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Aufregung bei Nadal-Sieg : „Ihr seid alle korrupt“

  • -Aktualisiert am

Rafael Nadal ist auf dem Weg zu seinem 21. Grand-Slam-Turnier-Titel. Bild: AFP

Während des Spiels geht es Rafael Nadal schlechter und schlechter, sein Gegner Denis Shapovalov kritisiert den Schiedsrichter mit deutlichen Worten. Nadal gewinnt, und Shapovalov erneuert seine Kritik.

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          Größer konnte der Gegensatz am Ende kaum sein. Auf einer Seite des Platzes stand Rafael Nadal, sah erschöpft zu den Leuten in seiner Box und war einfach nur froh, noch mal davongekommen zu sein – nach einem Spiel in fünf Sätzen und etwas mehr als vier Stunden (6:4, 6:4, 4:6, 3:6, 6:3), in dem er zwischenzeitlich das Gefühl gehabt hatte, er sei am Ende seiner Kraft. Auf der anderen Seite stand Denis Shapovalov, drosch den Schläger auf den Boden, wütend auf sich selbst, auf den Schiedsrichter und vermutlich auch darauf, wie ihm die Chance aus den Händen geglitten war.

          Das sei ein kleines Wunder gewesen, meinte Nadal hinterher, er sei völlig erledigt gewesen. Nach dem Ende des zweiten Satzes war es ihm in der Hitze des Nachmittages schlecht und schlechter gegangen, er hatte sich Ta­bletten geben und außerhalb des Platzes behandeln lassen, aber als der entscheidende fünfte Satz begann, schien es ihm wieder ein klein wenig besser zu gehen.

          Auf den Aufschlag hatte er sich bis dahin verlassen können, und so hoffte er, dass ihn der Aufschlag durch den fünften Satz tragen würde und er vielleicht mit dem ein oder anderen Return Punkte machen würde. Es klappte wie erhofft; er nahm Shapovalov früh ein Aufschlagspiel ab, und diesen Vorsprung hielt er mit ein klein wenig Hilfe des Kanadiers bis zum Schluss.

          Shapovalov hatte sich schon während des Spiels massiv bei Schiedsrichter Carlos Bernades beschwert, der sei zu großzügig bei der Auslegung der Zeitlimits zugunsten von Nadal in diversen Situationen. „Ihr seid alle korrupt“, warf er dem Brasilianer vor, was er später zurücknahm, aber beim generellen Vorwurf blieb er auch nach der Partie. Es sei unfair, was sich der Spanier alles erlauben dürfe, sagte er. Der reagierte auf die Vorwürfe väterlich milde und meinte, Shapovalov sei jung, und eines Tages werde er vielleicht verstehen, dass er mit seinen Klagen falschgelegen habe.

          Er selbst wird nun zum ersten Mal seit drei Jahren in Melbourne wieder im Halbfinale spielen, und er hat Glück, dass neuerdings beide Halbfinalspiele am Freitag stattfinden, er also bis dahin zwei Tage Zeit zur Regeneration haben wird. Gegner wird der Italiener Matteo Berrettini sein, der sich beim Sieg über Gael Monfils zwar auch fünf Sätze gönnte (6:4, 6:4, 3:6, 3:6, 6:2), aber dabei in keiner Phase annähernd so erledigt aussah wie Nadal ein paar Stunden zuvor.

          Für sportliche Schlagzeilen sorgt auch Madison Keys. Erstmals seit 2015 steht die US-Amerikanerin im Halbfinale der Australian Open. Im Viertelfinale gewann die US-Open-Finalistin von 2017 gegen die tschechische French-Open-Siegerin Barbora Krejcikova deutlich mit 6:3, 6:2. „Ich denke, ich werde weinen. Es bedeutet mir so viel“, räumte die Weltranglisten-51. gerührt beim Siegerinterview ein. Vor sieben Jahren war Keys zum bisher einzigen Mal in das Halbfinale des ersten Grand-Slam-Turniers der Saison eingezogen, hatte dann aber gegen den amerikanischen Tennisstar Serena Williams verloren. Ihr bisher bestes Grand-Slam-Resultat gelang ihr 2017 mit dem Einzug ins Endspiel der US Open gegen ihre Landsfrau Sloane Stephens.

          Krejcikova war wie aus dem Nichts bei den French Open 2021 zum Titel gestürmt und hatte in Paris im Einzel und Doppel triumphiert. In der ersten Runde von Melbourne hatte die 26-Jährige die Darmstädterin Andrea Petkovic abgefertigt. Doch im Viertelfinale konnte sie nicht genug Gegenwehr liefern: Die Weltranglistenvierte Krejcikova sah bei Temperaturen um die 30 Grad mitgenommen aus. Beim Stand von 2:5 im ersten Satz ließ sie sich untersuchen und den Blutdruck messen. Die Weltranglisten-51. Keys unterstrich mit elf Assen ihre Aufschlagstärke und überzeugte mit ihrem druckvollen Spiel.

          Die Weltranglisten-Erste Ashleigh Barty erreichte zum zweiten Mal nach 2020 das Halbfinale. Die große australische Hoffnung bejubelte einen ungefährdeten Viertelfinalerfolg und deklassierte mit dem 6:2, 6:0 die an Position 21 gesetzte Amerikanerin Jessica Pegula. Nach nur 63 Minuten entschied die zweimalige Grand-Slam-Turnier-Siegerin die Partie für sich. Im Halbfinale trifft Barty am Donnerstag auf Pegulas Landsfrau Madison Keys. Barty will als erste australische Tennisspielerin seit Chris O'Neil 1978 die Australian Open gewinnen.

          Alle deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Einzel sind bereits ausgeschieden. Für das Damen-Trio mit Petkovic, Angelique Kerber und Tatjana Maria war in der ersten Runde Schluss gewesen. Der größte deutsche Hoffnungsträger Alexander Zverev verpasste mit einer Achtelfinal-Niederlage die entscheidenden Runden.

          Tim Pütz konnte derweil mit seinem Partner Michael Venus die Australier Thanasi Kokkinakis und Nick Kyrgios nicht stoppen und verpassten den Halbfinaleinzug in der Doppel-Konkurrenz. Das Duo aus Frankfurt und Neuseeland musste sich in einer aufgeheizten Stimmung den Publikumslieblingen mit 5:7, 6:3, 3:6 geschlagen geben. Nach einer Partie mit Zwischenrufen zwischen den Aufschlägen und Applaus für Doppelfehler unterlagen Pütz und Venus nach 2:16 Stunden.

          Mit dem Aus des Davis-Cup-Spielers ist auch in den Doppel-Konkurrenzen kein deutscher Spieler mehr vertreten. Pütz und Venus waren beim ersten Grand-Slam-Turnier der Saison an Position sechs gesetzt. Die Wildcard-Inhaber Kokkinakis und Kyrgios legen eine überraschende Erfolgsserie hin, sie hatten in der ersten Runde die an eins gesetzten kroatischen Wimbledon- und Olympiasieger Nikola Mektic und Pavic bezwungen.

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