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Tennis bei Australian Open : Zverev siegt und nimmt Abschied von den Zuschauern

Konzentriert in die nächste Runde: Alexander Zverev Bild: AFP

Der letzte verbliebene Deutsche bei den Australian Open kommt immer besser in Schwung. Alexander Zverev zieht ins Achtelfinale ein. Auf Zuschauer muss aber auch er vorerst verzichten nach einem Corona-Ausbruch.

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          Und dann wurde es plötzlich still in der Rod Laver Arena. Was allerdings keineswegs an dem dort noch stattfindenden Tennismatch zwischen Novak Djokovic und dem Amerikaner Taylor Fritz lag. Das nämlich näherte sich im fünften Satz gerade seinem spannungsgeladenen Höhepunkt. Doch kurz zuvor waren mehrere tausend verbliebene Zuschauer nach Hause gebeten worden. Mitten während der Partie. Nur eine kurze Spielpause, bis die Arena geräumt war, wurde eingelegt. Die Zeiger der Uhr gingen unaufhaltsam auf Mitternacht zu und ab 0 Uhr ging Melbourne wieder in den Lockdown. Auch für die Australian Open gab es keine Ausnahme. Die Fans sollten bis Mitternacht zu Hause sein.

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          Gut sechs Stunden zuvor hatte Alexander Zverev noch einmal lächelnd ins Publikum gewinkt. Nun war es nicht so, dass das Stadion aus allen Nähten platzte. Doch ein bisschen Wehmut war trotzdem zu erkennen im Blick des deutschen Tennisprofis. Auch Zverev war schließlich bewusst, dass seine Drittrundenpartie gegen den Franzosen Adrian Mannarino fürs Erste die letzte vor Zuschauern war. Von Freitagnacht, 23.59 Uhr, an mussten die Fans beim Grand-Slam-Turnier wieder draußen bleiben.

          „Wir haben seit über einem Jahr nicht vor Zuschauern gespielt. Das ist so ein gutes Gefühl“, sagte Zverev noch im Interview auf dem Platz, nachdem er mit einem mühelosen 6:3, 6:3, 6:1 gegen Mannarino ins Achtelfinale eingezogen war. „Leider ist es damit jetzt erst einmal vorbei.“ Später ergänzte er: „Tennis ohne Zuschauer ist anders. Wir spielen eigentlich für diese Momente vor 20000 Fans. Aber Gesundheit geht natürlich vor. Man kann das verstehen.“

          „Spieler sind in der Bubble“

          In einem Quarantäne-Hotel am Flughafen von Melbourne waren neue Fälle der britischen Corona-Mutation verzeichnet worden. Australiens Zero-Covid-Politik ist da konsequent. Für den gesamten Bundesstaat Victoria wurde umgehend ein zunächst fünftägiger Lockdown verhängt. Und der betrifft eben auch die Australian Open.

          Dass das Grand-Slam-Turnier überhaupt weitergehen kann, hat mit einer juristischen Definition zu tun. Der Melbourne Park werde für die Spielerinnen und Spieler als „Arbeitsplatz“ deklariert, erklärte Turnierdirektor Craig Tiley. Deshalb seien auch von Samstag an alle Teilnehmer sowie ihre Betreuerteams auf der Anlage erlaubt. Jeder, der seinen Job nicht zwingend vor Ort zu verrichten habe, wechsele dagegen ins Homeoffice. „Die Spieler werden sich in einer Bubble aufhalten“, sagte Tiley. „So wie sie das bereits aus der Vergangenheit kennen.“

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          Ursprünglich hatten die Australian Open für das Profitennis einen Schritt zurück in Richtung Normalität darstellen sollen. Bis zu 30000 Besucher pro Tag waren erlaubt, am Donnerstag zum Beispiel kamen 21010 Fans. Doch das Virus hatte letztlich auch das Turnier im beinahe coronafreien Australien von Beginn an fest im Griff. Nachdem auf drei Charterflügen nach Melbourne das Virus mit an Bord war, mussten 72 Spielerinnen und Spieler noch vor dem Start für zwei Woche in eine knallharte Quarantäne. Unter anderem fehlte ihnen jegliche Möglichkeit zum Training.

