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Petkovic will weiter spielen : „Mal gucken, wie lange es der alte Gaul noch macht“

Die Energie ist zurück, das Knie hält: Andrea Petkovic ist körperlich so gut drauf, wie lange nicht mehr. Bild: AFP

Andrea Petkovic verliert bei den Australian Open schon in Runde eins. Doch ihr Körper gibt erstmals seit langem positive Signale. Das Karriereende scheint plötzlich ganz weit weg.

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          In Pressekonferenzen mit Andrea Petkovic geht es selten ausschließlich um Tennis. Dafür ist die Darmstädterin eine viel zu interessante Gesprächspartnerin auf anderen Themengebieten. Dem der Literatur etwa, wo sie sich nicht erst seit ihrem im vergangenen Jahr veröffentlichten Debüt-Roman („Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“) bestens auskennt. Petkovic ist eben eine Sportlerin, die sich und ihre Umwelt mehr reflektiert, als dies andere tun.

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          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Nach ihrer knappen Niederlage zum Auftakt der Australian Open am Montag spielte all das aber kaum eine Rolle. Es ging – ausnahmsweise einmal – nur um Tennis. Aus gutem Grund aber, denn tatsächlich spielt der Sport zurzeit in ihrem Leben wieder die Hauptrolle. Mit „großer Motivation und Ambition“ sei sie in Melbourne angetreten, berichtete Petkovic nach dem 3:6, 6:3, 4:6 gegen die Tunesierin Ons Jabeur. „Ich hatte mir, ehrlich gesagt, Hoffnung auf mehr gemacht.“

          Im vergangenen Februar hatte sich Petkovic einer Knie-Operation unterzogen. Vorwiegend in ihrer Darmstädter Heimat arbeitete sie danach hart für ihr Comeback. Allerdings musste sie immer wieder pausieren, um den Körper nicht zu überfordern. Wie viele „kleine, harte Lockdowns“ habe sich das angefühlt, erzählt sie. Statt Tennis zu spielen, ging Petkovic auf Promotour für ihr Buch und gab im Dezember ihr Debüt als Moderatorin bei der ZDF-Sportreportage.

          Ihr einziges offizielles Match 2020 verlor sie im Herbst in Runde eins der French Open. Es schien, als würde dieses Jahr, das eigentlich das letzte ihrer Karriere hatte sein sollen, einen stillen Abgang für sie bereithalten. Doch ganz so durch die Hintertür wollte die 33-Jährige die Bühne Profitennis dann doch nicht verlassen. Nicht im Krankenstand, nicht im Corona-Jahr ohne Fans und viele Großevents. Sie beschloss, mindestens eine weitere Saison dranzuhängen.

          Enttäuschung nach der frühen Niederlage

          Die Vorzeichen dafür waren unverhofft positiv, das Knie hielt erstaunlich gut. „Ich konnte das erste Mal seit langem wieder sechs, acht Wochen lang mein volles Pensum auf hohem Niveau trainieren“, berichtete sie am Montag. Dadurch habe sie „wieder Hoffnung geschöpft“ und „Vertrauen in den Körper gewonnen“. Nach Australien reiste sie mit dem festen Plan, einige Runden zu überstehen.

          Umso größer war die Enttäuschung nach der Niederlage gegen Jabeur. Zwar war die Tunesierin, die im Vorjahr als erste Nordafrikanerin ein WTA-Turnier gewann, die Favoritin. Doch Petkovic, wenngleich inzwischen in der Weltrangliste nicht mehr unter den Top-100 notiert, hatte sich dennoch eine Chance ausgerechnet. „Vor allem der Anfang ärgert mich“, sagte sie hinterher mit Blick auf den zögerlichen Auftritt im ersten Satz.

          Zwar spielte sie ab Mitte des zweiten Durchgangs mindestens auf Augenhöhe, mit einem Doppelfehler („Der verfolgt mich noch bis in meine Träume“) ebnete sie Jabeur aber später den Weg zum letztlich einzigen Break im Entscheidungssatz. Am Ende stand so zwar eine bittere Niederlage, aber zumindest auch die positive Rückmeldung des eigenen Körpers. Das Karriereende jedenfalls schien plötzlich fern. „Ich würde gerne noch lange spielen“, sagte Petkovic. „Mal gucken wie lange er es noch macht, der alte Gaul.“

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