https://www.faz.net/-gtl-2mro

Auslandsfußball : Arsenal schenkt Liverpool den FA-Cup

  • -Aktualisiert am

Cup-Gewinner: Markus Babbel Bild: dpa

Michael Owen hat mit einem späten „Doppelpack“ den englischen Rekordmeister FC Liverpool zum sechsten Sieg im traditionsreichen FA-Cup geführt und damit die Hoffnungen auf das historische „Triple“ genährt. Der Jung-Nationalspieler entschied beim 2:1 (0:0)-Sieg der „Reds“ gegen Arsenal London durch zwei Treffer in den Schlussminuten (83. und 88.) das 120. Pokalfinale im Alleingang.

          3 Min.

          Der FC Liverpool blieb auf Erfolgskurs. Mit einigem Glück ist weiterhin das Pokal-Triple möglich. Der englische Rekordmeister, der im April bereits den Ligapokal gewonnen hatte und am Mittwoch in Dortmund gegen Deportivo Alaves das Endspiel um den Uefa-Pokal bestreiten wird, entschied im Millenium-Stadion von Cardiff das 120. Endspiel um den traditionsreichen englischen FA-Pokal gegen Arsenal mit 2:1 (0:0) für sich.

          Matchwinner Michael Owen

          Zum Erfolg gegen die spielerisch dominierenden, aber in entscheidenden Momenten versagenden Londoner brauchten die Liverpooler neben den beiden Toren von Michael Owen in der Schlussphase (82. und 88.) auch einen besonderen Ellenbogeneinsatz des Schweizers Stephane Henchoz. Der ehemalige HSV-Verteidiger hatte nach einer Viertelstunde auf der Torlinie einen Schuss von Thierry Henry mit dem Arm abgewehrt.

          Es mag etwas Pech dabei gewesen sein, dass der in diesem Moment besser als der Schiedsrichter postierte Linienrichter den Einsatz von Henchoz - unverständlicherweise - als unabsichtlich eingestuft hatte. „Es ist das erste Mal, dass ich einen Spieler sehe, der auf der Linie den Ball ohne Absicht mit der Hand abwehrt“, wetterte Arsenal-Trainer Arsène Wenger später, „das war ein Elfmeter, und Henchoz hätte rot sehen müssen.“

          Arsenal dominierend

          Doch bei anderen Gelegenheiten scheiterten die Londoner vielmehr aus eigenem Unvermögen. Von Beginn an war Arsenal die dominierende Mannschaft, am extremsten in der ersten Viertelstunde nach der Pause, als die „Gunners“ jeden Zweikampf gewannen. Patrick Vieira war der herausragende Spieler im Mittelfeld, und Thierry Henry beschäftigte fast im Alleingang die Liverpooler Verteidigung.

          Doch gerade der französische Nationalstürmer war einer der Hauptschuldigen dafür, dass Arsenal den Liverpoolern den Pokal quasi schenkte. Henry wirkte im Abschluss zu nonchalant und zu verspielt - was Liverpool immer wieder ermöglichte, im letzten Augenblick noch einen Torerfolg zu verhindern. Insgesamt drei Mal wehrte zum Beispiel Innenverteidiger Sami Hyypia auf der Linie ab, einmal gegen Henry, und dazu noch gegen Ashley Cole und Patrik Ljungberg. Und nachdem dem Schweden in der 72. Minute das 1:0 gelungen war, verpasste es Arsenal, den Sieg mit einem zweiten Tor endgültig sicherzustellen.

          Hamann ausgewechselt

          Schon vor diesem Treffer hatte Liverpools Trainer Gerard Houllier reagiert und Dietmar Hamann durch Gary McAllister ersetzt. „Unser Mittelfeld ist sonst unsere Stärke, aber heute litt es unter den Temperaturen“, sagte der Franzose, der zudem bestritt, dass er den Münchner wegen der Gefahr eines Platzverweises vom Feld genommen hatte. Der in manchen Zweikämpfen unglücklich einsteigende Hamann war kurz vor seiner Auswechslung nach einem Foul an Vieira verwarnt worden.

