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Australian Open : Kerber und die Liebesgrüße von Melbourne

  • -Aktualisiert am

Geburtstag Down Under: „Happy Birthday, Angie. Love, Melbourne.“ Bild: dpa

Die Australian Open freuen sich auf Angelique Kerber, wie an einem riesengroßen Schriftzug abzulesen ist. Aber freut sich auch die Tennisspielerin auf das Turnier? Die Lage ist nicht einfach.

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          Es gibt mitten in Melbourne ein Gässchen mit einem dröhnenden Namen und allerlei Farbe an den Mauern, die AC/DC Lane. Im Prinzip hätte die berühmteste Band Australiens ja eine richtige Straße verdient, denn deren Sound kommt bekanntlich nicht im Kleinformat daher, weder auf dem Highway To Hell noch anderswo. Ganz so viele Leute wie in dieser Gasse, die in jedem Reiseführer erwähnt wird, werden vermutlich nicht an jenem Graffito vorbeikommen, das Angelique Kerber am Samstag zu ihrem 32. Geburtstag bekam. Der Standort liegt etwas außerhalb der Stadt, dafür ist der Schriftzug „Happy Birthday, Angie. Love, Melbourne“ fast größer als die ganze AC/DC Lane. Keine Frage, es war eine schöne, bunte, stimmungsvolle Überraschung.

          Normalerweise feierte Deutschlands beste Tennisspielerin den Geburtstag während des Turniers, doch da die Australian Open diesmal eine Woche später als sonst beginnen, wurde vorher gefeiert. Prima Sache, fand Kerber, das sei schon ein bisschen entspannter, abends müsse man nicht auf die Uhr schauen und um neun im Hotel sein. Zudem wusste sie, dass sie nicht vor Dienstag spielen würde, und auch das gab der ganzen Geschichte einen Hauch von Lässigkeit. Aber der Termin des ersten Spiels am Dienstag (nicht vor 9.00 Uhr MEZ) gegen die italienische Qualifikantin Elisabetta Cocciaretto ist aus einem anderen Grund nicht nur angenehm.

          In der zweiten Runde des Turniers von Adelaide hatte Kerber in der vergangenen Woche aufgegeben. Seit Wochen quält sie sich mit einer hartnäckigen Muskelverletzung an der Rückseite des linken Oberschenkels herum, die zwischendurch Ruhe gibt, dann aber wiederauftaucht. Das Gleiche war ihr schon bei einem Auftritt zur Jahreswende auf Hawaii passiert. In den vergangenen Jahren hatte Deutschlands beste Spielerin die Saison jeweils beim Hopman Cup in Perth begonnen, das war eine breitere Basis. Nach dem Rückzug kürzlich in Adelaide startet sie dagegen diesmal mit Erfahrungswerten aus nur zweieinhalb Spielen ins erste Grand-Slam-Turnier des Jahres, einem aus Brisbane und anderthalb aus Adelaide. „Das ist nicht die Vorbereitung, die ich gern gehabt hätte“, sagt sie zur Situation, „aber es ist, wie es ist. Jetzt muss ich damit klarkommen. Du kannst die beste Vorbereitung haben und die erste Runde verlieren und keine gute haben und gewinnen.“ Zumindest kenne sie sich mit der Verletzung inzwischen ebenso aus wie der Rest des Teams, und jeder wisse, was zu tun sei.

          „Ich gebe mir ein bisschen Zeit, bis ich wieder in Schwung komme. Das ist eher ein Prozess.“

          Nun ist es ja so, dass hinter dem ersten großen Turnier des Jahres immer Fragezeichen stehen. Wie ist meine Form? Hab ich genug gearbeitet? Was erwartet mich? Das geht selbst einem wie Roger Federer so, der im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten ohne Vorlauf eines einzigen Spiels am ersten Tag startete, in drei Sätzen gegen den Amerikaner Steve Johnson gewann, aber vorher sagte, auch aus diesem Grund seien seine Erwartungen diesmal eher klein.

          Angelique Kerber war in der Vergangenheit vor ihrem ersten Auftritt oft extrem angespannt, und manchmal wurde sie diese Anspannung während des ganzen Turniers nicht mehr los. Kann es also sein, dass die Verletzungsgeschichte ihre Erwartungen diesmal ein wenig reduziert? Ihre Antwort beginnt mit einem Wort. „Also.“ Es folgt eine lange Pause. Dann: „Jein. Ich werde mir hier nicht die große Erwartung auf die Schultern laden. Ich habe ein neues Team, da möchte ich mir auch ein bisschen Zeit lassen und von Runde zu Runde schauen. Es ist ja auch ein besonderes Turnier für mich.“

          Das kann man so sagen. Seit zwölf Jahren spielt sie in Melbourne, mit dem Triumph 2016 begann ihr bestes Jahr mit einem weiteren Grand-Slam-Titel, der olympischen Silbermedaille und dem Sprung an die Spitze der Weltrangliste. Nach mittelprächtigen Monaten 2019, in denen sie zwar Finals in Indian Wells und Eastbourne erreichte, aber keinen Titel gewann, geht sie nun mit einer Position auf der Setzliste ins Rennen (18), mit der ihr relativ früh im Turnier starke Gegnerinnen begegnen könnten. Aber das war vor zwei Jahren nicht anders, als sie an Position 21 gesetzt war und bis ins dramatische Halbfinale mit Simona Halep kam.

          Vieles ist bekannt und vertraut, wenn man so oft an einen Ort zurückkehrt, und diese Vertrautheit tut gut. Aber manches ist auch anders. Vor einem Jahr saß Rainer Schüttler auf dem Trainerstuhl, doch die Zusammenarbeit endete sieben Monate später. Schüttler ist inzwischen für das deutsche Fed-Cup-Team verantwortlich, den Trainerjob bei Kerber übernahm vor knapp zwei Monaten Dieter Kindlmann, ehemaliger Tennisprofi wie der Vorgänger. Die ersten Wochen der gemeinsamen Arbeit seien gut gelaufen, findet sie, aber vieles sei natürlich noch neu. Als sie all das erzählt, hört es sich so an, als sehe sie der näheren Zukunft vergleichsweise entspannt entgegen. Kann das wirklich sein? Man wird sehen. Bis auf weiteres beschreibt Kerber die Sache so: „Ich gebe mir ein bisschen Zeit, bis ich wieder in Schwung komme. Das ist eher ein Prozess.“

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