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Australian Open : Traumtennis und Nervenspiel: Haas schlägt Federer

  • -Aktualisiert am

Schweißtreibender Auftritt: Tommy Haas Bild: dpa

Tommy Haas hat sich in den Favoritenkreis der Australian Open gespielt. Im Achtelfinale bezwang er den Schweizer Roger Federer in fünf Sätzen.

          2 Min.

          Das Spiel zwischen Thomas Haas und Roger Federer war bei den Australian Open als die Partie der Zukunft verkauft worden. Nach dem 7:6 (7:3), 4:6, 3:6, 6:4, 8:6 für Haas waren sich die Zuschauer in der Rod Laver Arena einig: Wenn so die Zukunft aussieht, braucht einem um das Herren-Tennis nicht bange zu sein.

          3:35 Stunden lang kämpften der 23-jährige Deutsche und der drei Jahre jüngere Schweizer verbissen und zeigten Schläge vom Allerfeinsten in Serie. Am Ende hatte der ohnehin schon vorhandene gegenseitige Respekt noch zugenommen, man verabschiedete sich mit Schulterklopfen.

          Federer vergibt Matchball

          Selbst mehrere Vögel unter dem wegen Regen geschlossenen Schiebedach des Stadions hatten nach einiger Zeit ihre vergeblichen Ausbruchsversuche aufgegeben. Ob es allerdings daran lag, dass sie plötzlich das Duell unter sich mit dem gleichen Interesse folgten, wie die begeisterten Tennisfans, muss zumindest bezweifelt werden. Warum Haas letztlich als Sieger vom Platz ging, war nachher kaum zu klären.

          Große Geste nach großem Match: Roger Federer und Tommy Haas

          Wenn, wie in diesem Fall Federer, ein Spieler einen Matchball bei 6:5 im fünften Satz nicht nutzen kann, kann der Leistungsunterschied in der Tat nicht allzu groß sein. Zeitweise ähnelten sich die beiden sogar noch äußerlich. Nachdem Haas zunächst in einem weissen Hemd des gemeinsamen Ausrüsters gestartet war und Federer in schwarz, wechselten später beide zu rot. Als Haas sich noch die Haare zu einem Federer-Pferdeschwanz zusammenband, wurden sich die beiden gleicher.

          Auf Haas wartet Rios

          Doch siegen konnte nur einer, und das war Haas, der somit als höchstgesetzter Spieler im Turnier verbleibt. Nach dem zweiten Fünfsatzmatch hintereinander trifft er im Viertelfinale auf den wiedererstarkten Chilenen Marcelo Rios, der vor vier Jahren schon einmal das Endspiel erreicht hatte. "Das wird schwer, Rios ist einer der talentiertesten Spieler der Welt, mal sehen, wie schnell ich mich erholen kann."

          Haas freute sich nur verhalten, natürlich spiele er für solche Matches Tennis, vor 12 000 Leuten, das habe Spaß gemacht. Aber deswegen könne er jetzt noch lange nicht in die Luft springen. Der Grund für das verweigerte Abheben lag wohl weniger in seiner Erschöpfung als in der Erkenntnis, dass es er nun einmal im Gegensatz zu Federer noch dabei ist bei den Australian Open.

          Trauriger Federer

          Der junge Schweizer, der im zweiten und dritten Satz Tennis fast vom anderen Stern zeigte, gab anschließend einen ungewöhnlichen Einblick in den Gemütszustand eines Verlierers. Die Traurigkeit überkomme ihn in Wellen, wusste er zu berichten. Zeitweise könne er das Spiel schon vergessen, bis dann prompt jemand komme und ihm zu seiner guten Leistung gratuliere: "Und dann wird man noch trauriger, denn man weiss, man hat nicht gewonnen."

          Für Haas stellt sich nach über sieben Stunden in zwei Spielen die Frage, ob seine Fitness reicht, um den chilenischen Linkshänder in die Schranken zu weisen. Ab Mitte des fünften sei er ziemlich fertig gewesen, gestand Haas ein, aber es gebe ja die Möglichkeit, sich am nächsten Tag zu entspannen. Federer hat seine Zweifel, ob das reicht: "Nach zwei Fünfsatzmatches wird das schwer für Tommy. Rios ist leichter Favorit."

          Konzentrierter Haas

          Nach all dem Krach um den Daviscup konzentriert sich Haas in bemerkenswerter Weise auf sein Tennis. Selbst als Federer einen perfekten Ball nach dem nächsten spielte, behielt er die Ruhe. "Da war er einfach zu gut, da kann ich doch nur sagen, Hut ab."

          Mit dieser Einstellung wartete er geduldig bis seine Chance kam und verzagte auch nicht, als er seine erste Breakmöglichkeit bei 4:4 im letzten Satz nicht nutzen konnte, als sein wundervoller Topspinlob Millimeter hinter der Grundlinie landete. Sollte er sich weiter so in der Gewalt haben, kann er vielleicht all die Hoffnungen erfüllen, die seit Jahren in ihn gesetzt worden sind.

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