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Australian Open : Das erste Grand-Slam-Halbfinale für Zverev

Im Halbfinale: Alexander Zverev gewinnt gegen Stan Wawrinka. Bild: dpa

Alexander Zverev steht als erster Deutscher seit elf Jahren im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Sein Sieg gegen Stan Wawrinka war nach dem Verlust des ersten Satzes eindrucksvoll.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Nach dem Matchball gegen Stan Wawrinka lief Alexander Zverev erst recht zu Hochform auf. Das Duell mit dem Schweizer war nach vier Sätzen 1:6, 6:3, 6:4, 6:2 gewonnen, ehe es zum Doppel mit John McEnroe kam. Die Tennislegende aus den achtziger Jahren und der 22 Jahre alte beste deutsche Tennisprofi standen sich fürs traditionelle Siegerinterview auf dem Platz der Rod-Laver-Arena gegenüber. McEnroe servierte mit guten Fragen und Zverev returnierte mit bemerkenswerten Antworten.

          Angesprochen auf seine Schwierigkeiten mit dem Aufschlag noch beim als Vorbereitung für die Australian Open dienenden ATP-Cup in Brisbane, antwortete er erst einmal schelmisch: „Danke, dass Du mich daran erinnerst“, ehe er inhaltlicher wurde. „Es war nicht nur der Aufschlag. Es war auch die Vorhand, die Rückhand, der Volley. Sogar das Aufstehen morgens ging nicht gut. Es war alles schlecht.“ Eine schlüssige Erklärung für die folgende Leistungssteigerung, die Zverev seinen bisherigen Höhepunkt bei Grand-Slam-Turnieren beschert, hatte der Hamburger nicht.

          Dafür wurde er sehr redselig, als McEnroe ihn auf die Bedeutung seines Vaters ansprach, der ihn nach mehreren gescheiterten Versuchen der Zusammenarbeit mit diversen Trainern derzeit wieder alleine betreut. „Viele sagen mir dauernd, dass ich noch einen anderen Trainer bräuchte“, sagte Zverev. „Aber was wir machen, ist immer gut. Solange er Lust hat, wird er immer Teil meines Teams sein. Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund zu wechseln. Wenn er mir sagt, er ist müde, dann verstehe ich das, und wir holen Hilfe.“

          Zverev scherzte dann noch, dass sein Vater ihn in der Trainerrolle „genauso wenig möge wie andere Trainer ihre Spieler“. Derart gut aufgelegt bestätigte Zverev zum wiederholten Male, dass er im Fall eines Turniersiegs die gesamte Siegprämie in Höhe von vier Millionen australischen Dollar (rund drei Millionen Euro) für die Geschädigten der Brandkatastrophe in Australien spenden werde. Beim Publikum steht Zverev auch deshalb besonders hoch im Kurs.

          Faire Geste: Stan Wawrinka gratuliert Alexander Zverev (links)

          Nach dem ersten Satz sah das freilich noch ganz anders aus: Da schien Ungemach zu drohen, weil Zverev nach einer Viertelstunde 0:5 zurücklag und den Satz dann mit 1:6 verlor.„Ich habe mir schon überlegt, wie ich der Presse erkläre, warum ich in drei Sätzen verloren habe", sagte er. “Ich kam nicht damit zurecht, dass der Platz bei der Hitze viel schneller war als vorher bei meinen Spielen abends. Daran musste ich mich langsam gewöhnen.“ Doch dann war Alexander Zverev nicht mehr zu stoppen: Im Stile eines Champions zog der Hamburger ins Halbfinale der Australian Open ein. Bei seiner 19. Teilnahme an einem Grand Slam ist der Weltranglistensiebte damit erstmals nur noch zwei Siege von seinem ersten Triumph bei einem der vier großen Turniere entfernt.

          Als nach 2:19 Stunden Spielzeit beim ersten Matchball eine Vorhand von Wawrinka ins Aus flog, hob Zverev kurz den Zeigefinger der rechten Hand und lächelte glücklich hinüber in seine Box: „Es fühlt sich fantastisch an, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das für mich bedeutet“, sagte er nach dem Match. Er hoffe, sein erstes Halbfinale sei „erst das erste von vielen, die noch kommen.“ Im dritten Anlauf nach den French Open 2018 und 2019 gewann Zverev erstmals ein Viertelfinale bei einem Grand Slam, dies war zuletzt 2009 Tommy Haas in Wimbledon gelungen. Letzter Deutscher im Finale eines Majors war 2003 bei den Australian Open Rainer Schüttler.

          Simona Halep und Garbiñe Muguruza haben derweil bei den Frauen den Einzug ins Halbfinale geschafft. Wimbledonsiegerin Halep ließ der Estin Anett Kontaveit am Mittwoch beim 6:1, 6:1 keine Chance. Muguruza bezwang die Russin Anastassija Pawljutschenkowa 7:5, 6:3. Beide treffen am Donnerstag im Kampf um den Einzug ins Endspiel des ersten Grand-Slam-Turniers der Saison aufeinander. Das zweite Halbfinale bestreiten die australische Weltranglisten-Erste Ashleigh Barty und Sofia Kenin aus den Vereinigten Staaten. In nur 53 Minuten beendete Halep das einseitige Geschehen in der Rod-Laver-Arena und sicherte sich ihren Viertelfinal-Erfolg über Kontaveit. „Perfektion gibt es nicht“, sagte die Weltranglisten-Dritte aus Rumänien. „Ich bin wirklich glücklich, dass ich mein bestes Tennis spielen kann.“

          Nach dem 1:1 im ersten Satz dominierte die Melbourne-Finalistin von 2018 die Partie, konnte sich auf ihren Aufschlag verlassen und holte elf Spiele nacheinander. Nur zum 1:5 im zweiten Satz verkürzte die Weltranglisten-31. Kontaveit noch. Halep hat im Turnierverlauf noch keinen Satz abgegeben und ihre Mitfavoritenrolle beim ersten Grand-Slam-Turnier untermauert. Muguruza erreichte erstmals das Halbfinale der Australian Open . Wie Halep hat die Spanierin je einmal die French Open und einmal in Wimbledon triumphiert, ist derzeit in der Weltrangliste aber auf Position 32 abgerutscht. Die Russin Pawljutschenkowa hatte im Achtelfinale gegen die Kielerin Angelique Kerber gewonnen.

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