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Sensation bei Australian Open : „Wer sind Sie und wo kommen Sie her?“

  • Aktualisiert am

Aslan Karazew macht sich bei den Australian Open gerade einen Namen. Bild: AFP

Novak Djokovic trifft im Halbfinale der Australian Open auf Aslan Karazew. Der Russe ist ein großer Unbekannter, Djokovic sah noch nie ein Spiel von ihm. Daher bekommt Karazew vor dem Match auch ungewöhnliche Fragen gestellt.

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          Als der Halbfinal-Herausforderer von Novak Djokovic vor die Presse trat, musste er sich erst einmal vorstellen. Er wolle nicht respektlos klingen, sagte ein Reporter zu dem russischen Tennisspieler Aslan Karazew und stellte dann die wunderbaren Fragen: „Wer sind Sie und wo kommen Sie her? Wir wissen so wenig über Sie.“ Also fing der große Unbekannte vor dem Halbfinale der Australian Open am Donnerstag (9.30 Uhr MEZ bei Eurosport) gegen Titelverteidiger Djokovic an zu erzählen.

          Wissen war nie wertvoller

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          Geboren wurde er in Wladikawkas, lebte schon in Israel, dem westfälischen Halle und Barcelona. Nun wohnt er in Minsk. Im vergangenen Jahr gewann Karazew zwei Titel auf der unterklassigen Challenger-Tour, unter anderem im Finale von Ostrava (Ostrau) gegen den Kölner Oscar Otte. „Ich versuche in jedem Match an das zu glauben, was ich auf dem Platz tue“, sagte Karazew vor dem Duell mit Djokovic, der im Viertelfinale Alexander Zverev besiegt hatte.

          Dies gelang ihm in Melbourne bislang ziemlich gut. Karazew bezwang den Top-Ten-Spieler Diego Schwartzman aus Argentinien, das hoch gehandelte kanadische Top-Talent Felix Auger-Aliassime und im Viertelfinale den Bulgaren Grigor Dimitrow. Als erster Spieler in der Geschichte des Profitennis hat er nun bei seinem Grand-Slam-Debüt das Halbfinale erreicht – als Qualifikant und Nummer 114 der Welt.

          Ein Märchen der Tennis-Geschichte

          „Ehrlich gesagt habe ich ihn vor den Australian Open noch nie spielen sehen“, gab Djokovic zu. Mittlerweile weiß aber auch der Weltranglistenerste, wer Karazew ist. Schließlich schreibt der Russe gerade eines der größten Märchen der modernen Tennisgeschichte. Druck macht er sich keinen. „Ich versuche einfach, den Moment zu genießen und nicht zu viel darüber nachzudenken“, sagte Karazew: „Ich spiele einfach Runde für Runde.“

          Krasser könnte das Duell der Gegensätze nicht sein: Auf der einen Seite einer der besten Spieler der Geschichte, der in Melbourne seinen neunten Titel anstrebt. Und auf der anderen Seite der Aufsteiger, der vor diesem Jahr neunmal in der Qualifikation von Grand-Slam-Turnieren gescheitert war. Unterschätzen wird Djokovic den Russen natürlich nicht, inzwischen weiß er gut, mit wem er es zu tun bekommt. „Er hat mich beeindruckt“, lobte der 17-malige Grand-Slam-Champion: „Seine Bewegung, seine Feuerkraft von der Grundlinie. Eine tolle flache Rückhand, russische Schule.“

          „Natürlich ist es für ihn der größte Erfolg, den er bisher hatte“, sagte Djokovic, der aufgrund seiner Bauchmuskelprobleme auch am Mittwoch nicht trainierte: „Er hat wirklich nichts zu verlieren. Er ist motiviert. Ich erwarte von ihm, dass er rauskommt und alles gibt, um den Sieg zu holen.“ Auf dem Kopf steht Karazews Leben sowieso schon. Sein einziges Ziel für die Saison war, die Top 100 zu knacken – nun macht er einen Riesensprung auf mindestens Platz 42. Zudem verdoppelte er in Melbourne das Preisgeld, das er in seiner gesamten Karriere bisher gewonnen hat auf mehr als 1,2 Millionen US-Dollar. Mindestens.

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