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Australian Open : Mit 100 Jahren der Zeit voraus

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Das Herz der Australien Open: Der Centre Court Bild: picture-alliance / dpa

"No worries, mate" - das gilt auch für die Australian Open: Um dieses Turnier muß man sich wirklich keine Sorgen mehr machen. Der einstmalige arme Verwandte der Grand-Slam-Familie hat sich zum strahlenden Mustersohn gewandelt.

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          Eines haben die Australian Open den French Open in Paris, den All England Lawn Tennis Championships in Wimbledon und den US Open in Flushing Meadows voraus: Kein anderes Grand-Slam-Turnier hat sich dermaßen der modernen Zeit angepaßt wie das zweiwöchige Festival von Melbourne - wahrscheinlich auch, weil keiner der anderen Eckpfeiler des Tenniskalenders so hart und lange um seinen Status, um Anerkennung im Kreis der großen vier kämpfen mußte. Am Montag beginnen im Melbourne Park die Australian Open, hundert Jahre nachdem sich im Warehouseman's Cricket Club in der St. Kilda Road von Melbourne 17 Herren zur ersten Australian Tennis Championship trafen.

          Natürlich wird das "Hundertjährige" gebührend gefeiert. Geoff Pollard, der Präsident von Tennis Australia, dem australischen Tennisverband, hat das Motto für die Jubiläumsveranstaltung ausgegeben: "Hundert Jahre Geschichte werden in zwei Wochen Weltklasse-Tennis und Unterhaltung gepackt." Vor allem am 26. Januar, dem Nationalfeiertag Australia Day. Dann werden neben den großen Entertainern des Commonwealth of Australia auch einige der alten und aktuellen Tennislegenden vom fünften Kontinent aufmarschieren: Thelma Long, Len Schwartz, Frank Sedgman, Ken Rosewall, Roy Emerson, John Newcombe, Evonne Goolagong-Cawley, Pat Cash, Pat Rafter und Lleyton Hewitt, die große und auch wohl einzige Hoffnung auf den so lange überfälligen Heimsieg.

          Dach auf, Dach zu

          Diese Namen, aber auch Margret Court-Smith, Rod Laver, Fred Stolle, Lew Hoad, Tony Roche und der legendäre Trainer und Davis-Cup-Kapitän Harry Hopman stehen für die große Tennistradition des sportbegeisterten Landes. Aber nicht nur mit Namen kann der Jubilar glänzen. Heute haben die Australian Open ihren Platz im Grand-Slam-Konzert sicher, ja als Vorreiter die anderen angespornt, ihnen nachzueifern. Was Wimbledon erst für 2008 plant, die Franzosen für 2010 ins Auge gefaßt haben, ist "down under" längst Realität. Nur die "Aussies" können den Fans im Stadion und an den Fernsehschirmen auch dann Tennis präsentieren, wenn ausnahmsweise einmal der ansonsten verläßliche Hochsommer im Bundesstaat Victoria nicht mitspielt - wie wichtig das ist, haben die etlichen verregneten Turniere von Wimbledon und Flushing Meadows gezeigt. Schon seit der Eröffnung der neuen Anlage im damaligen Flinders Park (seit der Erweiterung 1996 heißt er Melbourne Park) 1988 können sie den Stars bei Regen und allzu großer Hitze ein Schiebedach über dem Kopf bieten, seit vor fünf Jahren die Vodafone Arena eingeweiht wurde, sogar zwei.

          In diesem Jahr wagen die fortschrittlichen Tennisfreunde von der südlichen Halbkugel ein weiteres Novum: Erstmals ist am 31. Januar bei einem der vier Traditionsturniere das Herrenendspiel als "Night Match" in den Abendstunden unter Flutlicht angesetzt: 19.30 Uhr Ortszeit, 9.30 Uhr MEZ - und vor allem beste Nachmittags-Sendezeit in Asien, einem Markt, der den Australiern ganz besonders am Herzen liegt, wie schon der Untertitel der Veranstaltung zeigt: The Grand Slam of Asia Pacific.

          Der Hinweis auf Asien ist keine Reminiszenz an die Pioniere. Denn damals war der Name nicht wie der heutige Slogan als Marketing-Aktion und eine Verbeugung vor dem koreanischen Hauptsponsor Kia gedacht. 1904 hatten sich Tennis-Enthusiasten aus Australien und Neuseeland zusammengeschlossen, eigentlich um mit einem gemeinsamen Team als Herausforderer am 1900 gestifteten Davis Cup teilzunehmen. Sie wählten den Namen Australasian Lawn Tennis Association, nur folgerichtig, daß das erste Turnier auch Australasian Lawn Tennis Championship hieß. Doch das kleine Häuflein, das sich auf dem Cricket-Rasen im mit Kreide aufgezeichneten provisorischen Court im Albert Park in Einzel und Doppel tummelte, machte dem großsprecherischen Namen keine Ehre. Es waren ausschließlich Australier, drei aus New South Wales, drei aus South Australia und elf aus dem gastgebenden Bundesstaat Victoria.

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