https://www.faz.net/-gtl-8cuii

Australian Open : Nervenstark auf großer Bühne

  • Aktualisiert am

Die unerwarteten Siege sind die schönsten Siege: „Ich kann es gar nicht in Worte fassen“ Bild: dpa

Angelique Kerber steht im Halbfinale der Australian Open. Seit langem überzeugt sie mal wieder auf der großen Tennis-Bühne - und peilt selbstbewusst den Einzug ins Finale an. Den verpasst im Doppel ihre Fed-Cup-Kollegin Julia Görges.

          3 Min.

          Nachdem sie ihren Asarenka-Fluch besiegt und erstmals den Sprung ins Halbfinale der Australian Open geschafft hatte, ließ Angelique Kerber ihren Schläger einfach aus der Hand fallen und blickte ungläubig zu ihrem Trainerteam auf der Tribüne. „Ich kann es gar nicht in Worte fassen“, sagte Kerber am Mittwoch nach ihrem 6:3, 7:5 im Viertelfinale von Melbourne gegen Victoria Asarenka. Alle sechs Duelle mit der Weißrussin hatte sie zuvor verloren, doch nun war ihr Tag gekommen. „Ich bin einfach nur happy, dass ich sie endlich geschlagen habe und hier erstmals im Halbfinale stehe“, sagte Kerber nach ihrer starken Vorstellung.

          Lange feiern kann Kerber ihren Coup aber nicht, schon in der deutschen Nacht zum Donnerstag (zweites Spiel nach 3.30 Uhr/Eurosport) steht für sie das Halbfinale gegen die Engländerin Johanna Konta an. Die 24-Jährige setzte sich gegen Zhang Shuai aus China klar mit 6:4, 6:1 durch. Die Nummer 47 der Welt ist die erste Britin seit Jo Durie 1983 bei den US Open, die bei einem der vier Grand-Slam-Turniere die Vorschlussrunde erreicht hat. Zuvor trifft die Titelverteidigerin und Weltranglisten-Erste Serena Williams aus den Vereinigten Staaten auf die Polin Agnieszka Radwanska.

          Becker traut ihr den Sieg zu

          Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker traut Angelique Kerber den Finaleinzug zu. „Wenn sie ihren Glauben und ihre Konzentration behält, dann hat sie große Chancen, im Finale zu stehen“, sagte Becker am Mittwoch in Melbourne. „Sie ist eine Kämpfernatur, schafft es auch bei einem großen Rückstand, die Nerven zu behalten und weiter an sich zu glauben“, lobte der dreimalige Wimbledon-Sieger die Kielerin.

          Für Becker ist Kerber die klare Favoritin. „Wenn sie sich vor zwei Wochen eine Halbfinal-Gegnerin hätte wünschen können, dann hätte Konta mit Sicherheit auf der ersten Seite gestanden“, sagte der Coach des Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic.

          „Ich bin weiter im Turniermodus“, sagte Kerber, nachdem sie nach 1:45 Stunden ihren ersten Matchball verwandelt hatte. Mit dem Sieg gegen die zuvor so stark auftrumpfende Asarenka zeigte es die deutsche Nummer eins endgültig all ihren Kritikern - und vor allem auch sich selbst. Nachdem sie im vergangenen Jahr in Melbourne bereits in der ersten Runde gescheitert und auch bei den drei anderen Grand-Slam-Events nicht über die dritte Runde hinausgekommen war, will es Kerber in diesem Jahr bei den großen Turnieren ganz besonders wissen. Sie wolle es bei den Grand Slams „krachen lassen“, sagte sie Ende des vergangenen Jahres in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“.

          Victoria Azarenka konnte im zweiten Satz fünf Satzbälle nicht nutzen und musste sich am Ende der Deutschen geschlagen geben.

          Und gleich beim ersten Grand Slam der Saison lässt die Kielerin ihren Worten Taten folgen. Zum dritten Mal steht sie bei einem der vier wichtigsten Turniere in der Vorschlussrunde. Zuletzt war vor 18 Jahren eine deutsche Spielerin Down Under im Halbfinale. Anke Huber scheiterte 1998 an Martina Hingis.

          Gegen Asarenka startete Kerber furios und zog im ersten Satz schnell mit 4:0 davon. „Ich wusste, dass ich vom ersten Punkt da raus gehen und ihr zeigen muss, dass ich das Spiel gewinnen möchte“, beschrieb die 28-Jährige ihren Matchplan gegen die Geheimfavoritin. Noch wichtiger war allerdings, dass sie dieses Mal anders als so oft in der Vergangenheit in den entscheidenden Phasen die Nerven behielt. Im ersten Satz wehrte sie beim Stand von 4:3 zwei Breakbälle ab und sicherte sich wenig später den ersten Durchgang. Im zweiten Abschnitt ließ sie sich auch von einem 2:5 nicht aus der Ruhe bringen und machte in der Folgezeit fünf Satzbälle von Asarenka zunichte.

          Angstgegnerin besiegt und ins Halbfinale eingezogen: Angelique Kerber

          „Hammergeil“, meinte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner nur. „Dafür hat sie hart gearbeitet. Ich freue mich sehr für Angie.“ Gegen Konta will Kerber nun wieder mit ihrer neu gewonnenen Leichtigkeit auf den Platz gehen. Sie habe sich in der Vergangenheit immer zu viel Druck gemacht. „Hier bin ich hergekommen und habe gesagt, komm', ich spiele wie bei den kleinen Turnieren, und so will ich das jetzt auch weitermachen“, beschrieb Kerber das Geheimnis ihres Erfolges. Verstecken muss sie sich vor niemandem. „Ich weiß, jede einzelne Spielerin hat Respekt vor mir.“

          Görges verpasst Doppel-Finale

          Julia Görges hat derweil den Einzug ins Doppelfinale klar verpasst. Zusammen mit der Tschechin Karolina Pliskova verlor die 27 Jahre alte Tennisspielerin aus Bad Oldesloe am Mittwoch in Melbourne gegen Martina Hingis und Sania Mirza mit 1:6, 0:6. Das an Nummer eins gesetzte Doppel aus der Schweiz und Indien trifft im Endspiel auf das tschechische Duo Andrea Hlavackova/Lucie Hradecka. Zum Duell zwischen Hingis und Görges könnte es auch in der ersten Runde des Fed Cups am ersten Februar-Wochenende in Leipzig kommen. Beide sind für die Partie nominiert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.