https://www.faz.net/-gtl-q0xt

Australian Open : Haas läuft mit „Gummibeinen gegen die Wand“

  • Aktualisiert am

Geschlagen: Thomas Haas Bild: AP

Thomas Haas und Rainer Schüttler sind in der zweiten Runde der Australian Open ausgeschieden. Haas verlor am Mittwoch gegen den Slowaken Karol Beck, Schüttler unterlag Andre Agassi in drei Sätzen.

          3 Min.

          Thomas Haas war plötzlich platt, Rainer Schüttler erlebte wieder einen Albtraum gegen Andre Agassi: Während die deutschen Daviscup-Spieler mit einer kollektiven Pleite den Einzelwettbewerb der Australian Open beendeten, zog Anna-Lena Grönefeld am Mittwoch in Melbourne in die dritte Runde ein und sorgte für einen Lichtblick im darbenden deutschen Damen-Tennis.

          Der von der Hitze geschwächte Haas unterlag dem Slowaken Karol Beck nach gutem Start völlig unerwartet 7:5, 6:2, 2:6, 6:7 (5:7), 3:6. „Auf einmal wollten meine Beine nicht mehr. Es war, als wenn ich gegen eine Wand gelaufen bin“, sagte Haas. Danach gewann der unter Trainingsrückstand leidende Schüttler beim 3:6, 1:6, 0:6 gegen Agassi noch ein Spiel weniger als im Finale gegen den Amerikaner vor zwei Jahren und befand: „Diesmal ist es mit Sicherheit bitterer. Vor zwei Jahren hatte ich schon vorher einen großen Erfolg errungen.“

          Grönefeld bisher einzige Deutsche in Runde drei

          Auch die beiden schon in Runde eins gescheiterten Daviscup-Kollegen hatten zuvor über unglückliche Begleitumstände geklagt: Florian Mayer fühlte sich durch eine mysteriöse Krankheit schlapp, Nicolas Kiefer gingen die Bilder von einer Schießerei in seinem Hotel nicht aus dem Kopf. Ein Positiverlebnis gab es für Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen am Mittwoch aber doch. Doppel-Spezialist Alexander Waske aus Frankfurt bezwang an der Seite des Österreichers Jürgen Melzer das an Nummer eins gesetzte Duo Mark Knowles/Daniel Nestor mit 6:3, 7:6 (7:5) und sorgte damit für eine Riesenüberraschung in der ersten Runde.

          Umsorgt: Der spanische Betreuer Enric Molina behandelte Thomas Haas wegen Krämpfen
          Umsorgt: Der spanische Betreuer Enric Molina behandelte Thomas Haas wegen Krämpfen : Bild: AP

          Im Einzel schaffte es von zwölf gestarteten Deutschen bisher nur Anna-Lena Grönefeld in Runde drei. Das 19 Jahre alte Talent zeigte beim 6:2, 7:6 (7:2) über die Halbfinalistin des vergangenen Jahres, Fabiola Zuluaga aus Kolumbien, eine starke Leistung. Auch der Einzug ins Achtelfinale ist am Freitag keine Träumerei, gegen ihre nächste Gegnerin Vera Duschewina aus Russland gewann die Nordhornerin erst in der Vorwoche beim WTA-Turnier in Canberra.

          „Beine wie Gummibänder“

          Endstation war in Runde zwei auch für Björn Phau. Der als „Lucky Loser“ aus der Qualifikation nachgerückte Münchner verlor gegen den Kroaten Mario Ancic 5:7, 2:6, 1:6. Am Donnerstag besitzt noch Philipp Kohlschreiber gegen Chiles Doppel-Olympiasieger Nicolas Massu die Chance, als einziger der acht deutschen Herren die Runde der letzten 32 zu erreichen. Im Vorjahr hatten von neun Deutschen nur Mayer und Anca Barna einen Sieg verbucht, diesmal überstanden fünf Spieler ihr Auftaktmatch.

          Doch der dritte Turniertag entwickelte sich in der Rod-Laver-Arena zu einem ungeahnten Desaster. Bei mehr als 30 Grad konnte Haas ab Mitte des dritten Satzes nicht mehr. „Ich habe gemerkt, daß der Körper total abgebaut hat“, sagte der in Florida lebende Hamburger und konnte es selbst nicht glauben: „Die Beine bewegen sich wie
          Gummibänder, obwohl man erst zwei Stunden gespielt hat.“ Ursache könnte Flüssigkeitsmangel gewesen sein.

          Schüttler „relativ hilflos“

          Der 26jährige legte sich Eisbeutel auf die Oberschenkel und in den Nacken, aß eine Banane, stellte sich eine Cola-Dose an seinen Platz und ging nach dem dritten Satz ein paar Minuten in die schattige Kabine: Es half nichts mehr, obwohl Haas sich im vierten Satz etwas erholte und im Tiebreak beim 5:5 nur zwei Punkte vom Sieg entfernt war. Doch Beck revanchierte sich nach 3:32 Stunden für die Daviscup-Niederlage im vorigen September in Bratislava, und Haas ließ sich danach eine Infusion verpassen.

          Schüttler stand gegen Agassi nur elf Minuten länger auf dem Platz als vor zwei Jahren, obwohl er die ersten zehn Punkte mit seinem Aufschlag gewann und zu Beginn fünf Breakchancen besaß. Nach dem Aufschlagverlust zum 2:3 nahm das Unheil in der nur 87 Minuten dauernden Partie seinen Lauf. „Ich war schon relativ hilflos“, gestand Schüttler. Agassi meinte: „Er hat am Anfang gutes Tennis gespielt. Als ich die Breakbälle abgewehrt hatte, begann ich, mich wohler zu fühlen.“

          Gute Laune verbreitete nur Anna-Lena Grönefeld. „Ein großartiger Sieg. Das ist die erste Top-20-Spielerin, die ich geschlagen habe. Ich gehe mit hohem Selbstvertrauen und gutem Glauben ins nächste Match“, sagte sie nach ihrem ersten Drittrunden-Einzug bei einem Grand-Slam-Turnier. Gegen Vera Duschewina gewann sie 2003 auch das Junioren-Finale der French Open, verlor 2002 aber im Endspiel des renommierten Nachwuchs-Turniers um den Orange Bowl in Miami.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Bundeskanzlerin am Mittwoch vor der Pressekonferenz im Kanzleramt.

          Verlängerter Teil-Lockdown : Wo ist der rote Faden?

          Merkel und die Ministerpräsidenten stehen immer im Verdacht, selbst wenn sie noch so ausgewogen handeln, doch relativ wahllos zu entscheiden. Das mehrt die Unzufriedenheit – ist aber der goldene Mittelweg.

          Zum Tod von Diego Maradona : In den Händen Gottes

          Bei der WM 1986 wurde er in Argentinien zum Heiligen. Er war einer, der es nach ganz oben schaffte. Nun muss die Fußball-Welt sich von einem ihrer größten Spieler verabschieden: Im Alter von nur 60 Jahren ist Diego Armando Maradona gestorben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.