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Australian Open : Kontinentaler Kampf der Egos

  • -Aktualisiert am

Schneller Sieg, harsche Kritik: Tommy Haas Bild: AP

Thomas Haas steht in Runde zwei der Australian Open - nach seiner Kritik am DTB aber vielleicht bald nicht mehr im Daviscup-Team.

          2 Min.

          Der große Kampf der Egos wird über zwei entfernte Kontinente, in zwei verschiedenen Zeitzonen zwischen München und Melbourne in Zeitungen und per E-Mail ausgetragen und könnte die Zukunft des deutschen Daviscup-Teams langfristig gefährden.

          Nach der Rausschmiss-Drohung für Thomas Haas durch den Präsidenten des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Georg von Waldenfels, schlug Haas prompt aus Melbourne zurück. "Wenn man so was liest, muss man sich schon gründlich überlegen, ob man spielt", orakelte Haas düster.

          Duell der Beschimpfungen

          Fast das komplette Pressegespräch nach seinem 6:1, 6:3, 6:1-Auftaktsieg gegen den schwachen Russen Andrej Stoljarow beschäftigte sich mit dem Daviscup. Die Deutschen treffen vom 8. bis 10. Februar in Zagreb auf Kroatien mit Wimbledonsieger Goran Ivanisevic.

          Streitpartner: Georg von Waldenfels

          Ohne Haas scheint dies eine fast unlösbare Aufgabe, denn Nicolas Kiefer ist derzeit völlig außer Form, und Rainer Schüttler hat im Daviscup bisher nur selten überzeugt. Haas hatte am Wochenende das Beschimpfungsduell in Australien eröffnet, und unter anderem behauptet, bei DTB säßen Leute, die vom Tennis keine Ahnung hätten.

          Haas: "Darüber kann ich nur lachen"

          Der ehemalige bayerische Finanzminister von Waldenfels hatte am Montag per E-Mail schärfstens reagiert und Haas unter anderem geschrieben: "Die Grenze des Akzeptablen ist erreicht, ich werde das nicht mehr tolerieren." Haas behauptet nun, keine Mail erhalten zu haben: "Vielleicht hat er ja die falsche Adresse."

          Der Inhalt war dem 23-jährigen Hamburger aber offenbar wohlbekannt. "Der kann sagen, was er will, aber Rausschmiss, darüber kann ich ja nur lachen", brummelte er vergrätzt, "da muss man sich doch fragen, wie der sich das vorstellt". Der Weltranglisten-Achte räumte ein, dass ihn der Streit schon "etwas beunruhigt", nicht gerade die beste Voraussetzung beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres zu glänzen.

          Es geht um 100.000 Euro für den Masseur

          Der derzeit mit Abstand beste deutsche Tennisspieler hatte beim DTB-Chef vor allem mit seiner Forderung, der Verband möge doch bitteschön seinen Masseur Jürgen Dess mit rund 100.000 Euro entlohnen, Entrüstung ausgelöst. "Ich habe nie was vom DTB gekriegt. Sogar wenn ich beim Daviscup mal ein Extra-Zimmer für meine Eltern haben wollte, hat es einen Aufstand gegeben, das finde ich traurig", beschwerte sich Multimillionär Haas auch am Dienstag noch einmal.

          Er war auf Betreiben seines Vaters schon im Alter von elf Jahren von Deutschland aus nach Florida umgezogen und war dort in der Tennisakademie von Nick Bolletieri groß geworden. Haas erklärte, er habe nicht mit der heftigen Reaktion des DTB-Präsidenten gerechnet. In der Vergangenheit hätten schließlich auch Boris Becker und Michael Stich und Kiefer zeitweise nicht gespielt.

          Zoff mit Tradition

          Der große Daviscup-Zoff bei den Australian Open hat schon fast Tradition. Vor Jahren hatte der DTB sogar zeitweise seinen Pressesprecher mit auf den fünften Kontinent geschickt, um dort vor Ort drohendes Unheil an der Zeitungsfront zu verhindern. Aber dem gewaltig verschuldeten Verband fehlen selbst dazu derzeit die finanziellen Mittel. Das letzte persönliche Gespräch mit von Waldenfels, das dieser auch jetzt wieder angeboten hat, läge schon länger zurück, sagte Haas.

          Der sonst eher zurückhaltende Haas-Kollege Schüttler warf am Dienstag noch einmal dem Verband vor, die Spieler ungerechtfertigterweise für die Ebbe in der Kasse verantwortlich zu machen. Er unterstützte Haas zwar nicht bedingungslos, ist aber auch Realist: "Über Haas kann man geteilter Meinung sein, aber ohne Tommy können wir nicht gewinnen." Wenn er denn spielt, und das ist seit Dienstag nicht mehr so sicher.

          Rainer Schüttler mit viel Mühe

          Wenigstens hat Schüttler gemeinsam mit Haas die totale Blamage der Herren verhindert. Qualifikant Tomas Behrend (Sundern) und Axel Pretzsch (München) schieden dagegen erwartungsgemäß aus. Von sieben gestarteten deutschen Herren sind damit nur noch die beiden Daviscup-Spieler Haas und Schüttler dabei.

          Schüttler machte sich das Leben beim 2:6, 6:1, 4:6, 6:1, 6:4-Erfolg über den jungen Franzosen Paul-Henri Mathieu vor allem im dritten Satz schwerer als nötig, als er zahlreiche Chancen nicht nutzte. Behrend unterlag dem Belgier Xavier Malisse 4:6, 4:6, 5:7, Pretzsch verlor mit 5:7, 6:4, 0:6, 0:6 gegen Nicolas Lapentti aus Ekuador.

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