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Australian Open : Weltmeister mit Windpocken ausgeschieden

  • Aktualisiert am

Deprimiert: Lleyton Hewitt Bild: AP

Die australischen Tennis-Fans tragen Trauer: Lleyton Hewitt ist ausgeschieden, ehe das Grand-Slam-Ereignis richtig begonnen hat.

          2 Min.

          Ein bisschen war es so, als hätte man bei einem Ferrari die Luft aus den Reifen gelassen. Der sieht dann zwar immer noch gut aus, aber so richtig schnell ist der Sportwagen nicht mehr. Lleyton Hewitt war ähnlich platt und unterlag dem Spanier Alberto Martin bei den Australian Open in der ersten Runde 6:1, 1:6, 4:6, 6:7 (4:7).

          Damit hat das Turnier innerhalb der ersten beiden Tage die Numer eins und zwei (Gustavo Kuerten) durch Niederlagen verloren, nachdem schon vor Beginn Titelverteidiger Andre Agassi (Nummer drei) wegen Verletzung abgesagt hatte.

          Früh gefühlt wie im fünften Satz

          3:33 Stunden wehrte sich der Weltranglisten-Erste nach seiner noch nicht ganz überwundenen Windpockenerkrankung vor heimischem Publikum mehr schlecht als recht gegen den iberischen Sandplatzspezialisten, aber schon nach dem schnell gewonnen ersten Satz kam es dem 20-Jährige so vor, als ob er in eine Wand gelaufen sei.

          Wenigstens er ist weiter: Mitfavorit Pete Sampras

          "So fühlt man sich sonst im fünften Satz", beschrieb er seine frühzeitige Erschöpfung. Für einen Spieler, der so sehr wie er von seiner Fitness und seinem Kampfgeist lebt, ist dieser Zustand nicht akzeptabel.

          "Sollte ich lügen?"

          Anderswo wäre er gar nicht erst angetreten, erklärte Hewitt, aber er sei es dem Publikum und sich selbst schuldig gewesen, es wenigstens zu versuchen. Auch die Ärzte hatten ihm nicht abgeraten. Für sein beharrliches Stillschweigen in den vergangenen Tagen, das zu wilden Spekulationen geführt hatte, lieferte er eine verblüffend einfache und einleuchtende Erklärung: "Ich habe nichts gesagt, weil ich nicht lügen wollte. Hätte ich mich hinstellen sollen und so tun, als ginge es mir bestens?"

          Wie man das macht, hatte ja Agassi am Sonntag vorgeführt, als er in einer Fernsehshow begeistert schwärmte, wie blendend er in Form sei, obwohl er sich am Tag zuvor eine Handgelenksverletzung zugezogen hatte und am Tag danach absagte.

          Alberto Martin ausgebuht

          Hewitt-Bezwinger Martin zog sich den Zorn seines Gegners und des Publikums zu, als er beim Stand von 5:4 im Tiebreak plötzlich den Masseur rufen ließ. Er habe Krämpfe gehabt und nicht gegen die Regeln verstoßen, entgegnete er entsprechend kritischen Fragen nach dem Match, nachdem er sich schon auf dem Court Buhrufe gefallen lassen musste, weil die Zuschauer witterten, dass er die Verletzungspause just in diesem Moment nahm, um den Lokalmatador bewusst durcheinander zu bringen.

          Auch Hewitt war nur wenig angetan von Martins plötzlichem Zipperlein. "Ich weiß nicht, ob ich sonst gewonnen hätte, aber es hätte mir die Sache sicher erleichtert, wenn er sich fair verhalten hätte", kritisierte Hewitt.

          "Ich bin nicht Supermann"

          Aber es sei ohnehin nur ein einziger Kampf gewesen, berichtete der Weltranglisten-Erste, der sich selbst zweimal behandeln ließ, wenn auch in weniger entscheidenden Phasen. "Und leider ist es nicht so gelaufen, wie ich es gern gehabt hätte, aber es gibt ja noch drei weitere Grand-Slam-Turniere in diesem Jahr." Der stets bis zum Anschlag Ehrgeizige war sogar nicht einmal so enttäuscht, wie man das erwartet hätte. "Ich habe alles gegeben, aber ich war nicht hundert Prozent fit, und ich bin nicht Supermann."

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