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Australian Open : Anna-Lena Grönefeld hat zu früh zu viel gewollt

  • -Aktualisiert am

Große Chance verpaßt: Anna-Lena Grönefeld Bild: dpa/dpaweb

Anna-Lena Grönefeld war nach ihrem Ausscheiden bei den Australian Open zum Heulen zumute. Die beste deutsche Tennisspielerin in Melbourne hat die große Chance versiebt, ins Achtelfinale einzuziehen.

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          Die stark geröteten Augenpartien widerlegten Anna-Lena Grönefeld. Die 19jährige Nordhornerin hatte mehr als eine Träne verdrückt. Daß ihr nach der 5:7, 4:6-Niederlage bei den Australian Open gegen Vera Duschewina zum Heulen zumute war, das war nur allzu gut zu verstehen - zumal sie die 18jährige Russin noch in der vorigen Woche beim Vorbereitungsturnier in Canberra besiegt hatte, und zwar kurioserweise mit dem gleichen Ergebnis von 7:5, 6:4.

          Doch am Freitag hatte die beste deutsche Tennisspielerin in Melbourne die große Chance versiebt, ins Achtelfinale einzuziehen. "Ich habe das ganze Spiel bestimmt. Aber der Knackpunkt war, daß ich meine Breakbälle nicht genutzt habe", klagte die sichtlich mitgenommene Verliererin.

          Einzige deutsche Hoffnungsträgerin

          Acht Breakbälle hatte sich Anna-Lena Grönefeld erkämpft - und keinen einzigen genutzt. Der erste Satz ging verloren, weil Vera Duschewina gleich ihre erste Chance zum 6:5 beim Schopfe packte, indem sie den Aufschlag der Deutschen durchbrach. Der zweite Satz und das Match waren gelaufen, als die Russin das zweite Break zum 4:3 schaffte. Nach 1:27 Stunden war auch die letzte der vier deutschen Damen, die für das Hauptfeld des ersten Grand-Slam-Turniers dieses Jahres startberechtigt waren, ausgeschieden. Die 24jährige Leimenerin Marlene Weingärtner (Platz 74 der Weltrangliste), die 27jährige Nürnbergerin Anca Barna (95) und die 22jährige Stuttgarterin Julia Schruff (107) hatten sich bereits in der ersten Runde verabschiedet.

          Leider verloren: Grönefeld
          Leider verloren: Grönefeld : Bild: AP

          Von den drei älteren Kolleginnen war nicht viel mehr erwartet worden; doch Anna-Lena Grönefeld hatte nach ihrem Zweitrunden-Sieg gegen die letztjährige Halbfinalistin Fabiola Zuluaga aus Kolumbien die Hoffnung genährt, daß erstmals seit drei Jahren wieder eine Spielerin des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) bei den Australian Open die Runde der letzten 16 erreichen würde.

          Vorsicht wäre die bessere Variante gewesen

          "Anna-Lena hat den Biß. Sie will nach jedem Sieg mehr", hatte die neue deutsche Fed-Cup-Kapitänin Barbara Rittner die auf Rang 71 der Branchenhackordnung Plazierte am Donnerstag gelobt. Aber genau dieser Wesenszug machte dem Talent am Freitag einen Strich durch die Rechnung. "Ich habe zu früh zu viel gewollt", bekannte Anna-Lena Grönefeld. Im Bemühen, das Match zu diktieren, machte die 1,80 Meter große Blondine einfach zu viele Fehler. "Allerdings waren viele Bälle nur ganz knapp im Aus", sagte die Niedersächsin und fügte trotzig an: "Gegen sie muß man aggressiv spielen."

          Die rund 4000 Zuschauer in der Margaret Court Arena sahen, wie mutig die Deutsche agierte - aber vielleicht wäre etwas mehr Vorsicht die bessere Variante gewesen. Die Statistik wies am Ende 44 leichte Fehler für die Verliererin, aber nur 23 für die Siegerin aus. Da half es nichts, daß die Deutsche bei den Gewinnschlägen 35:14 vorne lag. Am Ende trennten die beiden nur zwei Punkte: Anna-Lena Grönefeld gewann 74 Ballwechsel, Vera Duschewina 76.

          Sturz in die Drittklassigkeit

          Als der Ärger über die vermeidbare Niederlage etwas verraucht war, zog Anna-Lena Grönefeld eine positive Bilanz: "Es war eine gute Woche." Dieser Meinung schloß sich Barbara Rittner an: "Sie steht eine Stufe über den anderen. Sie muß im Fed-Cup-Team eine Führungsposition übernehmen." Während die neue sportliche Verantwortliche für das deutsche Damentennis mit ihrer Spitzenspielerin zufrieden war, setzte es für die Kolleginnen Kritik.

          Marlene Weingärtner müsse ihren Oberkörper stärken, damit sie sich nicht ständig Muskeln im Rücken oder Bauch zerre. Anca Barna komme einfach nicht über die Enttäuschung weg, nicht für die Olympischen Spiele in Athen nominiert worden zu sein. Julia Schruff schließlich sei zu schnell zufrieden. Aber weil sich derzeit keine besseren Spielerinnen anbieten, sind alle willkommen, wenn es am 23. und 24. April in Essen in der WeltgruppeII des Fed Cups gegen Indonesien geht. Bei einem Sieg winkt ein Aufstiegsspiel in die Weltgruppe1, bei einer Niederlage droht der Sturz in die Drittklassigkeit.

          Krajiceks Schwester: Ein großes Talent

          Große Hoffnungen, daß es mit dem deutschen Damentennis schnell bergauf geht, konnte Barbara Rittner nicht wecken. In Melbourne trainiert sie täglich mit den beiden größten deutschen Talenten, der siebzehnjährigen Angelique Kerber aus Kiel und der gleichaltrigen Darmstädterin Andrea Petkovic. Aber da die beiden in der Weltrangliste noch unter ferner liefen geführt werden (Kerber auf Rang 277, Petkovic auf 364), dürfen sie erst in der kommenden Woche am Juniorenturnier teilnehmen. Aber selbst in der Nachwuchskonkurrenz gelten die beiden als Außenseiter.

          Wie stark man schon in jungen Jahren Tennis spielen kann, demonstrierte in Melbourne die sechzehnjährige Michaella Krajicek, die Schwester von Richard Krajicek, dem niederländischen Wimbledonsieger von 1997. Die Führende der Junioren-Rangliste der Internationalen Tennis Föderation unterlag in der zweiten Runde der Damenkonkurrenz nur hauchdünn in drei Sätzen der Schweizerin Patty Schnyder, der Vierzehnten der Weltrangliste.

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