          Alexander Zverev hatte nicht zu dieser Gruppe gehört. Ihm waren in seiner obligatorischen Quarantäne-Zeit somit zumindest fünf Stunden täglich auf dem Tennisplatz vergönnt. Im Turnier scheint sich diese Arbeit nun zunehmend auszuzahlen. Zverev kommt immer besser in Schwung. Gegen Mannarino zeigte er seine bis dato beste Leistung in diesen Tagen. Der 23-Jährige servierte gut, 19 Asse standen am Ende zu Buche. Dazu retournierte er hervorragend. Er machte über 40 Prozent der Punkte, wenn bei seinem Gegner der erste Aufschlag im Feld war.

          Scherz von Alexander Zverev

          Mannarino ist ein Rhythmusbrecher. Der Linkshänder versteht es wie kaum ein Zweiter auf der Tour, sowohl das Tempo aus den Schlägen seiner Gegner aufzunehmen als auch das Spiel im nächsten Moment plötzlich zu verlangsamen. Allerdings kennt auch kaum ein Zweiter diese Taktik inzwischen so gut wie Zverev. Allein im vergangenen Herbst kreuzten sich die Wege der beiden dreimal: bei den US Open, beim Turnier in Köln und beim Masters in Paris. Zverev gewann alle drei Partien. Jedes Mal aber hatte ihm der unkonventionelle Mannarino letztlich zumindest einen Satz abgenommen.

          „Die letzten Male hat es immer ein bisschen länger gedauert gegen ihn. Heute haben wir die Bälle ein bisschen härter geschlagen, damit ihr nicht so lange in der Sonne sitzen müsst“, scherzte Zverev deshalb in Richtung des Publikums. Tatsächlich wirkte er um einiges zielstrebiger als in den ersten beiden Runden gegen die Amerikaner Marcos Giron und Maxime Cressy. Auch die Bauchmuskelverletzung, noch immer behandelt mit einem großen Wärmepflaster und Schmerzmitteln zwar, schien ihn deutlich weniger zu behindern. Sein Bruder Mischa hatte vor dem Match bei Eurosport zwar noch von einem etwas „müden Bauch“ gesprochen. Doch während des Matchs wirkte Zverev ziemlich wach.

          Zum fünften Mal in Serie erreichte Zverev nun die zweite Woche bei einem der vier Grand-Slam-Turniere. Die früher sehr regelmäßigen Aussetzer gegen krasse Außenseiter in den ersten Runden erlaubt er sich inzwischen gar nicht mehr. Auch im Achtelfinale wird er gegen den Serben Dusan Lajovic noch einmal klar favorisiert sein.

          Im Viertelfinale könnte dann Turnierfavorit Novak Djokovic warten. Der biss sich nämlich gegen Fritz nach einem hart umkämpften Match mit 7:6 (7:1), 6:4, 3:6, 4:6, 6:2 durch und steht ebenfalls in der Runde der letzten 16. In den Genuss von Zuschauern bei den Australian Open käme allerdings nur der Gewinner ihres Duells. Erst ab Donnerstag und damit ab dem Halbfinale soll der Lockdown wieder beendet sein.

          Doppel Krawietz und Hanfmann in Melbourne raus

          Das deutsche Tennis-Doppel Kevin Krawietz und Yannick Hanfmann hat bei den Australian Open den Achtelfinal-Einzug verpasst. Das Duo musste sich am Freitag in Melbourne den an Nummer acht gesetzten Franzosen Pierre-Hugues Herbert und Nicolas Mahut mit 5:7, 3:6 geschlagen geben. Hanfmann war kurzfristig für Andreas Mies eingesprungen, der wegen einer Knieverletzung nicht spielen konnte. Zusammen mit Mies hatte Krawietz 2019 und 2020 die French Open gewonnen. Laut Krawietz wurde Mies inzwischen in Deutschland am Knie operiert. „Er ist erst einmal sechs Monate raus“, sagte Krawietz über seinen Doppel-Partner.

          Damit dürfte Mies auch für die Olympischen Spiele in Tokio ausfallen. „Olympia wird eng. Das ist extrem bitter“, sagte Krawietz, der sich zusammen mit Mies für dieses Jahr große Ziele gesetzt hatte. Neben einer Medaille bei Olympia hatte das Duo auch bei den vier Grand Slams weit kommen und sich in der Weltrangliste verbessern wollen. Mit wem Krawietz in den kommenden Monaten spielen wird, steht noch nicht fest. „Wahrscheinlich werde ich einige Turniere mit Struffi spielen“, sagte Krawietz über seinen Davis-Cup-Kollegen Jan-Lennard Struff. Weitere Auftritte mit Hanfmann sind wegen der schlechten Doppel-Plazierung des Karlsruhers nur schwer möglich. (dpa)

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