          Nun kamen langsam die Ideen und überraschenden Zuspiele, die zuvor beim englischen Rekordmeister gefehlt hatte. Und den nie aufgebenden Liverpoolern gelang nach einer Freistossflanke von McAllister durch Michael Owen der Ausgleich. Das kehrte das Spiel völlig, auch weil Arsenals etwas ähnliches wie fussballerischen Selbstmord beging. Anstatt zu versuchen, das Spiel zu beruhigen, das Unentschieden über die Zeit zu bringen und den Sieg in Verlängerung zu suchen, öffneten die Londoner ihre Verteidigung. Weil sie nach dem Ausgleich ihre Sicherheit verloren hatten, war dies die völlig falsche Taktik.

          Entscheidung in der 88. Minute

          Denn der Siegeswille von Liverpool hatte nun enormen Auftrieb erhalten - und das führte in der 88. Minute zum Erfolg, als Michael Owen das 2:1 gelang. Der englische Nationalstürmer, für seine Schnelligkeit bekannt, profitierte nach dem weiten Zuspiel des eingewechselten Patrik Berger allerdings auch davon, dass er nur Lee Dixon und Tony Adams als Gegenspieler hatte. Beide sind alles andere als schnelle Verteidiger bekannt, und Owen nahm Dixon im Sprintduell über 30 Meter fünf Meter ab. „Ich hatte später nach dem Ausgleich auf die Uhr geschaut, und da waren noch vier Minuten zu spielen. In dem Moment dachte, es sei noch alles möglich. Da hat es mich gewundert, dass Arsenal die Abwehr aufmachte“, sagte nach dem Spiel Markus Babbel, der ein solide Leistung geboten hatte und seinen Gegenspieler Robert Pires - mit einer Ausnahme, als der Franzose die Vorlage zum 1:0 gab - auch weitgehend unter Kontrolle hatte.

          Unattraktives Finale

          Diese letzten zehn Minuten, in denen die Partie völlig gekehrt wurde, ließen die Enttäuschung über das zuvor über weite Strecken unbefriedigende Spiel vergessen. In anderer Hinsicht wischte der erstmals ausserhalb Englands ausgetragene Pokalfinal zuvor gehegte Befürchtungen weg. Die Stimmung vor dem Spiel als auch während der neunzig Minuten war mindestens so gut und so speziell wie bei früheren Austragungen im Londoner Wembley-Stadion. Schon früh hatten sich die Anhänger beider Clubs auf den Weg nach Cardiff gemacht, auf den Autobahnen und Zufahrtsstrassen zur walisischen Hauptstadt waren Autos ohne Schals oder Aufkleber in der Minderheit.

          Rund um das Stadion sorgten die Fans für eine friedliche Atmosphäre - ein (unbekleideter) Arsenal-Anhänger nahm in Vorfreude über den vermeintlichen Sieg seiner Mannschaft sogar ein Bad im River Taff, der neben dem Stadion vorbei fließt. Und auch im Stadion sorgten die 74.200 Zuschauer vom Absingen der Pokalhymne „Abide With Me“ und der Nationalhymne bis nach der Pokalübergabe für eine Stimmung, die den englischen Pokalfinal so einzigartig macht.

          Weitere Themen

          München in Not

          Frust beim Eishockey-Topklub : München in Not

          Eine solche Dominanz hat die DEL in ihren 25 Jahren noch nicht erlebt. Doch auch wenn der EHC weiter an der Spitze der deutschen Eishockey-Liga steht: Die alte Souveränität ist dahin. Das Problem der Münchener ist offensichtlich.

          Topmeldungen

          Matilda Gustavsson, Journalistin und Autorin von „Klubben“

          Buch über Akademie-Skandale : Ein Täter – und viele, die lieber wegsahen

          Man kann nur hoffen, dass dieses Buch auf Deutsch erscheint: „Klubben“ ist eine Milieustudie über die Schweigekultur rund um die Skandale an der Schwedischen Akademie, die das Nachdenken über Macht und Sex in der Kulturwelt neu entfacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.