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Australian Open : Warum hält ausgerechnet Agassi so lange durch?

  • -Aktualisiert am

Strahlemann Bild: dpa

Andre Agassi hat im hohen Tennis-Alter von 30 Jahren seinen Titel bei den Australian Open in Melbourne erfolgreich verteidigt und damit zum siebten Mal in seiner Karriere ein Grand-Slam-Turnier gewonnen.

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          Mats Wilander war 24, als er zum letzten Mal ein Grand-Slam-Turnier gewann, John McEnroe und Björn Borg 25, Stefan Edberg 26 und Boris Becker 28. Andre Agassi ist jetzt 30 und hat drei seiner sieben Titel bei den "Tennis-Majors" nach seinem 29. Geburtstag geholt. Den letzten am Sonntag in Melbourne mit der ersten erfolgreichen Titelverteidigung seiner Karriere durch ein 6:4, 6:2, 6:2 über den Franzosen Arnaud Clement.

          Warum hält ausgerechnet Agassi so lange durch? Schließlich ist er nicht auf dem zweiten Bildungsweg ins Tennis gekommen. Von ihm gibt es Aufnahmen, die ihn als Dreijährigen zeigen, mit dem Schläger in der Hand, und auf der anderen Seite des Netzes steht Jimmy Connors. Ein Frühstarter wie die meisten anderen im Tennis, auf den Weg geschickt von seinem tennisverrückten Vater Mike, groß geworden in der Akademie von Tennis-Schleifer Nick Bolletieri. Solche Spieler gibt es viele, aber nur einen Andre Agassi.

          Verfallsdatum nicht abgelaufen

          "Mir macht Tennis Spaß." Vielleicht ist diese auf den ersten Blick nicht überraschende Erkenntnis von Agassi der Schlüssel zu seinem Erfolg und seiner Langlebigkeit im hektischen Sportbusiness, in dem es nicht nur um Matchbälle, sondern auch um Millionen geht. Vom Rebell in pinkfarbenen Hosen, dessen Werbespruch "image is everything" auch auf ihn selbst zuzutreffen schien, ist Agassi zum weißen Riesen geworden, dem die Traditionen seines Sports am Herzen liegen.

          Dass Agassis Verfallsdatum als Weltklassespieler immer noch nicht abgelaufen ist, verdankt er aber auch den häufigen Pausen, die er teils freiwillig, teils gezwungen einlegte und einlegen musste. Immerhin ist er seit 1986 Tennisprofi, hat seitdem 851 offizielle Matches bestritten.

          Agassi nahm sich Auszeiten

          "Dass Tennis das ganze Jahr lang gespielt wird und dass es eine Einzelsportart ist, sorgt dafür, dass es einen hohen Tribut fordert. Und wenn man nicht weiss, wie man sich Nischen der Erholung schafft, dann kann dieser Tribut schon mit Ende 20 zu hoch sein. Aber für mich war es immer sehr natürlich, dass Tennis nicht mein gesamtes Leben ist. Und das hat meinen Geist und meinen Körper vielleicht frischer gehalten, als wenn ich Woche für Woche dabei gewesen wäre."

          Agassi hat in der Vergangenheit die Pausen manchmal verwünscht. Heute bereut er diese Auszeiten aber heute nicht mehr, denn er weiss, dass sie ihm geholfen haben. "Mein Herz hat mir nie erlaubt, dass ich mich verzehre", beschrieb der Glatzkopf aus Las Vegas in der ihm neuerdings eigenen philosophischen Art.

          „Wer weiß schon, was er tun wird“

          Weniger poetisch ging es bei Agassi in der Vorbereitung zu, in deren Verlauf ihn sein Konditionstrainer Gil Reyes bis zum Heulen quälte. Kein Wunder, dass Agassi in den Pressekonferenzen und Fernsehinterviews nach dem Sieg über Clement immer wieder von der "Arbeit" sprach, "all der Arbeit, die wir investiert haben". "Wir" sagte Agassi, denn er betrachtet seinen Erfolg auch als den Sieg des "Teams Agassi", zu dem neben Muskelmann Reyes vor allem noch Coach Brad Gilbert und natürlich auch Steffi Graf gehören, die am Samstag auf der Tribüne die Daumen drückte und jetzt "nur" noch 15 Grand-Slam-Titel mehr hat als ihr Lebensgefährte.

          Wie lange "ihr Andre" noch dabei bleibt, steht in den Sternen, ein paar Jahre werden es aber schon noch sein. Ob er so lange durchhält wie Jimmy Connors, der erst mit knapp 40 aufhörte? Agassi hört die Frage, grinste ein wenig, blies die Backen auf, ließ die Luft hörbar entweichen, dachte noch einen kleinen Moment nach und sagte: "Ich wäre wohl am meisten schockiert, wenn ich mehr als noch ein paar Jahre spielte. Aber wer weiss schon, was man tun wird und was nicht."

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