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Australian Open : Am Rande der Erschöpfung behält Haas die Oberhand

  • -Aktualisiert am

Die Einsamkeit des Aufschlägers: Tommy Haas Bild: AP

Nicht hochklassig, aber spannend: Nur mit äußerster Mühe hat Tommy Haas bei den Australian Open den Einzug ins Achtelfinale geschafft. Dies gelang auch der jungen Marlene Weingärtner.

          Am Schluss standen die Kontrahenten länger als sonst am Netz, sprachen ausführlich miteinender, als hätten sie sich lange nicht gesehen. Auf der einen Seite ein junger Mann mit dunklen Locken und rotem Hemd. Auf der anderen Seite ein riesiger Grauschopf ganz in weiß.

          Thomas Haas und Todd Martin hatten am bisher heißesten Tag der Australian Open über 3:40 Stunden ein nur selten hochklassiges, aber stets spannendes Match bis an den Rand der körperlichen Erschöpfung gezeigt. Am Ende hieß der Sieger Haas, 6:7 (8:10), 6:3, 3:6, 6:4, 6:1 lautete das Ergebnis.

          Wenig Konstanz, viel Kraft

          Der letzte Deutsche im Herren-Feld trifft am Montag im Achtelfinale auf den Schweizer Roger Federer, der Mühe hatte, Rainer Schüttler 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 6:4 zu stoppen. Ebenfalls in die Runde der letzten 16 vorgestossen ist Marlene Weingärtner, die die an Numer zehn gesetzte Amerikanerin Meghann Shaughnessy 6:2, 3:6, 6:3 bezwang und sich mit der Französin Amelie Mauresmo auseinandersetzen muss.

          Zäher Widerpart: Todd Martin

          Haas unterzog sich selbst einem eher unnötigen Härtetest gegen den zähen Martin und stand 63 Minuten länger auf dem Platz als in seinen ersten beiden Matches zusammen. In der Rod Laver Arena zeigte er wenig Konstanz, hatte aber am Ende mehr Benzin im Tank als sein Gegner, der den Schiedsrichter kurz vor Ende des Matches bitten musste, den Masseur zu rufen. "Mir geht's nicht so gut", stöhnte Martin, der bei jedem Seitenwechsel mit dicken Eispacks im Nacken versuchte, seinen überhitzten Körper herunter zu kühlen.

          "30 Grad recht angenehm"

          Haas, 30 Grad im Schatten als "eigentlich recht angenehm" empfand, hatte gar noch Zeit, sich mit dem Schiedsrichter über die Legalität eines Mützenaufdrucks zu streiten, der erst vom Oberschiedsrichter entschärft wurde, als er dem umstrittenen Symbol per Filzschreiber den Garaus machte.

          Von größerer Bedeutung könnte eine Fußverletzung sein, die bandagiert werden musste, über deren Schwere sich aber erst noch herausstellen muss. Erst nach dem Match zwischen Haas und Martin klärte sich auch auf, was die beiden am Netz beplaudert hatten. Der Deutsche hatte seinem Gegner erklärt, dass ihm wirklich sein Fuß wehgetan hatte. Martin hatte ihn nämlich zuvor gefoppt, weil er nach dem Verbinden sogar schneller lief als zuvor. Die Ironie in Martins Bemerkung war aber an Haas spurlos vorüber gegangen.

          Überraschung Marlene Weingärtner

          Weingärtner nutzte die "Riesenchance", die sie sich selbst ausgerechnet hatte. In ihrem Match schien es lange fraglich, ob überhaupt beide oder wenigstens eine der beiden Spielerinnen bis zum Ende durchhalten würden. Erst musste Shaughnessy ausführlich durchgeknetet werden, um einen verspannten Rücken aufzulockern, dann war Weingärtner an der Reihe.

          Gut massiert und frisch verbunden, hielt sie trotz Schmerz im Oberschenkel durch. Neun Tage vor ihrem 22 Geburtstag muss sie nun den bereits für Anfang kommender Woche geplanten Rückflug erst einmal verschieben. Und Mauresmo ist derzeit nicht in der Form, mit der sie vor drei Jahren ins Finale von Melbourne stürmte. "Wenn ich gut spiele und kämpfe habe ich gegen jede eine Chance", sagt Weingärtner, die sich für das deutsche Damen-Tennis besonders verantwortlich fühlt, seit sie nach dem Rücktritt von Anke Huber die deutsche Nummer eins ist.

          Rainer Schüttler zog zufriedenes Fazit

          Schüttler war insgesamt mit seinem Australien-Trip zufrieden, auch wenn er einräumen musste, dass gegen den hoch gewetteten Federer mehr drin gewesen wäre. In seiner Beurteilung war er sich mit Haas einig, der einige Zeit im Fernsehen zugeschaut hatte. "Man muss halt die wichtigen Punkte gewinnen", sagte Haas über seinen Daviscup-Kollegen.

          In beiden Tiebreaks führte Schüttler mit 5:3, dann aber ging ihm die Luft aus, keine Winder, hatte er doch in den beiden Runden zuvor schon zehn Sätze hinter sich gebracht. "Ich habe gemerkt, dass mich meine Beine nicht mehr weit tragen", gab er zu. Trotzdem glaubt der Hesse, dass sich seine harte Arbeit jetzt auszahlt, "die Top Ten sind hoffentlich nicht mehr weit weg".

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