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Barty gewinnt Australian Open : „Ein Traum ist gerade wahr geworden“

  • -Aktualisiert am

Ihr persönlicher Glücksmoment: Ashleigh Barty nach dem Finale der Australian Open Bild: Reuters

Ashleigh Barty vollendet im Finale der Australian Open ein großes Werk. Zum ersten Mal seit 44 Jahren gewinnt eine Australierin das Tennis-Turnier in Melbourne. Anschließend sagt sie: „Ich bin so stolz, ein Aussie zu sein.“

          3 Min.

          An einem kühlen Sommerabend in Melbourne fanden zwei zusammen, die füreinander bestimmt waren: Ashleigh Barty, die aktuell beste Tennisspielerin der Welt, und der Daphne Akhurst Memorial Cup, die Trophäe für die Siegerin der Australian Open. Barty schnappte sich den Pokal mit einem Sieg im Finale gegen die Amerikanerin Danielle Collins (6:3, 7:6), es war ihr dritter Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier nach den Triumphen 2019 in Paris und im vergangenen Jahr in Wimbledon, aber der erste für Australien in Melbourne nach einer Ewigkeit von 44 Jahren.

          Seit Barty zu den Besten der Welt gehört, hatten sie und ihre Landsleute von diesem Tag geträumt, und am Ende war die Realität fast noch schöner.

          Erwartungen einer ganzen Nation

          Es war ein großes Werk, das Barty an diesem Abend vollendete. Mit den Erwartungen einer Nation umzugehen, das ist eine Herausforderung der härteren Art. Frag nach bei Andy Murray, der fast davon erdrückt worden wäre, bis er 2013 zum ersten Mal in Wimbledon gewann, frag nach bei den Franzosen, die seit mehr als 20 Jahren auf eine Siegerin oder einen Sieger aus ihren Reihen warten. In Paris war es Mary Pierce, die anno 2000 zuletzt einen Einzeltitel für die Gastgeber gewann.

          In Melbourne war es alles noch viel länger her, seit Mark Edmondson 1976 bei den Männern und zwei Jahre später Christine O’Neil bei den Frauen gewann. Nach dem langen Marsch durch die Wüste hofften nun alle auf einen labenden Besuch in der Oase bei Ashleigh Barty. 

          Keine Frage, die Australierin ging als Favoritin in dieses Spiel. Zum einen wegen der beiden Grand-Slam-Titel, die sie schon gewonnen hatte, aber vor allem wegen der Dominanz, mit sie bisher im Stundentakt durch das Turnier gerauscht war; für jeden ihrer sechs Siege brauchte sie im Schnitt rund 60 Minuten und verlor dabei nur ein einziges Aufschlagspiel.

          Danielle Collins, die drei Jahre ältere ehemalige College-Spielerin aus St. Petersburg in Florida, hatte auf dem Weg ins Finale zweimal nach einem Satz-Rückstand gewonnen und hatte selbst bei über 30 Grad wie immer einen extrem coolen Eindruck gemacht. In ihrer Mischung aus Courage und eiskalter Übersicht erinnerte sie während des Turniers stark an Catherine Tremell (Sharon Stone), die Meisterin der Minusgrade aus Basic Instinct; die Älteren werden wissen, wovon die Rede ist.

          Emotionale Siegerehrung: die Amerikanerin Danielle Collins
          Emotionale Siegerehrung: die Amerikanerin Danielle Collins : Bild: Reuters

          Die ersten Jubelstürme für Ashleigh Barty ließ Collins an sich abperlen, und bis Mitte des ersten Satzes machte die Amerikanerin einen starken, stabilen Eindruck. Doch nachdem sie ihr Aufschlagspiel zum 2:4 verloren hatte schlichen sich Fehler in ihr Spiel, und bis zum Ende des Satzes hatte Barty die Sache im Griff.

          Barty fing sich wieder

          Danielle Collins könne den Ball außergewöhnlich beschleunigen, hatte Barty vorher gesagt, und diese Fähigkeit verbunden mit Präzision und nun deutlich spürbarer Nervosität der Australierin führten überraschend schnell zu einer 5:1-Führung der Amerikanerin. Es wurde ein wenig ruhiger in der fast vollen Rod Laver Arena, doch Barty fing sich wieder und gewann Punkt um Punkt.

          Sie schnappte sich das Aufschlagspiel der Gegnerin zum 2:5, das nächste zum 4:5, glich aus, und wenig später fiel die Entscheidung im Tiebreak. Mit einem Fehler geriet Collins gleich in Rückstand, und aus dieser Grube gab es kein Entkommen mehr; das ließ Ashleigh Barty nicht mehr zu. Mit dem ersten Matchball griff die Nummer eins des Frauentennis nach der Trophäe, die nach einer großen Australiern der 30er Jahre benannt ist. 

          Es war zwölf Minuten nach 21 Uhr an diesem Samstagabend in Melbourne, als Ashleigh Barty sich selbst und das Land glücklich machte und den letzten Ball auf der anderen Seite des Spielfeldes versenkte. Mit einem Schrei, der so laut war, dass er fast bis hinauf nach Queensland schallte, wo sie zuhause ist, bejubelte sie ihren historischen Sieg, der sie in ihrer Heimat noch populärer machen wird, als sie ohnehin schon ist. So populär wie einst Evonne Goolagong Cawley, die wie sie indigene Wurzeln hat. Goolagong überreichte die Trophäe, und über Ash, Evonne und Daphne wogte das Glück.

          Danielle Collins, die vorher mit einer wohlgesetzten Rede beeindruckt hatte, in der jeder Satz einen logischen Anfang und ein logisches Ende hatte, war eine starke Gegnerin an diesem Abend und höchst sportliche Verliererin. Die Worte, mit denen sich Ashleigh Barty am größten Abend ihrer Karriere wenig später von ihrem Publikum verabschiedete, fassten ganz kurz alles zusammen. „Ein Traum ist gerade wahr geworden“, sagte sie. „Ich bin so stolz, ein Aussie zu sein.“ Damit war alles gespielt, alles erreicht, alles gesagt.

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          Die australischen Tennisspieler Nick Kyrgios und Thanasi Kokkinakis haben ihre überraschende Erfolgsserie im Doppel-Wettbewerb der Australian Open mit dem Titelgewinn gekrönt. Das Duo entschied am Samstag in Melbourne das australische Finale gegen Matthew Ebden und Max Purcell mit 7:5, 6:4 für sich. Damit holte sich erstmals in der Profi-Ära seit 1968 ein Doppel den Sieg, das nur dank einer Wildcard am Turnier teilnahm.

          Erstmals seit 1980 standen sich zwei australische Paarungen im Endspiel der Herren-Doppel-Konkurrenz gegenüber. Mit ihren wilden und unterhaltsamen Auftritten hatten Kyrgios und Kokkinakis in Melbourne das Publikum angezogen. (dpa)

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