielerin auf der WTA-Tour seit 1991 auf, die eine Top-Fünf-Gegnerin besiegte. Damals bezwang die US-Amerikanerin Jennifer Capriati bei den US Open die Argentinierin Gabriela Sabatini.

          Weitere Themen

          Die Kampfansage des Thomas Müller

          Bayern München : Die Kampfansage des Thomas Müller

          Es ist schon fast acht Jahre her. Doch vor dem Achtelfinale der Champions League kommt die Erinnerung an das dramatische Finale gegen Chelsea wieder hoch. Ein Bayer möchte nicht mehr darüber sprechen, ein anderer ist umso motivierter.

          Topmeldungen

          Projektil des Attentäters von Hanau in der Nähe des Tatorts

          Rechtsterrorismus : Der Plan hinter den Morden

          Rechtsterroristen morden nicht ohne Hintergedanken. Sie wollen einen Bürgerkrieg auslösen. Der Täter von Hanau folgte ihrer Strategie. Manche nennen sie die „Werwolf“-Methode.
          Angespannt: die Hamburger FDP-Landes- und stellvertretende Bundesvorsitzende Katja Suding am Sonntag bei Bekanntgabe der ersten Prognosen

          Panne bei Wahlauszählung : Die FDP hat in Hamburg doch weniger Stimmen

          Die FDP könnte den Wiedereinzug in die Hamburger Bürgerschaft verpassen, weil ihre Stimmen im Wahlbezirk Langenhorn mit denen der Grünen verwechselt wurden. Die Thüringer Turbulenzen haben auch in der Hansestadt das Vertrauen vieler Wähler in die Liberalen erschüttert.

          Bayern München : Die Kampfansage des Thomas Müller

          Es ist schon fast acht Jahre her. Doch vor dem Achtelfinale der Champions League kommt die Erinnerung an das dramatische Finale gegen Chelsea wieder hoch. Ein Bayer möchte nicht mehr darüber sprechen, ein anderer ist umso motivierter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.