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Australian Open : Ein Mann für alle Fälle

Jedermanns Favorit: Djokovic will in Melbourne seinen Titel verteidigen Bild: AFP

Witzbold, Werbeikone, Wohltäter: In Melbourne könnte Novak Djokovic seine Tenniskarriere krönen und zum ersten Mal in der Geschichte des Turnier drei Jahre in Folge die Australian Open gewinnen.

          3 Min.

           Wenn man die ganze Dramatik der Australian Open, seit sie 1988 von der Anlage in Kooyong in den Melbourne Park gezogen sind, in eine einzige Begegnung packen könnte - heraus käme als Quintessenz das Herren-Endspiel des vergangenen Jahres. Unglaubliche 5:53 Stunden hatte da am Ende die Spielzeit betragen, es war das längste Finale in der Geschichte aller Grand-Slam-Turniere und das längste Spiel in der Geschichte der Australian Open.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Novak Djokovic und Rafael Nadal waren nach fünf Sätzen, die an einem heißen Abend begonnen hatten und morgens gegen zwei Uhr bei immer noch tropischen Temperaturen beendet waren, so erschöpft, dass sie sich bei der Siegerehrung Stühle geben lassen mussten. Und ohne all die anderen besonderen Szenen der Saison 2012 geringschätzen zu wollen - Djokovic und Nadal haben an diesem Tag in Melbourne vielleicht nicht nur das Tennisereignis des Jahres geschaffen, sondern etwas, das auch auf weite Sicht schwer zu übertreffen sein wird. Es war eine Partie, die Grenzen verschob, und von der sogar der Sieger Djokovic danach trotz aller Glücksgefühle und Adrenalinschübe glaubte, er werde Wochen brauchen, um sich davon zu erholen.

          Er gilt als Favorit

          “Ich liebe die Australian Open, ich liebe diesen Centre Court. Dieser Platz erinnert mich immer wieder an die schönsten Momente meiner Karriere“, sagt Novak Djokovic nun bei seiner Rückkehr vor dem Erst-Runden-Match am Montag gegen Paul-Henri Mathieu (4 Uhr / MEZ). Das ist wenig verwunderlich, hat er hier doch den ersten seiner mittlerweile fünf Grand-Slam-Titel gewonnen. 2008 besiegte er im Halbfinale erst Roger Federer und nutzte dann die Gunst der Stunde, dass der Spanier Nadal im anderen Semifinale am Franzosen Jo-Wilfried Tsonga gescheitert war. Das war die Zeit, als sich Federer und Nadal die Grand-Slam-Trophäen und die Siege bei den Masters-Turnieren noch hübsch aufteilten, und Djokovic war damals mit seinem Erstlingswerk allenfalls ein zu beachtender Konkurrent, aber noch kein ernsthafter Herausforderer geworden. Das hat sich mittlerweile drastisch geändert - der inzwischen 25 Jahre alte Serbe ist das Maß aller Dinge und beendete 2012 nach einer imponierenden Erfolgsserie im Herbst wie im Vorjahr als Weltranglistenerster, nachdem er die Führung im Sommer zwischenzeitlich an Federer abgeben musste.

          “Novak ist hier der Favorit“, behauptet Federer, der selbst viermal im Melbourne-Park den Pokal hochhalten durfte. Würde Djokovic in zwei Wochen abermals als großer Sieger dastehen, hätte er nicht nur mit der Australian-Open-Bilanz des Schweizers gleichgezogen, er hätte auch ein weiteres Kunststück geschafft. In der 45-jährigen Profigeschichte dieses Turnieres hat noch kein Spieler dreimal nacheinander gewonnen. Die Zeichen stehen gut, dass sich das ändern könnte. So viele Partien auf Hartplätzen wie Djokovic gewann im vorigen Jahr kein anderer - seine Bilanz stand bei 50:5.

          Vielleicht wird sich der ein oder andere Entscheidungsträger beim Sportartikelhersteller Adidas mittlerweile ärgern, dass man offenbar angesichts des kleinen serbischen Marktes diesen Djokovic 2010 ziehen ließ und auf Murray setzte. Längst nämlich ist der Serbe ein Weltstar, der in Werbespots brilliert und angesichts seines Charismas auch außerhalb seines Sports zu einer echten Marke geworden ist. Zu seiner Beliebtheit tragen nicht nur seine Entertainerqualitäten, sondern vor allem auch seine vielfältigen Aktivitäten zu wohltätigen Zwecken bei. Nur zwei Tage nach seinem Sieg beim World Tour Final im November in London, als er nacheinander Murray und Federer besiegte, stand er in der Slowakei wieder auf dem Platz - zugunsten seiner Stiftung und der Aktion Stars für Stars, die junge slowakische Sportler unterstützt.

          Gefürchtete Aufschläge: Kaum einer schlägt härter auf als die Nummer eins der Welt

          Danach trat er auf einer Südamerika-Tour in Rio de Janeiro zu einem Showspiel für karitative Zwecke gegen die heimische Ikone Gustavo Kuerten an und bewies bei einem Benefiz-Fußballspiel an der Seite ehemaliger Kickergrößen wie Zico und Bebeto noch andere Stärken: Er traf per Elfmeter und bereitete den Treffer zum 3:3-Endstand vor. Erst danach, nach dem Charity-Turnier des britischen Milliardärs Richard Branson auf dessen Privatinsel in der Karibik gönnte er sich etwas Urlaub mit Freundin Jelena Ristic, bevor er mit manchen Altstars an der Winter Whites Gala von Prinz William zugunsten junger Obdachloser teilnahm und vom britischen Thronfolger mit der Auszeichnung für besondere Verdienste um benachteiligte Jugendliche und Kinder überrascht wurde. „Wir sollten nie vergessen, dass es viele Menschen gibt, die nicht so viel Glück hatten und dass wir immer so viel helfen sollten, wie es uns möglich ist“, sagt Djokovic. Dass er sich an dieses Credo auch auf dem Tennisplatz halten könnte, ist allerdings unwahrscheinlich.

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